Tellerscherben liegen vor den Füßen eines Paares. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Land unterstützt Beratungsstelle "Safe"

Mehr Hilfe für männliche Opfer häuslicher Gewalt in RLP

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Rheinland-Pfalz will die Hilfe für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, verstärken. Laut Familienministerium erfuhren im vergangenen Jahr 1.691 Rheinland-Pfälzer Gewalt in engen sozialen Beziehungen.

Dies seien 20,5 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt. In den 18 Interventionsstellen des Landes im Jahr 2020 seien 129 von Gewalt betroffene Männer beraten worden (2019: 107). Das Ministerium wolle solche Männer unterstützen. Deshalb werde die Beratungsstelle "Safe" in Mainz gefördert. Das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt solle unter anderem helfen, den Bedarf für weitere Hilfsangebote zu beurteilen. Das Ministerium stelle dieses Jahr für die halbe Personalstelle und Sachkosten 41.300 Euro bereit.

Eine Männerschutzwohnung entsprechend der Frauenhäuser gibt es in Rheinland-Pfalz nicht. Auch den Bedarf dafür solle die Beratungsstelle "Safe" ermitteln. Darüber hinaus informiere sich das Land in Baden-Württemberg über das von diesem Bundesland, Nordrhein-Westfalen und Bayern geförderte "Männerhilfetelefon".

Ohrfeigen, fliegende Gegenstände, Psychoterror

Die Pilot-Beratungsstelle "Safe" in Mainz habe seit ihrer Eröffnung im Mai vergangenen Jahres 34 Männer im Alter von 22 bis 66 Jahren beraten, berichtete der Berater und Paartherapeut Bernd Seifried. Die Männer hätten Ohrfeigen, Treten, Boxen und Bewerfen mit Gegenständen ertragen, Erniedrigungen und Psychoterror. In 32 Fällen seien Frauen die Täterinnen gewesen, in einem Fall der gleichgeschlechtliche Partner, in einem weiteren Fall der Vater.

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Die betroffenen Männer seien häufig körperlich stärker als ihre Frauen, hätten aber eine moralische Hemmung, sich gegen deren Gewalt zu wehren, erklärte Seifried. Sie würden Angriffe lange Zeit erdulden und würden passiv, depressiv und vereinsamten. Für viele Klienten komme eine Trennung nicht infrage. Sie wollten die Kinder nicht allein ihrer Frau überlassen, die auch ihnen gegenüber keine Impulskontrolle habe, oder seien arbeitslos und von ihrer Frau materiell abhängig. Solche Gewaltbeziehungen könnten über Jahre andauern.

Beratungsstelle hilft Opfern, sich "auszukotzen"

Die Polizei werde meist erst von einem der Partner oder Nachbarn gerufen, wenn der Konflikt eskaliert. Vorteilhaft sei, dass die Polizei in Rheinland-Pfalz die Betroffenen frage, ob sie die Adressen an Beratungsstellen weitergeben darf. "Safe" helfe den Klienten, sich "auszukotzen", ihre Probleme zu sortieren und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken, erklärte Seifried. "Endlich kann ich hier darüber reden", seufzten viele. Im akuten Notfall könnten Gewaltopfer zudem bis zu 14 Tage lang in der Wohnung eines kirchlichen Trägers untergebracht werden.

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