Ein Bauarbeiter steht in der Tunnelbaustelle der Rheintalbahn (Foto: picture-alliance / dpa, Patrick Seeger)

Ein Jahr nach Tunnelhavarie an der Rheintalbahn "Deprimierende Zwischenbilanz"

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Im August 2017 hat der Einsturz an der Tunnelbaustelle in Rastatt den Bahnverkehr für sieben Wochen unterbrochen. Bund und Bahn hätten nicht aus der Havarie gelernt, so die Kritik.

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) spricht von Versagen bei der Aufarbeitung der Havarie auf der Rheintalbahn. Auch ein Jahr nach dem Unglück seien parallel zur Rheintalbahn gelegene Strecken nicht modernisiert worden, kritisierte Geschäftsführer Peter Westenberger im SWR. Es fehle beispielsweise eine Elektrifizierung. Deshalb stünden Ausweichstrecken bei einem erneuten Unglück auf der Rheintalbahn nicht zur Verfügung.

Bauarbeiten noch bis 2040 auf der Rheintalbahn

"Wenn Rastatt noch einmal passieren würde, hätten wir nahezu das gleiche Problem wie im vergangenen Jahr." Vor dem Hintergrund, dass auf der Rheintalbahn noch bis 2040 gebaut werde und immer wieder Baustellen den Bahnverkehr behinderten, kann Westenberger die Untätigkeit der Bahn nicht nachvollziehen. "Das ist eine deprimierende Zwischenbilanz nach einem Jahr."

Bauarbeiten am Rastatter Tunnel ruhen

Der NEE-Geschäftsführer äußerte außerdem sein Unverständnis darüber, dass im Moment die Bauarbeiten an dem 700-Millionen-Euro-Projekt insgesamt ruhten. Die Tunnelhavarie habe in der Ost-Röhre stattgefunden. Die Weströhre sei vom Einsturz nicht betroffen gewesen.

"Das ist nach unserer Einschätzung zumindest fragwürdig, weil dort nur noch wenige Meter gebaut werden müssten, um möglicherweise diesen Teil der Strecke vorzeitig in Betrieb nehmen zu können, was eine Entlastung bei der angespannten Situation auf der Schiene bedeuten könnte", sagte Westenberger.

Ost- und Weströhre des Tunnels bei Rastatt für die Rheintalbahn (Foto: picture-alliance / dpa, Patrick Seeger)
Die Inbetriebnahme des Tunnels verzögert sich weiter Patrick Seeger

FDP-Bahnexperte: Politischer Wille für Lösungen fehlt

Der FDP-Bahnexperte Christian Jung sieht den Bund in der Pflicht. Es seien nach wie vor keine Ausweichstrecken in ausreichendem Maße vorhanden, kritisierte Jung ebenfalls im SWR. Gespräche mit der französischen Seite hätten nicht stattgefunden, obwohl im Elsass eine Alternativroute vorhanden sei, die nur wiederhergerichtet werden müsse.

"Ich würde die Strecke Ludwigshafen-Wörth-Straßburg, eine alte preußische Eisenbahnstrecke von 1910, ausbauen", schlug der FDP-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Karlsruhe-Land vor. Bei Störungen auf deutscher Seite könnte der Eisenbahnverkehr dann über die französische Seite umgeleitet werden.  

Am 12. August 2017 waren Wasser, Sand und Kies in einen neu gebohrten Teil der Oströhre direkt unterhalb der wichtigen Rheintalbahn eingedrungen. Die beiden Schienenstränge sackten ab. Warum sich die Havarie ereignete, ist noch nicht geklärt.

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