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Nur noch drei Prozent der Moorfläche ist übrig. Einige Vogel-Arten sind ausgestorben, die Zahl der Insekten schrumpft. Und der CO2 Ausstoß ist um ganze fünf Prozent angestiegen. Deshalb sollen die Moore nun wiedervernässt werden.

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Moore entstehen da, wo immer Wasser auf dem Boden steht. Der weicht nach und nach auf und nach ein paar Jahrhunderten entsteht ein Moor, also dicker Schlamm. In Deutschland gibt es Moore, die bis zu 12 Meter tief sind. Dieser Schlamm, oder auch Torf, ist so komprimiert, dass darin alles luftdicht abgeschlossen wird und dadurch erhalten bleibt. Und genau das ist der Vorteil von einem Moor – es ist ein jahrtausendealter Speicher. Tiere, Pflanzen, alles bleibt darin erhalten, ohne dass CO2 entsteht.

Moor (Foto: Imago, imago images/blickwinkel)
Moore entstehen da, wo Wasser auf dem Boden steht. Der Boden weicht so auf und nach ein paar Jahrhunderten entsteht ein Moor. In Deutschland gibt es Moore mit einer Tiefe bis zu 12 Metern. Imago imago images/blickwinkel

Trockene Moore – das Problem

Seit den 50 er Jahren werden Moore im großen Stil trocken gelegt. Und da ihnen das Wasser entzogen wird, beginnt die ganze Biomasse im Moor zu vergammeln. Das bedeutet, trockene Moore geben jede Menge Kohlenstoff in die Atmosphäre ab. Knapp 50 Millionen Tonnen sollen das in nur einem Jahr sein. Das sind fünf Prozent der gesamten CO2 Emission in Deutschland.

"Was wir durch die Erkenntnisse der Wissenschaft heute genau beschreiben können, sind die dramatischen Emissionen, die aus Mooren kommen, wenn man sie entwässert und intensiv nutzt."

Moore wiedervernässen

Man müsse umsteuern, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Allein mit technischen Maßnahmen werde man das nicht schaffen und man müsse vielmehr auch in die Ökosysteme schauen, betont Grützmacher. Die Regierung will deshalb nun Moorflächen wiedervernässen.

Moor wird renaturiert (Foto: Imago, imago images/ecomedia/robert fishman)
Die Regierung will Moorflächen wiedervernässen. Imago imago images/ecomedia/robert fishman

Allerdings fehlt ein gutes Konzept, so Kritiker, und Bauern finden das gar nicht lustig. Denn die sollen dann ihre Flächen umstrukturieren, die in den Jahrzehnten vorher extra für sie trocken gelegt wurden. Wer die Rechnung zahlt, sei noch offen, sagt Karsten Padecken. Er ist Landwirt und bewirtschaftet ca. 100 Hektar trocken gelegte Moorfläche. Der Regierung sei die Auswirkungen nicht bewusst, was das Wiedervernässen bedeute und was für Kosten das verursache. Es könne nicht sein, dass das auf den Eigentümern und den Bewirtschaftern alleine abgewälzt werde, erklärt Padecken.

Nasse Moore brauchen viel Wasser. Wo kommt das her? Und was wird mit den Einkünften des Landwirts, der bisher von der Fläche gelebt hat? Auch Moorforscher Jan Peters sagt: "Die Moore müssen nass werden, damit die Emissionen gestoppt werden."

Renaturiertes Moor (Foto: Imago, imago images/ecomedia/robert fishman)
Wiedervernässtes, renaturiertes Moor. Imago imago images/ecomedia/robert fishman

Paludikulturen

Peters wendet aber auch ein, dass es in Deutschland viele Moore gebe, die nicht alle in den Naturzustand überführt werden können. Dort sollen Landwirte auch weiterhin die Möglichkeit haben, Landwirtschaft zu betreiben. Möglich ist das – durch so genannte Paludikulturen, die Landwirtschaftliche Nutzung von nassen Moorböden. Beispiele für den Anbau in Paludikulturen sind Schilf, Rohrglanzgras oder Gehölz, die auf nassen Flächen wachsen.

Schilfrohr-Feld (Foto: Imago, imago images/Manngold)
Beispiele für den Anbau in Paludikulturen sind Schilf, Rohrglanzgras oder Gehölz, die auf nassen Flächen wachsen können. Der Anbau von Schilf kann zu einem erneuten Moorwachstum führen. Imago imago images/Manngold

Im Moment seien diese Kulturen aber noch nicht förderfähig, erklärt Jan Peters. Er ist Vorsitzender der Michael Succow Stiftung und dadurch auch Mitarbeiter im Greifswald Moor Centrum. Jedem Landwirt der jetzt schon umsteigt, also sein Moor vernässen will und sich auch eine neue Technik anschafft, werden die EU Agrarförderungen gestrichen. Allerdings wird überlegt das zu ändern, Jan Peters ist da guter Hoffnung. Aber er macht sich um die Gesamtstrategie der EU Sorgen. Wie ambitioniert wird man sich der Moore tatsächlich annehmen?

"Da sieht es im Moment so aus, dass es nur ein Schutz des Status Quo bleibt, was eigentlich viel zu wenig ist", bedauert Peters. Status Quo heißt, die Moore nicht weiter entwässern, aber auch kein Wasser zuführen. Also alles lassen wie es ist. Dem Klima ist da nicht geholfen. Dem Artenschutz auch nicht.

Bundesmoorschutzstrategie

Parallel hat Deutschland eine Bundesmoorschutzstrategie entwickelt. Aber auch die wirkt wie Schattenboxen. Es fehlen klare Ziele. "Das einzige Ziel, was dort formuliert ist, ist dass bis 2030 fünf Millionen Tonnen CO2 eingespart werden sollen. Das ist aus unserer Sicht viel zu unambitioniert, wenn man bedenkt, dass wir insgesamt 47 Millionen Tonnen CO2 - jährlich - Ausstoß aus den Mooren haben", betont Peters.

Der Bauer scheint also erstmal nicht viel fürchten zu müssen, denn eventuell bleibt vieles wie es ist. Agrarökonom Sebastian Lackner von der Universität Rostock kritisiert die unambitionierte Moorschutzstrategie: "Die Bundesregierung macht ganz brav zu allen ihren Vorhaben Diskussionsforen. Am Ende muss ich zu jedem einzelnen Landwirt, der auf einer Moorfläche wirtschaftet, hinfahren, ihm das erklären und dann über mehrere Jahre eine Kooperation etablieren. Das muss auf einer ganz anderen Ebene stattfinden. Da reicht es nicht, wenn ich irgendwo eine Zoom Konferenz habe!"

Das Moor – Brutplatz der Kiebitze

Kiebitze lieben Nasswiesen, weshalb ihr Brutplatz die Moore sind. Auf der roten Liste wird diese Art als stark gefährdet aufgelistet. Wenn der Kiebitz keine nassen Wiesen findet, brütet er auch auf einem Acker. Das geht nur so lange das Getreide noch nicht wächst. Und das macht er auch sehr ungern, weil er dort den Maschinen des Bauern ausgesetzt ist, und Räubern, wie dem Fuchs.

Kiebitz (Foto: Imago, imago images/imagebroker)
Kiebitze lieben Nasswiesen. Ihr Brutplatz ist das Moor sind. Aufgrund der schumpfenden Moorfläche wird diese Art auf der roten Liste als stark gefährdet aufgelistet. Imago imago images/imagebroker

Ernst Paul Dörfler, Naturkenner und Kiebitz-Fan hat eine Bitte an die Regierung: "Bitte nicht warten, bis der Kiebitz auch hier nicht mehr aufkreuzt!".

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