Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks (SWR) © SWRPaul Gärtner (Foto: SWR, Paul Gärtner)

Einblick | 16.09.2022

Die Neutralität des SWR-Intendanten

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AUTOR/IN
Kai Gniffke

Diese Woche hat die ARD festgelegt, dass der SWR im kommenden Jahr den Vorsitz in der ARD übernehmen soll. Keine große Überraschung, und genau deshalb habe ich neulich schon in unserem Verwaltungsrat berichtet, welches Auto ich fahre, wie meine Büroausstattung aussieht, wer meine Reisekosten kontrolliert und was ich mit Nebeneinkünften mache. Aber was ist eigentlich mit meiner politischen Unabhängigkeit? 

Seit mehr als 30 Jahren arbeite ich im politischen Journalismus. Und noch viel länger bin ich Mitglied in der SPD. Ich habe daraus nie ein Geheimnis gemacht, und seit vielen Jahren steht es auch in meinem Wikipedia-Eintrag. In die Partei bin ich 1982 aus zwei Gründen eingetreten. Zum einen weil Helmut Schmidt abgewählt wurde, den ich sehr verehrt habe. Zum anderen weil ich nach dem frühen Tod meines Vaters eine Familientradition fortsetzen wollte, die bis ins Kaiserreich zurückreicht. Die Gniffkes waren ein Jahrhundert lang Sozialdemokraten und haben deshalb unter den Nazis und den Stalinisten weiß Gott nicht nur Vorteile gehabt. Und bis heute finde ich, dass unser Land in den zurückliegenden 70 Jahren mit den politischen Parteien nicht schlecht gefahren ist. Deshalb habe ich die Parteien-Verachtung mancher Zeitgenossen nie nachvollziehen können.

Natürlich bin ich im Lauf meiner Arbeit als Reporter, landespolitischer Korrespondent, Chefredakteur und jetzt Intendant oft gefragt worden, wie ich als Parteimitglied denn neutral sein könne. Die wichtigste Antwort darauf lautet: Transparenz! Jeder kann von meiner Zugehörigkeit wissen und selbst beurteilen, ob ich eine Schlagseite habe. Dabei würde ich selbstverständlich kein Amt oder Mandat übernehmen oder mich in anderer Weise engagieren. Viel wichtiger scheinen mir aber folgende Vergleiche: Ein Chirurg, der in CDU ist, wird einen Sozialdemokraten genauso sorgfältig operieren wie einen Parteifreund. Oder: Ein Architekt, der in der AfD ist, wird ein Haus für ein Mitglied der Grünen nach allen Regeln der Statik bauen. Das ist eine Frage der Professionalität. Und genau das empfehle ich auch Journalistinnen und Journalisten: Dass sie ihre Arbeit nach professionellen Standards machen und dabei die eigene Meinung von der Arbeit trennen. Diesen Anspruch habe ich immer an meine eigene Arbeit gestellt und sie ist bislang noch niemals wegen politischer Einäugigkeit kritisiert worden. Darauf bin ich stolz, bei diesem Kurs wird es bleiben.

Ihr Kai Gniffke

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Kai Gniffke