Gentechnik und Biohacking

CRISPR/Cas: Zwei Seiten einer Medaille

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Nie war es einfacher unser Erbgut zu manipulieren, wie seit der Entdeckung von CRISPR/Cas – sogar in der eigenen Küche ist es möglich! Das wirft die Frage auf: Wer darf Zugang zu dieser Technik haben?

Gentechnik-Baukasten im Online-Shop

Im Webshop von The Odin für nur 150$ zu haben: Alles was man braucht, um ein gentechnisches Experiment durchzuführen. Dazu gibt es einen Youtube-Kurs, in dem alle nötige Grundlagen dafür gelehrt werden. In Deutschland ist das verboten, nur in speziellen gentechnischen Anlagen dürfen solche Versuche durchgeführt werden. In den USA ist es allerdings erlaubt, dass auch Privatpersonen mit dieser Technik experimentieren.

Hinter The Odin steckt Josiah Zayner. Er vertritt die Meinung, dass alle Zugang zu der Technik haben sollten. Nur so könnte Gerechtigkeit darüber herrschen, wer von CRISPR/Cas profitiert und wer nicht. Das würde allerdings bedeuten, dass gentechnisch veränderte Organismen kaum mehr kontrolliert werden könnten.

Josiah Zayner (Foto: IMAGO, imago images / Everett Collection)
Josiah Zayner, Gründer und CEO von The Odin, vertritt die Meinung, dass CRISPR/Cas für alle zugänglich sein soll imago images / Everett Collection

Gene "hacken" mit CRISPR/Cas

Während eines Vortrags auf einer Fachkonferenz im Oktober 2017 spritzte sich Zayner vor Publikum und laufender Kamera eine klare Flüssigkeit. DNA sei darin gelöst, sagt Zayner, mit der Information für eine CRISPR-Anwendung und ein Stoff, der diese DNA in seine Zellen bringen soll.

Das Gen Myostatin in seinen Muskeln soll ausgeschaltet werden. Dieses Gen kontrolliert den Muskelaufbau – ohne seine Funktion könnten seine Muskeln wachsen, so Zayners Hoffnung. Aber eine einmalige Anwendung werde wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben, gibt sogar Zayner selbst zu.

Mit CRISPCas9, einer Methode zur Genom-Editierung, kann auch menschliches Erbgut manipuliert werden. Biohacker nutzen die Methode für "Optimierungen" am eigenen Körper. (Foto: IMAGO, imago images/Science Photo Library)
Mit CRISP/Cas, einer Methode zur Genom-Editierung, kann auch menschliches Erbgut manipuliert werden. Biohacker nutzen die Methode für "Optimierungen" am eigenen Körper. imago images/Science Photo Library

Keine Gefahr für die Menschheit, aber für private Nutzer

Eine Gefahr für die Menschheit gehe von solchen Experimenten nicht aus, sagt Robert Ranisch, Leiter der Forschungsstelle Ethik der Genom-Editierung am Universitätsklinikum Tübingen.

"Das hat mehr mit PR zu tun, als mit ernst zu nehmender Wissenschaft."

Die Anwendungen von CRISPR würden sich auch in Zukunft nur auf klinische Applikationen beschränken.Vielleicht keine Gefahr für die Menschheit, aber für Zayner selbst – das sagt Toni Cathomen, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie an der Uniklinik Freiburg.

Denn eine unaufgereinigte Lösung, wie sie sich Zayner spritzt, könne eine starke Immunreaktion auslösen, bis hin zu einem anaphylaktischen Schock.

Cathomen glaubt, dass sich in naher Zukunft immer mehr klinische Studien mit neuen Therapien auf Basis von CRISPR/Cas beschäftigen werden und viele Patienten von der Technologie profiteren könnten.

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