LKW-Anhänger zum Tiny House umgebaut

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AUTOR/IN
Rieke Spang
Rieke Spang (Foto: SWR)
EIN FILM VON
Lars Reuther (Kamera), Paul Heydecke (Kamera / Ton) und Barbara Brückner (Schnitt).

Mit Anfang 20 ein eigenes Haus zu haben – oder zumindest eine „Hütte“, wie Julius sagt – diesen Traum hat er sich erfüllt.

In kompletter Eigenleistung hat Julius sich einen alten LKW-Anhänger zu einem mobilen Tiny House umgebaut. 20 m² Wohnfläche, inklusive Bett stehen ihm jetzt auf 7,5 m Länge und 2,5 m Breite zur Verfügung.

Kein Bock auf Miete: Ein eigenes Haus mit Anfang 20

Zusammen mit seinem Freund Paul hat Julius knapp ein Jahr lang fast täglich an seinem Traum gearbeitet. Auf etwa 2.000 Arbeitsstunden ist er dabei gekommen – mehr als der Durchschnitt der Erwerbstätigen in Deutschland im Jahr arbeitet. Das Budget dafür hat sich Julius noch nebenher mit Handwerkerjobs bei Renovierungs- und Gartenarbeiten verdient. 25.000 Euro hat er zusätzlich zu seiner Eigenleistung für Wagen und Material investiert, schätzt er. Hätte er nicht so viel selbst gemacht, wäre es deutlich teurer geworden.

Alter LKW-Anhänger wird mobiles Tiny House

Eigentlich ist Julius gelernter Landwirt. Gebastelt und gebaut hat er aber schon immer gern, erst am Moped geschraubt, dann einen Bus ausgebaut. Stück für Stück hat er sich so Vieles selbst beigebracht und mit jedem Mal mehr dazugelernt. Der LKW-Anhänger ist sein bislang größtes Projekt.

Umbau in kompletter Eigenleistung

Bisher wohnte Julius auf dem Hof seiner Großeltern, wo er auch die optimalen Voraussetzungen für sein Wagenbau-Projekt hatte: eine große Halle, seine eigene Holz- und Metall-Werkstatt und vor allem jede Menge Baumaterial. Denn um den Ausbau so kostengünstig wie möglich zu halten, hat Julius altes Material recycelt, wo immer es ging. Metall, Holz, Fenster – vieles davon war gebraucht und deshalb günstig oder sogar umsonst. Dafür ging umso mehr Zeit für die Aufbereitung des Materials und der rostigen Metallteile drauf. Vor dem Einbau hieß es deshalb erstmal abschleifen, zusägen, schweißen, neu lackieren. Von 50 Jahre alten Strahlträgern einer Halle, die Julius zur Stabilisierung des Fahrgestells verwendet hat, bis hin zu alten Wasserrohren, die ihm heute als Treppengeländer dienen, wurde am Wagen fast jedes Stück Metall aufgearbeitet und wiederverwendet.

Baumaterial zum größten Teil recycelt

Das Upcycling war auch notwendig, denn sein ursprüngliches Budget von 6.000 Euro war schnell erschöpft, als sich herausstelle in welchem Zustand der 47 Jahre alte, ehemalige Schausteller-Anhänger war. „Uns war schon klar, dass er rostig ist und dass wir einiges machen müssen, aber dass es so viel war – damit haben wir nicht gerechnet.“ Doch auch wenn sich die beiden Freunde, was Zeit und Geld angeht, deutlich verschätzt haben, haben sie es am Ende durchgezogen. Befreundete Handwerker oder andere Landwirte standen ihnen immer mit Rat zur Seite, wenn sie nicht weiterkamen.

Nächstes Bau-Projekt mit eigenem Bad

Und so kann Julius heute mit Stolz auf sein fertiges Tiny House blicken. Wobei, so ganz fertig ist er eigentlich nie – dafür hat Julius zu viele Ideen und zu viel Spaß am Bauen. Da er jetzt aber nicht mehr zuhause auf seinem Hof wohnt, ist der Zugang zu Material und großem Werkzeug schwierig geworden. „Ein Leben ohne Werkstatt ist möglich, aber sinnlos“, scherzt er. Sie fehlt ihm in seinem neuen, minimalistischen Zuhause deshalb auch am meisten – mehr noch als ein eigenes Bad. Das hat er in seinen komplett abgedichteten LKW-Anhänger nämlich nicht eingebaut, um später kein Feuchtigkeitsproblem zu bekommen. Er teilt sich Dusche, WC und Waschmaschine mit anderen Menschen, die wie er auf dem gemeinschaftlich organisierten Wagenplatz leben. Das ist okay für ihn, auch wenn er es beim nächsten Bau-Projekt einplanen würde.

Mit dem mobilen Tiny House an keinen Ort gebunden

Sein Leben lang möchte Julius aber nicht in einem Wagen wohnen. Er ist jetzt 22 Jahre alt, macht gerade sein Abi und will sich danach umorientieren, vielleicht studieren. So lange verdient er sich mit Nebenjobs im Handwerk sein Geld. Genau für diese Zeit, in der er noch herausfinden will, wo er hinwill und leben möchte, ist sein Tiny House auf Rädern optimal für ihn. Er hat sein eigenes Zuhause, muss keine Miete zahlen und ist nicht an einen Ort gebunden.

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Lars Reuther (Kamera), Paul Heydecke (Kamera / Ton) und Barbara Brückner (Schnitt).