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Freude im Schwabenland: Sechs "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" sind jetzt Unesco-Welterbe - nämlich jene Höhlen auf der Schwäbischen Alb, in denen die ältesten bekannten Kunstwerke und die ältesten Musikinstrumente gefunden wurden. Hier beschreiben wir die wichtigsten Fundstücke und ihre Bedeutung - und es gibt 360°-Aufnahmen zweier Höhlen.

Wie alt ist die Kunst?

Rund 40.000 Jahre. Auf dieses Alter wurde etwa die "Venus vom Hohle Fels" datiert (s. Video unten). Für die älteste Flöte sogar auf ein Datum von 42.000 Jahre ermittelt.

Wo befinden sich die Höhlen?

Drei der Höhlen davon befinden sich im Tal der Lone, drei im Tal der Ach. Das Lonetal befindet sich östlich, das Achtal westlich von Ulm. Die folgende Karten in unserem Video zeigen die Landschaft mit Blick nach Süden, in Richtung der Alpen.

Vor 40.000 Jahren – mitten in der letzten Eiszeit – sah diese Landschaft ganz anders aus: Eine trockene kalte Steppenlandschaft. Die eiszeitlichen Alpengletscher waren nicht mehr weit. Wo heute der Bodensee liegt, schob sich der Rheingletscher vor, daneben der Iller-Gletscher. Die Gegend befand sich am Rande der damals bewohnbaren Welt.

Aus diesen sechs Höhlen stammen die ältesten bekannten figürlichen Kunstwerke und zugleich die ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit. Die folgenden Videos stellen die wichtigsten Figuren kurz vor:

Eiszeitkunst - Videos

Video herunterladen (2,4 MB | MP4)

Hintergrund: Was war das für eine Epoche?

Das war mitten in der letzten Eiszeit. Der moderne Mensch war "gerade erst" (vor ca 43.000 Jahren), aus dem Nahen Osten kommend, in Europa angekommen. Möglicherweise ist er damals in Europa auch noch den letzten Neandertalern begegnet - obwohl es dafür keine Belege gibt.

Welchen kulturellen Entwicklungsstand hatte die Menschheit?

Die Menschen damals waren schon längst begabte Werkzeugmacher, stellten neben Faustkeilen auch Speere her, lebten in sozialen Gruppen und jagten. Es gilt als sicher, dass sich die Menschen über eine echte Sprache - mit Wörtern und Grammatik - verständigten. Das Neue war die Herstellung von Kunst: Die Skulpturen auf der Alb entstanden fast zeitgleich oder kurz vor den ersten Höhlenmalerien in der spanischen Cueva del Castillo. Die Menschen kannten allerdings weder Landwirtschaft noch errichteten sie Gebäude - beides entstand erst viel später, nämlich vor rund 10.000 Jahren.


Kunst, Musik, Religion – Ist es ein Zufall, dass sich so viel „Ältestes“ auf der Alb findet?

Die Figuren der Schwäbischen Alb galten lange Zeit als die ältesten Kunstwerke überhaupt. Inzwischen werden sie getoppt von den Höhlenmalereien auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Dennoch: Sowohl die Skulpturen aus dem Ach- und dem Lonetal sowie die Flöten sind in ihrer Art einzigartig. Auffallend ist: Die Kunst war von Anfang an handwerklich ausgereift. Es gibt daher zwei Möglichkeiten:

  • Theorie 1: Die besonderen Lebensbedingungen ließen die Menschen kreativ werden. Das Leben der Menschen war hart, sie hatten die Gletscher vor Augen – das Überleben forderte eine Form der Kreativität und Fantasie, die auch zur Kunst führte.
  • Theorie 2: Der Schein trügt. Skulpturen und Musikinstrumente gab es schon vorher und auch anderswo – man hat sie nur (noch) nicht gefunden. Unstrittig ist: Die Höhlen der Schwäbischen Alb bieten gute Erhaltensbedingungen und auch das Material – vor allem das Elfenbein – ist sehr haltbar. Anderswo stellten die Menschen vielleicht Kunst aus Holz her – das wäre längst verrottet. In der eiszeitlichen Steppe gab es jedoch kaum Holz. Die Menschen sind deshalb auf Elfenbein und Geweih ausgewichen – und das blieb erhalten.

Besichtigen können Sie die Höhlenfunde im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Weitere Infos finden Sie unter: www.weltkultursprung.de.

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