Wenn Babys tot geboren werden: Simone ist Mutter von drei Sternenkindern

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„Ich lag eine Woche auf der Entbindungsstation und hörte das Schreien der Babys, die geboren wurden. Ich habe mir die Ohren zugehalten. Konnte es nicht ertragen, weil unsere Kinder nicht geschrien haben.“

Simone Osteroth verliert ihre Tochter Anna im frühen Schwangerschaftsstadium. Ein Jahr später ist sie wieder schwanger – dieses Mal sind es Zwillinge. Doch im fünften Monat werden auch Thomas und Felix tot geboren. Wenn Kinder während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt sterben, werden sie als Sternenkinder bezeichnet.

Mutter zu sein, war Simones Lebenstraum. Als dieser platzt, bricht für sie eine Welt zusammen. Ihr Umfeld ist überfordert, Freunde wenden sich von ihr ab. Dabei hätte sie sich nur einen einfachen Satz gewünscht: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Das sei viel ehrlicher und hilfreicher, als nichts zu sagen.

Auch Engel müssen geboren werden

Auch im Krankenhaus erlebt sie einen unsensiblen Umgang. Ein Arzt überreicht ihr einen braunen Umschlag mit Fotos der toten Kinder und fügt hinzu, sie solle sich die Bilder lieber nicht anschauen – die Kinder sähen aus wie „ausgelutschte Gummibärchen.“ „Das war etwas, das ich in diesem Moment auf gar keinen Fall hören wollte.“

Bei einem Nachgespräch bringt sie dem Arzt selbstgestaltete Umschläge mit dem Schriftzug „Auch Engel müssen geboren werden“ mit und bittet ihn, diese zukünftig an betroffene Mütter auszuhändigen. Ihre Erfahrungen teilt Simone mit anderen Sternenkindereltern. Sie gründet eine Selbsthilfegruppe und bietet Meditationskurse an. Und sie lernt, Frieden zu schließen:

„Auch wenn ich mir mein Leben ganz anders vorgestellt habe, bin ich heute glücklich.“

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