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Warum verändert sich die Stimme im Alter?

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Immer im Wandel – die menschliche Stimme

Wenn wir Leute im Radio oder am Telefon hören, machen wir uns schnell ein Bild, insbesondere über ihr Alter. Wir hören eine „junge“ oder eine „alte“ Stimme – aber woran machen wir das fest? Und wir reden hier nicht über den Stimmbruch in der Pubertät – das ist ein Thema für sich – sondern über Stimmen von eben jüngeren oder älteren Erwachsenen.

Es gibt mehrere Eigenschaften, die sich im Alter verändern. Oft klingen die Stimmen leiser und rauer. Manchmal brechen sie beim Sprechen auch einfach weg, zumindest bei sehr alten Menschen werden die Stimmen oft schwächer.

Auch die Tonhöhe kann sich im Alter verändern. Ältere Frauen klingen häufig tiefer als junge. Bei den Männern ist es hingegen oft umgekehrt, sie klingen eher höher und manchmal ein bisschen fistelig. Man bezeichnet diese stimmliche Veränderung als Alters-, gelegentlich auch als „Greisenstimme“.

Herausströmende Luft bringt Stimmbänder in Schwingung

Aber wodurch kommt das alles? Die entscheidenden Veränderungen passieren an den Stimmlippen. Die sitzen im Kehlkopf am Ende der Luftröhre.

Die Stimmlippen bestehen aus kleinen Knorpeln, Muskeln und den beiden Stimmbändern. Sie sind sehr elastisch und mit Schleimhaut bedeckt. Wenn wir still sind und nur ein- und atmen, bleiben die Stimmbänder locker. Wenn wir einen Ton erzeugen, spannen wir sie an. Die Luft wird dann gebremst, die Stimmlippen fangen an zu vibrieren – sie gehen auf und zu – und diese Schwingungen erzeugen den Ton.

Regulation der Stimmhöhe über Länge der Stimmbänder

Wie hoch ein Ton ist, hängt davon ab, wie schnell die Stimmbänder auf und zu flattern. Das ist auch anatomisch bedingt. Je kürzer und schmaler die Stimmbänder, desto schneller schwingen sie, und dementsprechend höher ist der Ton. Männer haben im Schnitt doppelt so lange Stimmlippen wie Frauen, deshalb ist ihre natürliche Stimme ungefähr eine Oktave tiefer.

Musiker halten ihre Streichinstrumente: eine Geige und ein Cello. (Foto: imago images, PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY TomxMerton/Caiaximage/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F030/8266)
Die hohe Violine und das tief klingende Cello veranschaulichen den Zusammenhang zwischen der Stimmbandlänge und der Tonhöhe: Analog zu den Stimmbändern von Frauen und Männern, sind auch die Saiten zwischen den beiden Streichinstrumenten unterschiedlich lang. Die deutlich längeren Saiten des Cellos schwingen langsamer, der Klang ist hörbar tiefer. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY TomxMerton/Caiaximage/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F030/8266

Muskelschwund und Hormone verändern die alternde Stimme

Im jungen Alter sind unsere Stimmbänder sehr elastisch, unser Tonumfang entsprechend groß, und die Stimme klarer, weil wir die Stimmbänder wirklich gut anspannen können. Werden Menschen älter, verhärten die Knorpel allmählich und die Muskeln im Kehlkopf bauen ab. Und auch die Schleimdrüsen der Stimmlippen lassen nach. Das führt dazu, dass die Stimmbänder trockener werden und immer starrer. Sie können schlechter auf- und zu schwingen und schließen sich nicht mehr vollständig. Deshalb klingen ältere Menschen oftmals brüchiger oder belegt, ihre Stimmen ermüden schneller. Und wegen der abnehmenden Stimmbandelastizität verringert sich außerdem der Tonumfang beim Sprechen und Singen.

Es kommt aber noch etwas hinzu: Mit dem Alter verändert sich auch der Hormonhaushalt. Das wirkt sich bei Frauen und Männern unterschiedlich stark aus. Bei Frauen sinkt insbesondere in den Wechseljahren der Östrogen- und Progesteronspiegel und ihre Stimmen werden hörbar tiefer. Das liegt daran, dass auch der Frauenkörper immer eine kleine Menge Testosteron bildet. Fehlt nach den Wechseljahren aber das Östrogen, wirkt sich stattdessen das Testosteron auf die Stimmlippen aus – die Stimme wird tiefer, – im Schnitt um 14 Hz, das entspricht ungefähr einem Ganztonschritt.

Analog produziert der männliche Körper im Alter weniger Testosteron. Weniger Testosteron heißt aber, die Stimme wird etwas höher. Der Effekt ist allerdings deutlich geringer als bei den Frauen, und macht sich erst in ganz hohem Alter klanglich bemerkbar, wenn die Stimmlippen bereits sehr verknöchert und starr sind. Sie können dann weniger weit auf und zu schwingen. Die Stimme klingt dann fistelig und höher – man spricht vom sogenannten „Greisendiskant“.

Die Stimme als Altersindikator

Dass wir eine Stimme oft recht schnell als jung oder alt wahrnehmen, hängt übrigens nicht nur von ihrem Klang ab. Ältere Menschen sprechen im Schnitt auch langsamer und neigen zu längeren Pausen. Auch das nehmen wir unbewusst als Hinweis aufs Alter wahr. Interessanterweise ist unser Gehör da recht zuverlässig: nur um etwa plus/minus 5 Jahre vertippen wir uns, wenn wir das Alter anhand der Stimme ausmachen wollen – das konnte eine Studie der TU Berlin zeigen.

Ein herzliches Dankeschön an Walter Sendlmeier, Professor für Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der TU Berlin, für die Hilfe bei der Beantwortung der Frage.

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