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In Ludwigshafen ist ein Wasserstoff-Zug für den Regionalverkehr vorgestellt worden. Er soll die Diesellok von der Schiene verdrängen. Doch ist die Technologie wirklich besser?

In Ludwigshafen ist ein Wasserstoff-Zug für den Regionalverkehr vorgestellt worden. Er soll die Diesellok von der Schiene verdrängen. Doch ist die Technologie wirklich besser?

Dazu muss erstmal die Funktionsweise des Wasserstoff-Zugs - auch Hydrail genannt - betrachtet werden: Laut Hersteller Alstom hat der Zug auf dem Dach einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. Diese wandelt den Wasserstoff direkt in elektrische Energie um. Statt Kohlendioxid, Ruß und Feinstaub hinterlässt der Motor lediglich ein paar Tropfen Wasser. Eine zusätzliche Batterie speichert nicht benötigten Strom für später.

Genauso schnell wie ein Dieselzug

Bei seinem Halt in Ludwigshafen am Dienstag wurde die Technik im Detail erläutert. Teil der Präsentation war zudem eine Sonderfahrt von Ludwigshafen nach Mannheim und zurück. Der Zug mit dem Namen "Coradia iLint" hat eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern und ist damit genauso schnell wie ein Dieselzug. Mit einer Tankfüllung kommt er etwa 1.000 Kilometer weit.

"Die Verbindung von Wasserstoff und Brennstoffzelle ist vor allem auf entlegenen Strecken ohne Oberleitung interessant", sagt Prof. Michael Günthner, der an der TU Kaiserslautern "Antriebe in der Fahrzeugtechnik" erforscht. Entscheidend sei die Energiegewinnung. Wird der Wasserstoff mit Windkraft erzeugt, fahre der Zug klimaneutral. Allerdings werde bislang der Großteil des Wasserstoffs aus Erdgas gewonnen. "Dann ist der Vorteil überschaubar", so Günthner. Für den elektrischen Bahnbetrieb an Oberleitungen seien Brennstoffzellen eher keine Konkurrenz, weil sie weniger effizient sind.

Der Großraum Rhein-Neckar hatte Ende 2018 angekündigt, zur Modellregion für Wasserstoff werden zu wollen und unter anderem das Tankstellen-Netz auszubauen. Dabei hofft er auf EU-Zuschüsse in Millionenhöhe. Dass auch der "Coradia iLint" in Zukunft regelmäßig durch die Region rollt, ist also nicht unwahrscheinlich.

Auch im Rhein-Main-Gebiet getestet

Gebaut wird der Regionalzug im niedersächsischen Salzgitter. Das französische Unternehmen Alstom will ihn bundesweit auf die Schienen bringen. In Norddeutschland ist er bereits in Betrieb und verbindet dort die Städte Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude miteinander. In Niedersachsen soll ab 2022 eine komplette Flotte mit 14 Zügen fahren.

Im Rhein-Main-Gebiet wurde der "Concordia iLint" auch schon getestet. Der Rhein-Main-Verkehrsbund, zu dem auch die Stadt Mainz gehört, möchte nach eigenen Angaben bis zu 26 Triebwagen bestellen, die ab 2022 ebenfalls durch die Region fahren könnten. Die Entwicklung hat der Bund mit acht Millionen Euro gefördert.

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