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Alex Müller (Foto: SWR)

Bis in die 80er Jahre wurden Kinder auf Kur geschickt, in so genannte „Verschickungsheime“. Doch oft wurden die Kinder systematisch gequält. Petra aus Bruchsal war eines von ihnen.

„Ich weiß, dass der Schrecken für mich immer begann, wenn es Abend wurde.“

Petra, aus Bruchsal, setzt sich ehrenamtlich für ehemalige Verschickungskinder ein

Millionen von Kindern wurden von 1950 bis in die 80er oder gar 90er Jahre in sogenannte „Verschickungsheime“ gebracht. Vier bis acht Wochen lang sollten zu dünne oder kranke Kinder hier aufgepäppelt werden, dicke Kinder abnehmen.

1977 wurde Petra zum ersten Mal von ihren Eltern zu so einer „Kur“ an die Nordsee geschickt. Da war sie gerade mal sechs Jahre alt.

Was die „Verschickungskinder“ erleben mussten

„Wir sind damals vom Bahnhof Bad Schönborn zu hunderten Kindern in den Zug gesteckt worden, ein Schild um den Hals, Kleider mit Beschriftung und sind dann nach Kiel transportiert worden mit dem Zug. Und von dort aus mit der Fähre in einer Nacht- und Nebelaktion nach Wyk auf Föhr.“

Verordnet war das alles von einem Arzt, da Petra „zu schmächtig“ gewesen sei und oft an Bronchitis litt. Sechs Wochen allein, ohne Eltern, in einem Kinderheim weit weg von allem vertrauten.

Strafe, Schikane, Misshandlung

Das war aber nicht das Schlimmste. Disziplin sollte herrschen, ein Mittel dafür waren offenbar öffentliche Demütigen. Betroffene berichten von Strafen, Schikanen, sogar Misshandlungen.

Einige berichten sogar, dass sie ihr eigenes Erbrochenes essen mussten.

Petra selbst erzählt von einer furchtbaren Nacht, in der sie auf dem Boden sitzen musste, mit einer Decke über dem Kopf.

„Und immer, wenn ich eingeschlafen bin oder auf die Toilette musste, hat die Betreuerin mit ihrem Stock auf die Decke geschlagen und gesagt: „Wirst du wohl gehorchen.“

Den Opfern wurde nicht geglaubt: „Sind ja nur Kinder“

In der „Initiative Verschickungskinder“ werden online Berichte von Menschen gesammelt, die in den Verschickungsheimen waren.

Petras Eltern haben ihr damals nicht geglaubt – so ging es wohl vielen Kindern. Ihren zaghaften Hilferufen in Briefen wurde meist nicht nachgegangen.

Die „Initiative Verschickungskinder“ will helfen

Positive Berichte von Verschickungsheimen gibt es, aber nur wenige. Petra hat angefangen, ihre Erlebnisse aufzuarbeiten.

Sie engagiert sich in der „Initiative Verschickungskinder“, um auch anderen die Möglichkeit zu geben, sich die schlimmen Erinnerungen von der Seele zu schreiben.

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