Thomas und Conny wohnen im LKW

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Markus Bundt (Redaktion), Tobias von Hellborn (Kamera), Johannes Bock (Kamera und Ton) und Annette Bohr (Schnitt).

Ein umgebauter lila Laster ist seit drei Jahren das einzige Zuhause von Conny und Thomas. In dem Lastwagen befindet sich ihr gesamtes Hab und Gut. 2020 haben die beiden ihr Haus verkauft und ihren Wohnsitz in Deutschland offiziell abgemeldet. Seitdem wohnen, arbeiten, leben und reisen sie auf 17,5 m² um die Welt. In Deutschland haben sie lediglich noch eine Kontaktadresse.

Das Zuhause von Conny und Thomas war früher mal ein Möbelwagen. Nach genau einem solchen Modell mit einem sieben Meter langen Koffer hatte Thomas gesucht. Als gelernter Automechaniker kennt er sich da bestens aus. Gefunden haben sie ihren Laster in Berlin. Mit 300.000 Kilometern auf dem Tacho. So ein LKW-Motor schafft bei guter Pflege locker eine Million Kilometer, sagt Thomas. 6.500 Euro haben die beiden damals dafür bezahlt, ein echtes Schnäppchen.

Tiny Living im ausgebauten LKW

Für den Ausbau war vor allem Thomas zuständig. Der Plan war schnell gemacht – ohne komplizierte Computerprogramme. Die beide haben ganz einfach Schablonen ausgeschnitten und auf den Grundriss gelegt. Anschließend haben sie sich die Holzteile dann dementsprechend im Baumarkt zuschneiden lassen. Insgesamt neun Monate hat der Ausbau gedauert, rund 1.000 Arbeitsstunden stecken im Umbau. Auf die ungewöhnliche Außenfarbe haben sich die zwei sehr schnell einigen können.

Beim Umbau war beiden besonders wichtig, dass sie ausreichend Platz für ihre Yoga-Übungen haben und problemlos aufrecht stehen können. Auch eine richtige Waschmaschine musste sein. Bei der Küche wollte Conny zudem nicht auf einen normalen Backofen verzichten.

Minimalistischer Stil: Conny und Thomas mussten sich reduzieren

Conny und Thomas mussten sich extrem reduzieren, damit wirklich ihr kompletter Besitz in den umgebauten LKW passt. Im Nachgang empfinden sie dies, als wären sie Ballast losgeworden. Einige ihrer Schränke im Lastwagen sind sogar ungenutzt.

Conny und Thomas haben gemeinsam zwei erwachsene Söhne. Mit ihnen haben sie im Vorfeld alle Pläne besprochen. Die Söhne verstehen und unterstützen die Lebensweise ihrer Eltern.

Mobiles Wohnen, Entschleunigung und Reisen

„Mobiles Wohnen“ nennen Conny und Thomas ihren Lebensstil. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell oder möglichst weit voranzukommen. Manchmal stehen sie wochenlang an einem Ort, fahren nur zum Einkaufen oder Frischwasser tanken in die nächste Stadt. Dann erst geht es weiter. Rund 12.000 Kilometer fahren sie mit ihrem Lila Laster pro Jahr auf ihren Reisen. Als sie noch im Haus gewohnt haben, sind die beiden wesentlich mehr Kilometer pro Jahr gefahren.

Bei ihren Reisen setzen Conny und Thomas weniger auf touristische Ziele. Stattdessen waren sie bereits in Georgien, Armenien, Albanien, Kosovo oder auch an der iranisch-irakischen Grenze der Türkei.

Arbeiten von unterwegs

Natürlich müssen die beiden auf ihren Reisen auch Geld verdienen. Die meisten Einnahmen erwirtschaften sie durch Network Marketing. Thomas redigiert außerdem Texte – von der Gebrauchsanweisung bis zum Roman. Das funktioniert ebenfalls über eine Internetplattform. Mittlerweile hat er bereits einen festen Kundenkreis, über den er immer wieder Aufträge bekommt. Und schließlich berät die Familien- und Lerntherapeutin Conny ihre Klienten über Konferenz-Plattformen. So können die beiden nicht nur ihre monatlichen Kosten decken, sondern sogar auch immer noch Geld zurücklegen.

Ihre nächste Reise wird sie übrigens nach Afrika führen. Zunächst geht’s Richtung Marokko, dann wollen sie weiter die Westküste runterfahren und, wenn alles klappt, bis Namibia oder sogar Südafrika kommen. Da, wo die Straßen zu schlecht sind, oder die Reise zu gefährlich ist, nehmen sie vielleicht ein Schiff, das sie weiter nach Süden bringt. Aber bis dahin sind es noch ein paar Kilometer – und die Reise kann durchaus ein paar Jahre dauern. Kein Problem, schließlich haben Conny und Thomas ihr Zuhause überall dabei. Vanlife – nur etwas größer.

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Markus Bundt (Redaktion), Tobias von Hellborn (Kamera), Johannes Bock (Kamera und Ton) und Annette Bohr (Schnitt).