Müder Mann schläft auf Sofa. Sein Arm hängt auf den Boden und hält sein Smartphone in der Hand. Laut Studie schlafen wir kürzer. (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)

Schlafkongress

Unser Schlaf wird kürzer und schlechter laut Samsung Studie

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Ulrike Till
Portraitbild von Ulrike Till, Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell. (Foto: SWR, Jochen Krumpe)
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Elisabeth Theodoropoulos

Studien zeigen: Menschen schlafen immer weniger und immer schlechter. Auf einer Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin diskutierten Fachleute auch über Schlaftherapie per App und neue Medikamente.

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Große Studie von Samsung liefert neue Schlafdaten

Ist es nur ein subjektiver Eindruck, oder schlafen die Menschen tatsächlich immer schlechter? Einzeluntersuchungen im Schlaflabor können darauf keine Antwort geben. Eine große Studie von Samsung aber liefert neue Daten: der Handyhersteller hat kürzlich weltweit anonym Informationen aus Schlaf-Apps auf Samsung-Geräten ausgewertet: von Juni 2021 bis Mai 2023 wurden rund 700 Millionen Nächte analysiert.

Frau liegt auf Bett und schaut auf ihre Smartwatch und ihr Smartphone. (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)
Mithilfe anonymer Daten aus Samsung Schlafapps konnte eine neue große Studie zum Schlafverhalten durchgeführt werden.

Im Schnitt schliefen die App-Nutzer im zweiten Untersuchungsjahr vier Minuten kürzer als im ersten. Gleichzeitig sank die Schlafqualität.

Jetzt können Sie sagen vier Minuten, das ist ja nichts. Aber rechnen Sie aus: wenn das jedes Jahr so passiert, da wird unser Schlaf immer kürzer.

Durchschnittliche Schlafzeit fällt auf unter sieben Stunden

Im ersten Studienjahr schliefen die Nutzerinnen und Nutzer der Apps noch sieben Stunden und drei Minuten; ein Jahr später waren es nur noch sechs Stunden neunundfünfzig.

Das ist schon eine magische Grenze. Wenn wir über den gesunden Schlaf sprechen, dann sagen wir: na ja, sechs Stunden Minimum und sieben Stunden sollte man aber sich mindestens gönnen. Acht Stunden wäre schon ideal. Wir sind jetzt also weltweit schon unter der sieben Stunde Grenze, was die Schlafzeit betrifft.

Schlafende kommen weniger zur Ruhe

Dabei verbrachten die Studienteilnehmer genau so viel Zeit im Bett wie früher – aber sie sind weniger zur Ruhe gekommen, daher die kürzere Schlafdauer.

Sie hat nicht abgenommen, weil die Menschen weltweit später ins Bett gehen oder früher aufstehen. Sondern sie hat im wesentlichen abgenommen durch eine Zunahme der Wachzeit im Schlaf. Und Zunahme der Wachzeit im Schlaf heißt, der Schlaf wird schlechter.

Studiendaten stammen meist von jüngeren Menschen

Natürlich muss man bei der Samsung-Studie eines bedenken: Die Nutzerinnen und Nutzer von Schlaf-Apps sind meist eher jüngere Menschen; Schlafprobleme bei Senioren werden dadurch nur selten erfasst.

Für den Berliner Schlafforscher Ingo Fietze ist das aber erst recht ein Alarmsignal.

Das macht die Angaben der Samsung-App-Studie umso dramatischer. Wenn wir nämlich davon ausgehen, dass eher die jungen Leute oder die, die Spaß haben an neuer Technologie die Apps nutzen und vielleicht gar nicht schlechte Schläfer, sondern gute Schläfer sind: dann könnte man auch sagen, um Gottes willen, die Schlafzeit nimmt ja mehr oder weniger bei den guten Schläfern sogar ab und nicht nur bei den schlechten.

Stress gilt als zentrale Ursache für schlechten Schlaf

Laut Umfragen in den USA ist aktuell der Stressauslöser Nummer eins die Inflation, also finanzielle Sorgen. Danach kommen Kriege, Kriminalität, Klimaextreme und schließlich Covid und andere Erkrankungen. Bei so vielen Belastungen und Ängsten wundert es kaum, dass der Schlaf bei vielen Menschen schlechter wird.

Frau liegt schlafend auf vollgehäuftem Bügelbrett. (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)
Stress ist einer der Hauptgründe für schlechten Schlaf.

Aber wir müssen versuchen gegenzusteuern, sagt die Psychiaterin und Schlafforscherin Prof. Kneginja Richter, Chefärztin der CuraMed-Tagesklinik Nürnberg. Sonst funktioniert unser Gehirn mit der Zeit immer schlechter.

Studien haben herausgefunden, dass während des Schlafes die sogenannten giftigen Stoffe, die die Nervenzellen schädigen, aus dem Körper ausgeschieden werden. Und diese Säuberung des Körpers von den Giftstoffen für die Nervenzellen findet in dem Tiefschlaf statt. Von daher ergibt sich nochmal die Notwendigkeit, auf den Tiefschlaf zu achten. Weil das ist der wichtigste Anti Age Faktor.

Chronische Schlafstörungen können zu Depressionen führen

Außerdem kann eine Insomnie, also eine schwere chronische Schlafstörung, zu Depressionen führen.

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Also wir wissen mittlerweile, dass wenn man eine Insomnie hat und die nicht behandelt wird, dass man innerhalb von einem Jahr dann auch eine klinische Depression entwickeln kann. Deshalb ist hier die gute Nachricht: wenn wir rechtzeitig auf Insomnie achten und rechtzeitig die Insomnie behandeln, da kann man sogar der Depression vorbeugen.

Beginnende Schlafstörungen lassen sich oft noch mit Entspannungsübungen oder einfachen Verhaltensänderungen behandeln.

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Bei einer Insomnie brauchen Betroffene aber professionelle Hilfe. Dabei ist die Therapie für diese schwere Schlafstörung heute viel besser als früher.

Die ist behandelbar mit der Kurzzeit-Psychotherapie: die dauert insgesamt vier bis sechs Sitzungen, jeweils 45 Minuten. Und ist effektiv, sowohl wenn man sie durch Experten anbietet als auch in digitaler Weise. Wir haben auch neu zugelassene Medikamente für die Behandlung von Insomnie. Das sind ganz wichtige Botschaften.

Therapie bei schweren Schlafstörungen ist heute viel besser als früher

Quviviq heißt das neue Medikament, das seit einem Jahr auf dem Markt ist. Es soll nicht abhängig machen und ist seit kurzem auch zur Dauertherapie zugelassen – als erstes Schlafmittel seit dreißig Jahren. Der Berliner Schlafmediziner Ingo Fietze setzt große Hoffnungen in das neue Medikament – es sollte aber nur bei nachgewiesener Insomnie zum Einsatz kommen.

Mann liegt nachts schlaflos im Bett und ließt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, IMAGO / Wolfgang Maria Weber)
Quviviq wurde als erstes Schlafmittel seit dreißig Jahren wieder zur Dauertherapie zugelassen für Betroffene von Insomnia.

Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen dürfen das neue Mittel zwar auch auf eigene Faust verordnen – das hält der Leiter der Schlafmedizin an der Charité aber für riskant:

Das Problem ist, die Ärzteschaft in Deutschland weiß in der Regel nicht, was eine Schlafstörung ist. Nicht weil sie im Studium nicht aufgepasst haben, sondern weil es einfach nicht gelehrt wurde.

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