Strommasten und Windräder im Sonnenuntergang (Foto: picture-alliance / Reportdienste, / Panama Pictures)

Materialforschung

Neues Recyceln alter Windräder: Wenn Rotorblätter zu Gummibärchen werden

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Pascal Kiss
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Antonia Weise

Gummibärchen aus alten Flügeln von Windrändern? Für dieses neue Recyclingverfahren hat ein US-Forschungsteam ein besonderes Material entwickelt.

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Rotorblätter lassen sich bislang nicht recyceln

Rund 20 Jahre sind die Windräder in der Regel im Einsatz und produzieren Strom. Danach werden viele von ihnen abgebaut. Laut einer Vereinbarung der EU-Staaten sollen sie anschließend alle vollständig recycelt werden. Doch so einfach ist das nicht, denn nur 80 bis 90 Prozent eines Windrads lässt sich überhaupt recyceln. Dazu zählt unter anderem der Windmühlengenerator, in dem viel Kupfer verbaut ist. Was jedoch fehlt sind die Rotorblätter. Bei ihnen ist Recycling bislang nicht möglich. Ein echtes Problem, denn seit 2005 dürfen die Rotorblätter nicht mehr auf Mülldeponien landen und müssen verarbeitet werden.

Material der Rotorblätter macht Recycling unmöglich

Ein Recyceln ist bei Rotorblättern fast unmöglich. Sie bestehen aus Glas oder Carbonfaser, die mit einem Kunstharz verklebt sind, sodass sich das Material nur schwer trennen lässt. Aus dem Grund landen die alten Windradflügel bisher im Ofen, als Brennstoff für die Zementherstellung. Es ersetzt zwar damit den Einsatz von Schweröl, doch ein Recycling ist das nicht. Zumal bei der Verbrennung der alten Rotoren viel CO2 entsteht.

Windradmüll wird deutlich mehr werden

Für etwa ein Drittel der über 31.000 deutschen Windränder in Deutschland endet 2025 ein Förderprogramm. Sie alle sollen recycelt werden. Die Suche nach echten Recycling-Lösungen wird also immer wichtiger. Aktuell fallen in Deutschland pro Jahr etwa 10.000 Tonnen Windradmüll an. Bis 2045 rechnet das Fraunhofer Institut für Chemische Technologien mit einer vier Mal so hohen Abfallmenge.

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Forschungsteams schon länger auf der Suche nach Recycling-Möglichkeiten

Ein Forschungsteam des Frauenhofer-Instituts für Polymerforschung IAP sucht deshalb nach Möglichkeiten die Rotorblätter endlich recyceln zu können. In einer Industriemikrowelle erhitzen sie dafür die Flügel der Windräder. Damit löst sich der Verbundstoff der Rotorblätter - also das Kunstharz und die Glas- oder Carbonfasern werden getrennt. Die Fasern könnten dann zum Beispiel für Türgriffe am Auto verwendet werden, so die Hoffnung.

Diese Art des Recyclings ist allerdings nur im kleinen Maßstab möglich und aufgrund des hohen Energieverbrauchs nicht gerade umweltfreundlich. Wirklich lösen lässt sich das Recycling-Problem wahrscheinlich nur mit einer neuen Generation von Windradflügeln. Und genau so ein neues, gut recycelbares Material hat nun ein US-Forschungsteam möglicherweise gefunden.

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US-Forscher entwickeln neues, gut recycelbares Material für Rotorblätter

Ein Forschungsteam der Michigan State University hat jetzt ein neues Verbundsystem als Material für die Rotorblätter vorgestellt. Sie verzichten auf altes Kunstharz, ersetzen es durch ein neues synthetisches Harz, und auch ein pflanzliches Harz kommt zum Einsatz. Das Material lässt sich im Labor leichter recyceln.

Damit konnte ein künstlicher Stein für Arbeitsplatten hergestellt werden, aber auch Waschbecken oder Autorücklichter, berichtet das Forschungsteam auf einer Tagung der American Chemical Society.

Beim Recycling könnte dann auch eine Zutat für Gummibärchen entstehen. Es geht um Kaliumlactat, in der Lebensmittelbranche und auf manch einem Etikett als E326 bekannt. Dabei handelt es sich um einen Geschmacksverstärker, der unter anderem in Gummibärchen steckt.

Viele verschiedene Fruchtgummibärchen (Foto: IMAGO, /PantherMedia)
Nicht nur Gummibärchen, sondern auch andere Produkte mit vielversprechenderen Rohstoffen, könnten aus alten Windrädern entstehen. /PantherMedia

Dennoch muss das Forschungsteam das Recycling-Verfahren in weiteren Studien beweisen und testen, damit in Zukunft neue Windräder nach Ende ihrer Lebensdauer endlich zu 100 Prozent recycelt werden können.

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