Tiny-Flat-Familie: Zu fünft auf 40 m²

Stand
Autor/in
Annika Erbach
Ein Film von
Lars Reuther (Kamera)
Paul Heydecke (Ton)
Florian Felix Klein (Schnitt)

Familie Şahin spart Miete und wohnt zu fünft auf 40 Quadratmetern in einer Einzimmerwohnung. Dafür aber direkt in der Innenstadt von Frankfurt. In dieser Lage muss man normalerweise viel Geld ausgeben für eine Mietwohnung. Das wollten Kathrin, Can und ihre drei Kinder nicht und zogen in ihre Tiny Flat.

Bewusste Reduzierung des Wohnraums

Die Familie hat allerdings nicht immer auf so kleinem Raum gewohnt. Zuvor wohnten sie in einer 3-Zimmerwohnung direkt über ihrer Tiny Flat. Als im Haus dann die kleine Erdgeschosswohnung mit Garten frei wurde, schlugen sie zu und wohnten dann zwei Jahre lang in beiden Wohnungen.

Fläche reduzieren: Miete und Nebenkosten sparen

Doch dann kam Corona. Homeschooling, keine Kinderbetreuung, Homeoffice – und dazu noch die hohen Fixkosten, die vor allem durch die Miete entstanden. Das stürzte die Familie in eine Krise, aus der sie unbedingt ausbrechen wollte. So wählten die fünf einen ungewöhnlichen Weg. Kathrin hatte die Idee die große Wohnung aufzugeben, sich zu verkleinern und komplett in die Einzimmerwohnung zu ziehen. Can stieg mit ein in den Minimalismus und auch die Kinder gewöhnten sich schnell an die Idee.

Einsteig in den Minimalismus: Ausmisten

Und dann hieß es: ausmisten! Nur wie? Und was braucht man überhaupt? Mit welchen Dingen belastet man sich nur? Kathrin und Can machten drei Kisten: Behalten. Verkaufen. Wegschmeißen. Und so reduzierten sie ihren gesamten Haushalt auf die Hälfte. Bleiben durften vor allem Dinge, die nicht nur einen Zweck haben, sondern universell einsetzbar sind. So verabschiedeten sie sich schonmal von vielen überflüssige Küchenutensilien.

Die Kinder durften dabei am meisten mitnehmen. Kathrin ist studierte Sozialpädagogin und führte sie ganz behutsam an den Prozess des Ausmistens heran. Die Kinder lagern im Keller ihre Erinnerungskisten mit Dingen, die zwar in der Wohnung keinen Platz haben, sie aber trotzdem behalten wollen.

Nur noch 450 Euro Miete

Aktuell zahlt die Familie jetzt nur noch knapp 540 Euro Miete. Dazu kommen noch Gas und Strom. Da beide Elternteile berufstätig sind, bleibt nun viel mehr Geld vom Familieneinkommen übrig. Und das wird zum einen gespart, zum anderen für Urlaube und Familienausflüge ausgegeben.

Raum unter hohen Altbaudecken nutzen

Da die Familie in einem Altbau wohnt, profitieren sie von fast vier Meter hohen Decken. Und da die Grundfläche klein ist, geht es eben in die Höhe! So wird die Wäsche dank Flaschenzug unter der Decke getrocknet. Der Flur ist auch nicht nur ein Durchgang, sondern wird bis unter die Decke ausgenutzt. Kathrin und Can haben eine Zwischenebene eingebaut. Oben schlafen ihre drei Kinder, spielen und haben ihre Kleiderschränke. Unten lagert das Spielzeug.

Minimalismus schafft Ordnung

So haben die Kinder oben ihren eigenen kleinen Rückzugsort. Kathrin und Can sind sich bewusst, dass ihre Zeit in der Tiny Flat begrenzt ist. Ihre große Tochter ist neun. Wenn sie in die Pubertät kommt, wird sie vermutlich ein eigenes Zimmer wollen. Dann wird die Familie eben nach neuen Möglichkeiten suchen. Einen großen Vorteil bietet der Minimalismus aber allemal – er sorgt für Ordnung! Jeder Gegenstand hat seinen festen Platz, so hat das Chaos keine Chance. Selbst mit drei Kindern nicht.

Kressberg

Simons experimentelles Tiny House aus Lehm

Auf der Suche nach einem Lebensraum, der zu ihm passt, ist Simon selbst aktiv geworden. Ohne große Pläne, hat er mit Lehm und Kalk ein Tiny House gebaut. Dieses 14 m² kleine, kuppelförmige Lehmhaus nennt er "Flowdome".
Das Alternative Wohnen passt zu ihm. Denn Simon, aka Courtier, versteht sich selbst als Künstler, Filmemacher, Philosoph und Autor. Den Namen Courtier nutzt er immer, wenn es um seine Kunst geht: Musik, Mode und Architektur.
Der "Flowdome" ist ein Geodom aus Lehm mit einer Kalkschicht und das erste Bauwerk, das Courtier erschaffen hat. Er hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie der perfekte Raum für einen kreativen Menschen wie ihn aussehen könnte. Dabei war es ihm wichtig, mit nachhaltigen Materialien zu arbeiten und sich ressourcenschonend einzurichten.
Sein Tiny House aus Lehm hat Simon rund 12.000 Euro gekostet und ist auch offiziell genehmigt. Denn gebaut hat er auf dem Gelände der Zukunftswerkstatt Gemeinschaft Schloss Tempelhof bei Crailsheim. Die Gemeinschaft hat auf dem angrenzenden Tempelfeld mit Deutschlands erstem Earthship u. a. ein einzigartiges „Reallabor“ für experimentelle Bau-Projekte geschaffen. So konnte auch Simon hier mit seinem kreativen Tiny House aus Lehm experimentieren.

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Annika Erbach
Ein Film von
Lars Reuther (Kamera)
Paul Heydecke (Ton)
Florian Felix Klein (Schnitt)