50 Jahre Ramsar-Abkommen

Schutz für artenreiche Feuchtgebiete

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Am zweiten Februar ist Welttag der Feuchtgebiete. Feuchtgebiete sind auf der ganzen Welt wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Um sie zu sichern wurde vor 50 Jahren in der iranischen Stadt Ramsar einer der ältesten Verträge zum Naturschutz unterzeichnet. Was bedeutet dieser Vertrag heute noch für den Naturschutz?

Audio herunterladen (3 MB | MP3)

Feuchtgebiete - ein Lebensraum für viele Tiere

Die Rheinauen zwischen Eltville und Bingen sind seit 1976 Ramsar-Schutzgebiet. Damals ist Deutschland als elfter Staat dem Ramsar-Abkommen beigetreten. In den 600 Hektar großen Rheinauen überwintern Schell- und Reiherenten. Haubentaucher; Kormorane, Graureiher und Graugänse sind das ganze Jahr über dort. Manchmal werden sogar wieder Weißstörche gesichtet. Die Rheinauen sind eines von 34 Ramsar-Schutzgebieten in Deutschland.

In Baden-Württemberg ist das Wollmatinger Ried am Bodenseeufer westlich von Konstanz das größte Ramsar-Schutzgebiet. Über 290 Vogelarten wurden in dem knapp 800 ha großen Schutzgebiet gezählt, 330 Großschmetterlingsarten und 50 Libellenarten. Im Herbst rasten hier große Gruppen von 20.000 bis zu 40.000 Wasservögeln gleichzeitig. Auch die Pflanzenwelt ist wertvoll und vielfältig im Wollmatinger Ried.

Reichenau, Wollmatinger Ried (Foto: imago images, IMAGO / Westend61)
Das "Wollmatinger Ried" ist eines der ältesten und bedeutendsten Naturschutzgebiete am deutschen Bodenseeufer. An den ufernahen Riedflächen und Auwälder leben viele Tiere und Pflanzen. IMAGO / Westend61

Hintergrund ist die Ramsar-Konvention

Die Ramsar-Konvention ist ein Übereinkommen zum Schutz der Feuchtgebiete. Deutschland hat das Ramsar-Abkommen 1976 ratifiziert und bis heute haben 171 Staaten weltweit diese Konvention unterzeichnet. Die Vorgaben sind hoch: Alle 171 Länder, die bisher unterzeichnet haben, müssen mindestens ein schützenswertes Feuchtgebiet in ihrem Hoheitsgebiet ausweisen. Damit verpflichten sie sich, diese Gebiete zu schützen und zu erhalten.

Montreux-Liste für Gebiete mit verstärktem Handlungsbedarf

Wenn ein Ramsar-Naturschutzgebiet ökologisch Schaden nimmt, beispielsweise durch Industrieabwässer oder intensive Landwirtschaft, dann kommt es auf eine Art Rote Liste – die sogenannte Montreux-Liste. Auf dieser bleibt es dann so lange, bis die hohen Standards wieder erfüllt werden.

Wilson-Wassertreter fliegt über ein Gewässer (Foto: imago images, IMAGO / blickwinkel)
Der Wilson-Wassertreter hält sich in der Nähe der Sümpfe und feuchten Wiesen auf. In den bergigen Regionen lebt er in Feuchtgebieten. IMAGO / blickwinkel

Derzeit ist kein einziges deutsches Ramsar-Gebiet auf der aktuellen Montreux-Liste. Andere Länder wie Griechenland und der Iran sind jeweils mit etwa einem halben Dutzend Feuchtgebieten vertreten, die sich in ihrer ökologischen Qualität stark verschlechtern, obwohl sie den Ramsar-Schutzstatus haben. Aber auch Dänemark und das Öko-Vorzeigeland Costa Rica sind auf der Montreux-Liste vertreten. Das bedeutet: Nicht alle Staaten erfüllen die Verpflichtung durch die Ramsar-Konvention gewissenhaft.

In Deutschland besteht Nachholbedarf

Das Ramsar-Abkommen geht im Grundsatz sogar noch weiter. Es nimmt die Vertragsstaaten auch für alle ihre anderen Feuchtgebiete in die Pflicht, nicht nur für die offiziell gemeldeten. Und da gibt es viel Nachholbedarf, auch bei uns.

Wurzacher Ried Baden-Württemberg (Foto: imago images, IMAGO / imagebroker)
Das Wurzacher Ried ist eines der bedeutendsten Moorgebiete Süddeutschlands. Der Torfabbau und die Entwässerung von weiten Teilen des Moors haben den Sumpf stark verändert. IMAGO / imagebroker

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND bemängelt, dass entlang der Flüsse bereits zwei Drittel der natürlichen Auen Baugebieten und Straßen weichen mussten. Ihre Rolle als natürliche Rückhalteräume bei Überflutung und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen können sie so nicht mehr erfüllen.

Außerdem klagt der Naturschutzbund NABU: Viele Moore in Deutschland würden entwässert und Vogelarten wie der Goldregenpfeifer können dort nicht mehr brüten. Bundes- und Landesregierungen müssen viel mehr tun, um die Lebensräume in den Auen und den Mooren zu erhalten, fordern die Umweltschützer. Und so kann man am 50. Jahrestag der Ramsar-Konvention bilanzieren: Die Absicht, die Feuchtgebiete weltweit zu schützen ist zwar lobenswert, es bleibt aber auf diesem Weg noch viel zu tun.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG