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In dem Jahr, in dem ich Abitur gemacht habe, wurde meine Schule umbenannt. Statt „Neusprachliches Gymnasium Daun“ stand auf meinem Abi-Zeugnis der neue Name „Geschwister-Scholl-Gymnasium“. Zum Zeugnis gab‘s das Buch „Die Weiße Rose“ von Inge Aicher-Scholl - mit einem Vorwort von Ilse Aichinger. Das habe ich auch gelesen, aber damals ist mir die Figur Sophie Scholl nicht nahe gekommen. Wie kann man diese Widerstandskämpferin heute im Jahr ihres 100. Geburtstags bei jungen Menschen ins Bewusstsein rücken? Der SWR und der BR zeigen mit dem Instagram-Projekt „Ich bin Sophie Scholl“ jetzt: Es geht!

Wir haben uns gemeinsam mit dem BR gefragt: Was wäre gewesen, wenn Sophie Scholl Instagram gehabt hätte? Sie nimmt uns auf ihren eigenen Instagram-Kanal mit in ihre Welt und erzählt den Nutzerinnen und Nutzern mit selbst gedrehten Handyvideos die Geschichte ihres Erwachsenwerdens im NS-Deutschland und natürlich ihres Widerstands. Wir kommen Sophie Scholl ganz nah, sehen die Welt durch Ihre Augen, lernen ihren Bruder Hans kennen und hören von ihrem Freund Fritz, der an der Front ist. Sophie teilt ihre Sorgen mit uns und ihre Glückserfahrungen – die eben auch die einer ganz normalen jungen Frau sind, die in eine neue Stadt kommt. Wir erleben aus ihrer eigenen Perspektive, wie Sophie sich politisiert, Zweifel überwindet, selbstbestimmt agiert – und erkennen unser eigenes Denken und Tun und das demokratische Selbstverständnis vieler junger Menschen heute in der Instagrammerin wieder. Und weil Sophie auf Instagram unterwegs ist – der Plattform der heutigen jungen Generation – ist sie nicht mehr nur aufrechtes Vorbild, sondern wird zur nahbaren Identifikationsfigur der heutigen Zeit.

Im vergangenen Jahr haben wir im SWR ein sogenanntes Pitching gestartet. Redaktionsteams konnten sich um finanzielle Mittel für digitale Produkte bewerben. Ziel war es, neue SWR-Angebote für Menschen zu fördern, die sich bislang kaum für unsere Medieninhalte interessiert haben. Zugleich wollten wir die Kreativität und die Lust auf Neues im SWR anfachen. Eins der geförderten Projekte ist „Ich bin Sophie Scholl“. Damit ist dem Team etwas ganz Großes gelungen: Eine geradezu ideale Kombination von erstklassigem Journalismus, künstlerisch-kreativer Aufbereitung und digitaler Verpackung. Am dritten Tag nach dem Start haben schon fast eine halbe Million Menschen „Ich bin Sophie Scholl“ abonniert. Sie alle werden dieser besonderen historische Figur in den kommenden Wochen und Monaten nahe kommen. Welch ein Glücksfall.

Ihr

Kai Gniffke

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