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Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2020 geht an die Forscher Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice "für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus".

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Drei Forscher teilen sich den Nobelpreis für Medizin 2020. Die US-Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice und der Brite Michael Houghton erhalten den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des Hepatitis C-Virus. Durch ihre Forschung konnten, so die Begründung des Nobelpreis-Komitees, Millionen Menschen vor einer Erkrankung mit Hepatitis C bewahrt werden. Der ärztliche Direktor der Freiburger Uniklinik, Robert Thimme, erklärt:

„Mit dem Wissen konnten Therapien entwickelt werden. Wir haben heute – 30 Jahre nach der Entdeckung – hocheffiziente Therapien in der Klinik mit denen wir praktisch alle Patienten heilen können.“

Robert Thimme, ärztlicher Direktor der Freiburger Uniklinik

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Gehäuftes Auftreten von Leberentzündungen nach Bluttransfusionen

Hepatitis-C ist eine heimtückische Krankheit. Die Infizierten merken oft erst nach Jahren, dass sie sich angesteckt haben. Doch dann ist ihre Leber oft schon zerstört. Zudem kann das Virus auch Leberkrebs verursachen.

Seit den 1960er Jahren war aufgefallen, dass Menschen nach einer Bluttransfusionen auffällig oft schwere Leberleiden entwickelten. In der Folge wurden die Viren Hepatitis A und B entdeckt. Die Entdeckung des Hepatitis-B-Virus wurde 1976 bereits mit einem Medizin-Nobelpreis geehrt. Trotzdem blieb die Mehrheit der durch Blut übertragenen Hepatitisfälle weiter ungeklärt.

Leberentzündungen können zwar auch durch Alkoholmissbrauch, Umweltgifte und Autoimmunerkrankungen verursacht werden. Eine wichtige Rolle spielen aber auch Hepatitis-Viren. (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Leberentzündungen können zwar auch durch Alkoholmissbrauch, Umweltgifte und Autoimmunerkrankungen verursacht werden. Eine wichtige Rolle spielen aber auch Hepatitis-Viren. Imago imago images/Science Photo Library

Nachweis in mehreren Schritten 

Ende der 1970er Jahre zeigte der 1935 in New York geborene Transfusionsmediziner Harvey J. Alter als erster, dass ein weiteres Virus eine häufige Ursache für chronische Hepatitis ist. Das konnte Alter über Testreihen mit Schimpansen nachweisen. Die mysteriöse Krankheit wurde "Nicht-A, Nicht-B" -Hepatitis genannt.

Dem 1949 geborenen Briten Michael Houghton gelang es schließlich 1989 mit innovativen Methoden das Genom des neuen Virus aus dem Blut eines infizierten Schimpansen zu isolieren. Es war ein neues RNA-Virus aus der Familie der Flaviviren und wurde schließlich Hepatitis-C-Virus genannt.

Der Virologe Charles M. Rice, 1952 in Sacramento (USA) geboren, lieferte acht Jahre später den endgültigen Beweis dafür, dass das Virus allein Hepatitis verursachen kann.

Seine Arbeit führte Anfang 2010 zur Entwicklung der ersten Wirkstoffe gegen chronische Hepatitis-C.

Hepatitis C – keine Impfung, aber wirksame Medikamente

Das Karolinska-Institut in Stockholm lobt, dass durch die Forschungen der drei Virologen hochempfindliche Bluttests für das Virus entwickelt werden konnten. Seit 1992 lässt sich Hepatitis-C mit Bluttests nachweisen, sodass es heute nahezu unmöglich ist, sich über Bluttransfusionen mit dem Virus zu infizieren.

Zudem konnten nach der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus wirksame antivirale Mittel entwickelt werden. Der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Freiburg, Robert Thimme, versichert:

„Wir haben durch die Charakterisierung des Virus tolle Therapien entwickelt. Wir können heutzutage fast 100 Prozent über eine rein medikamentöse Therapie heilen. Was wir noch brauchen, ist ein Impfstoff. Daran wird immer noch kräftig gearbeitet“.

Robert Thimme, ärztlicher Direktor der Freiburger Uniklinik
Gegen das Hepatitis C-Virus gibt es bislang keine wirksame Impfung. Aber es gibt wirksame Medikamente. Die sind allerdings recht teuer und kommen daher in vielen Ländern selten zum Einsatz. (Foto: Imago, imago images/Kateryna_Kon)
Gegen das Hepatitis C-Virus gibt es bislang keine wirksame Impfung. Aber es gibt wirksame Medikamente. Die sind allerdings recht teuer und kommen daher in vielen Ländern selten zum Einsatz. Imago imago images/Kateryna_Kon

 Hepatitis C bleibt ein globales Problem

Hepatitis-C wird über das Blut übertragen, also unter anderem über Blutkonserven bei einer Transfusion oder durch gemeinsam genutzte Spritzen bei Drogenkonsum.

In Deutschland infizieren sich jährlich zwischen 4.000 und 6.000 Menschen neu mit dem Erreger. Weltweit sterben immer noch rund 400.000 Menschen jährlich an Hepatitis-C und es gibt mindestens 70 Millionen Infizierte. Das macht Hepatitis-C zu einem globalen Gesundheitsproblem. Im Ausmaß vergleichbar mit HIV-Infektionen und Tuberkulose, so das Nobelpreis-Komitee.

Das größte Problem ist derzeit, die verfügbaren Medikamente auch Menschen in armen Ländern zugänglich zu machen. Seit 2014 gibt es hochwirksamen Mittel gegen Hepatitis C. Doch die sind für viele Betroffene unerschwinglich. Das Nobelpreiskomitee hofft trotzdem, dass sich die Krankheit eines Tages ausrotten lässt.

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