Eine Rinderkeule wird in einer Fleischerei in das Kühlhaus geschoben.

Petition im Internet

Umweltgruppen wollen Fleischkongress in Mainz verhindern

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Corinna Lutz
Corinna Lutz ist Reporterin im SWR Studio Mainz

Umweltgruppen sind dagegen, dass sich Vertreter der Fleischwirtschaft im November in der Mainzer Rheingoldhalle treffen. Ihr Hauptargument: Die Stadt hat vor vier Jahren den Klimanotstand ausgerufen.

An dem Protest beteiligen sich unter anderem der BUND Mainz, Greenpeace Mainz-Wiesbaden und das Kolibri-Kollektiv. Diese Gruppe sieht sich als Teil der Klimagerechtigkeits- und Tierbefreiungsbewegung. Auf einer Online-Plattform wurde eine Petition gegen den Kongress gestartet. Inzwischen haben dort etwa 20.000 Menschen unterschrieben. Die Petition der Gegnerinnen und Gegner soll im Vorfeld unter anderem an Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) übergeben werden. Die Gegner fordern die Stadt auf, den Kongress nicht in Mainz stattfinden zu lassen.

"Es kann nicht sein, dass die Stadt Mainz, die noch 2019 den Klimanotstand ausgerufen hat, das wichtigste Treffen der mit Abstand klimaschädlichsten aller Branchen ausrichtet."

Die Gegner des Kongresses sagen zudem, dass die Fleischindustrie für schlechte Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung der Beschäftigten bekannt sei.

Fleischer-Innung in Bingen gegen Absage des Kongresses

Die Fleischer-Innung Mainz-Bingen kritisiert die Petition. Den Kongress in Mainz abzusagen, sei nicht zielführend, sagt der stellvertretende Obermeister Andreas Harth. Dann würde die Veranstaltung vermutlich woanders stattfinden.

Es gebe nicht nur schwarze Schafe in der Branche, sondern viele, die an ökologischen Lösungen interessiert seien, um Menschen mit Fleisch und Wurst zu versorgen. Viele Argumente der Umweltgruppen, die zum Beispiel die Massentierhaltung kritisieren, sind laut Harth absolut nachvollziehbar und richtig. Der Kongress im November sei wichtig, um auch solche Standpunkte zu diskutieren.

Klimanotstand wurde in Mainz mit großer Mehrheit beschlossen

Im September 2019 hatte der Mainzer Stadtrat mit großer Mehrheit den Klimanotstand ausgerufen. Gegenstimmen gab es lediglich von der AfD. Der Klimanotstand bedeutet, dass der Stadtrat künftig bei allen Entscheidungen die Auswirkungen auf das Klima berücksichtigen wird.

Ein Vertreter der Wirtschaft hatte die Ratsmitglieder in der Sitzung davor gewarnt, dass ein Klimanotstand die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt gefährden könne. Man dürfe Klima- und Umweltschutz nicht über alles andere stellen. Teile des anwesenden Publikums - vor allem Vertreter der Fridays for Future-Bewegung - quittierten diese Aussagen damals mit Buh-Rufen.

Mainzer Wirtschaftsdezernentin Matz befürwortet Kongress

Die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) hält es für angebracht, sich mit den Argumenten der verschiedenen Umweltgruppen zu beschäftigen. Allerdings gehe es bei dem Kongress auch um Themen wie Fleischalternativen, digitale Transformation und Tierwohl. "Ein Kongress dieser Größe ist wichtig für die heimische Wirtschaft, zum Beispiel für die Hotellerie, Handel und Gastronomie", so Matz. 

Deutscher Fleischkongress seit 2021 in Mainz

Der Deutsche Fleischkongress findet seit 2021 jedes Jahr in der Mainzer Rheingoldhalle statt, dieses Mal am 21. und 22. November. Unter anderem treffen sich dort Vertreter großer deutscher Fleischproduzenten, Einzelhandelsketten und der Viehwirtschaft, um sich über die Entwicklung am deutschen Fleischmarkt auszutauschen. Auch Landwirtschaftminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) wird einen Vortrag halten.