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Der ungarische Mediziner Botond Roska will Blinden die Fähigkeit des Sehens zurückgeben. Für seine Forschung erhält der Biomediziner den mit einer Million Euro ausgezeichneten Körber-Preis.

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Rund 80 Prozent aller Informationen aus der Umwelt nehmen wir Menschen über unsere Augen wahr. Das Sehen ist unser wichtigstes Sinnessystem.

Verlieren wir unser Augenlicht, entziehen sich alle optischen Eindrücke unserer Wahrnehmung.  Die Welt um uns herum wird schwarz. 

Botond Roska und sein Team sind jedoch auf dem besten Weg, blinden Menschen das Augenlicht zurückzugeben. Sie konnten einige Zellen stark geschädigter Netzhäute wieder lichtempfindlich machen. 

Der ungarische Forscher Roska zählt dabei zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung des Sehens und der Netzhaut.

Wissenschaftler Botond Roska gilt als echter Pionier in der Augenheilkunde. Bild: Körber-StiftungFriedrun Reinhold  (Foto: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold )
Wissenschaftler Botond Roska gilt als echter Pionier in der Augenheilkunde. Bild: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold

Mein Hauptanliegen ist es, das Sehen zu verstehen und dieses Wissen zu nutzen, um neue Behandlungen für Blinde zu entwickeln.

Körberpreisträger Botond Roska

Am Institut für molekulare und klinische Ophthalmologie in Basel gelang dem 50 jährigen Ungarn und seinem Team ein Durchbruch.

Sie schafften es, einen Zelltyp im Auge so umzuprogrammieren, dass der die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Bis zur Blindheit geschädigte Netzhäute wurden so wieder lichtempfindlich. Bis jetzt allerdings nur im Labor, doch Botond Roska ist zuversichtlich:

Hier wird ein Auge zu Experimentierzwecken präpariert. (Foto: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold )
Hier wird ein Auge zu Experimentierzwecken präpariert. Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold

Wir werden Fortschritte machen, aber wir brauchen noch Details. Wir müssen jede Komponente verstehen, um neue Behandlungen zu entwickeln.

Botond Roska

Damit die Forschenden gezielte Behandlungen entwickeln können, züchteten sie in Petrischalen künstliche Netzhäute aus Zellen erkrankter Patienten. Platziert man diese sogenannten Retina-Organoide auf einen Microchip, können die Forschenden die Lichtempfindlichkeit einzelner Zellen prüfen.

Dünnschnitt eines Retina-Organoiden (Foto: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold )
Dünnschnitt eines Retina-Organoiden Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold

Diese Technik erlaubt uns, die Erkrankung zu studieren. Außerdem ermöglicht sie uns, die Gentheraphie an den Mutationen der Patienten zu testen, um gezielte Behandlungen zu entwickeln.

Botond Roska

Die Gentherapie von Botond Roska und seinem Team steht jetzt vor ihrer Bewährungsprobe: Der Anwendung am Menschen.  Bei fünf Patienten wurde bereits mit einer Gentherapie der Netzhaut begonnen. Noch ist das Ergebnis offen, doch die Forschenden sind zuversichtlich, dass sie vielen Blinden helfen können.

Für uns wäre es ein Meilenstein, wenn ein Patient uns von optischer Aktivität… irgendeiner Art des Sehens berichtet. Das wäre wahrscheinlich der größte Meilenstein meiner wissenschaftlichen Karriere.

Körberpreis-Träger Botond Roska
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