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Mehr Öffentlichkeit gefordert: Enthüllung eines Femizid-Mahnmals in Osnabrück

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INTERVIEW
Julian Burmeister

„Ein Feminizid ist ein Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist“, erklärt Femizid-Expertin und Buchautorin Julia Cruschwitz im Gespräch mit SWR2. In Osnabrück ist nun ein Mahnmal enthüllt worden, das auf das Thema aufmerksam machen soll.

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Trennung vom Partner ist häufigster Grund für Femizide

Häufig liegt das Motiv im Frauenhass. Neben direkter Gewalt resultieren Todesfälle von Frauen auch aus strukturellen Benachteiligungen, beispielsweise durch das Töten weiblicher Föten, durch Genitalverstümmelungen oder im Kontext sexueller Übergriffe.

Alle drei Tage wird eine Frau in Deutschland von ihrem Ex getötet

In Deutschland führen meist Trennungen von einem Mann zu Femiziden. Diese Taten werden in der Kriminalstatistik als Partnerschaftsgewalt geführt, mit jährlich etwa 130 Morden durch Ex-Partner und 200 weiteren Tötungsversuchen. Das bedeutet, dass alle drei Tage eine Frau in Deutschland von ihrem Ex-Partner getötet wird und fast täglich ein Tötungsversuch stattfindet.

Das große Schweigen als Problem

Femizide durchziehen alle Gesellschaftsschichten und werden oft als private Probleme abgetan: „Sie sind jedoch strukturelle und gesellschaftliche Probleme“, betont Cruschwitz. Oftmals würden solche Morde sogar verleugnet. Es sei daher wichtig, Femizide stärker zu thematisieren und öffentlich zu machen.

Mahnmal in Osnabrück

Am 24. Januar 2024 wurde in Osnabrück ein Femizid-Mahnmal enthüllt. Es handelt sich um ein Holzdenkmal der Künstlerin Irène Melix, das drei große, hintereinander aufgestellte Holzhände zeigt.

Sie symbolisieren das Handzeichen („Signal for Help“) gegen häusliche beziehungsweise geschlechtsspezifische Gewalt, welches die Canadian Women's Foundation im April 2020 festgelegt hat.

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Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Gewalt gegen Frauen: Wo bleibt die kollektive Wut?

Jeden Tag versucht ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten, fast jeden dritten Tag gelingt es ihm. Wieso macht uns das als Gesellschaft nicht wütend? Wo bleibt die kollektive Wut? Die Podcasterin Kim Hoss hat ihre eigene Wut in Mut umgewandelt. “Als ich verstanden habe, dass ich wütend sein darf, war das befreiend'”, erzählt Hoss. Sie glaubt, dass aus der gemeinsamen Wut über die Verhältnisse Kraft und Solidarität entstehen kann.

Seit 25 Jahren vertritt die Strafverteidigerin Christina Clemm Frauen, die von Gewalt betroffen sind, vor Gericht. Das Strafrecht sei ein wichtiges Mittel, aber längst nicht ausreichend, sagt sie. Denn die Gewalt an Frauen ist für sie ein Nebeneffekt unserer patriarchalen Gesellschaft, die diese Gewalt duldet.

Unser Podcast-Tipp für diese Woche: “Bleib Mensch!” mit dem NDR-Journalisten Arne-Torben Voigts und der Theologin Petra Bahr. Sie sprechen darüber, wie wir mit Krieg, Krise, Klima und Inflation umgehen können. Wie können wir eine weitere Spaltung in der Gesellschaft verhindern? Und vor allem: Wie können wir Mensch bleiben? Das sind die Fragen im Podcast „Bleib Mensch!“ – den ihr ab jetzt in der ARD Audiothek findet: https://1.ard.de/bleibmensch2

Mailt uns, auch mit Feedback und Themenvorschlägen an kulturpodcast@swr.de.

Hosts: Kristine Harthauer und Philine Sauvageot
Showrunner: Giordana Marsilio

Links:
Den Podcast “The Sirens Collective” von Kim Hoss und Lise van Wersch findet ihr auf zahlreichen Podcast-Plattformen, z.B. hier: https://open.spotify.com/show/32LUUtGzN6ZYcMtrs36Mhi

Das “The Sirens Collective”-Archiv für Betroffene: https://www.thesirenscollective.com/

Das Buch von Christina Clemm “Gegen Frauenhass”: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/gegen-frauenhass/978-3-446-27731-1/

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