Illustration einer Bakterienkollonie, darunter längliche, legionellenförmige Bakterien, in einem Wasserstrahl. (Foto: IMAGO, IMAGO / Science Photo Library)

Gesundheit

Legionellen-Gefahr durch Energie- und Wassersparen?

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Caroline Reischl
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Lilly Zerbst

In der Politik, aber auch in Privathaushalten, werden vermehrt Wege gesucht, Energie und Wasser zu sparen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel das Schließen öffentlicher Duschanlagen in Schwimmbädern oder Sporthallen. Doch dabei könnte das Legionellenwachstums angeregt werden – ein Gesundheitsrisiko für Menschen.

Legionellen sind Bakterien, die in kleinem Maß ein natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern und Grundwasser sind. In der Umwelt verursachen sie keine Probleme.

Infektionsgefahr besteht, wenn die Legionellen innerhalb technischer Einrichtungen wie in offenen Kühlkreisläufen, Trinkwassersystemen und Kläranlagen auftauchen. Denn dort finden die Keime eine ideale Lebensgrundlage. Drei Faktoren spielen eine Rolle, damit Legionellen sich in Wasseranlagen vermehren können: Nährstoffe, Temperatur und Zeit.

Infektion erfolgt durch die Atemwege

Infizieren kann man sich durch das Einatmen legionellenhaltiger Wasserpartikel, die fein in der Luft zerstäubt sind. Ungefährlich ist hingegen das Trinken von Wasser, das mit Legionellen kontaminiert ist. Denn die Magensäure tötet die Keime einfach ab.

Illustration eines Legionellenbefalls an der Lunge. (Foto: IMAGO, IMAGO / Science Photo Library)
Legionellen befallen über die Atemwege die Lunge und können dort eine schwere Lungenentzündung auslösen. IMAGO / Science Photo Library

Legionellen-Gefahr steigt im Sommer

Fälle von Legionelleninfektionen sind weltweit zu verzeichnen. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) steigen die Legionellen-Fälle regelmäßig in den Sommermonaten an. Ursachen dafür sind unter anderem Urlaubsreisen und das dadurch erhöhte Infektionsrisiko in Swimmingpools und Hotels. Dieses saisonale Phänomen kann aber auch mit dem Stillstand des Wassers in den heimischen Rohren zusammenhängen, etwa wenn Wohnungen längere Zeit leer stehen und die Wasseranschlüsse nicht genutzt werden. Auch in längere Zeit nicht verwendeten Gästebädern kann der fehlende Wasserdurchlauf die Vermehrung von Keimen begünstigen. Spart man dort beim Wasserverbrauch, kann das gesamte Wassersystem im Haus verunreinigt werden. Anschlüsse, die gar nicht benutzt werden, sollten professionell vom System getrennt werden.

Wasser strömt durch einen Wasserhahn. (Foto: IMAGO, IMAGO / Ritzau Scanpix)
Fließt nicht ausreichend Wasser durch einen Anschluss, so können sich in den Rohren Legionellen vermehren. IMAGO / Ritzau Scanpix

Zu heißes Wasser tötet Legionellen ab

Die erhöhten Temperaturen im Sommer und Herbst begünstigen das Legionellenwachstum.Die besten Bedingungen bieten Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Liegt die Wassertemperatur unter 20 oder über 55 Grad Celsius breiten sich die Legionellen nicht aus.

Wer im eigenen Haushalt Energie sparen möchte, sollte deshalb dennoch darauf achten, dass die Warmwassertemperatur auf mindestens 60 Grad gestellt ist. Durch diese Einstellung wird das Wasser, bevor es aus der Leitung kommt hoch genug erhitzt, um die Legionellen absterben zu lassen.

Der Zeiger eines Thermostats zeigt auf knapp 55 Grad Celsius. (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)
Bei über 55 Grad Celsius Wassertemperatur breiten sich die Legionellen nicht mehr aus. IMAGO / Panthermedia

Auch in öffentlichen Sanitärbetrieben, in Sportstätten oder Schwimmbädern, wird aufgrund der Wassersparmaßnahmen vor einem Bakterienbefall gewarnt. Bei Wiederaufnahme des Betriebs sollen diese daher auf Legionellen untersucht werden und das Wasser stark genug aufgeheizt werden um die Keime abzutöten.

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