Kreis und VRM planen keine Kündigung

Bus-Chaos im Kreis MYK: Mutter empört über Manöver auf Bahnübergang

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Martina Gonser

Der Kreis Mayen-Koblenz und die VRM sehen keinen Grund, den Vertrag mit dem Busunternehmen Transdev zu kündigen - trotz aktueller Vorwürfe wegen eines gefährlichen Fahrmanövers.

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Seit gut einem Jahr gibt es immer wieder Beschwerden am Busunternehmen Transdev im Kreis Mayen-Koblenz. Der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz sieht jedoch derzeit keinen Grund, der Transdev als Busgesellschaft zu kündigen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maifeld hatte dies gefordert. Anlass war ein Vorfall an einem Bahnübergang in Lehmen vergangene Woche.

Gefährliches Fahrmanöver auf Bahnsteig

Die Bussituation im Kreis Mayen-Koblenz sei wieder eskaliert, sagt Verbandsbürgermeister Maximilian Mumm (SPD). Er habe von einer Mutter aus Kerben gehört, dass am Montag, den 16. Januar, ein Busfahrer seinen Schulbus mitten auf einem Bahnübergang vor und zurück gesetzt habe. Deren Tochter habe ein Video mit dem Handy gedreht, das dem SWR vorliegt und das Rangieren zeigen soll.

Natascha Sniehotta berichtet im Gespräch mit dem SWR, dass der Fahrer des Schulbusses die Kurve nicht richtig genommen habe. Er habe deshalb minutenlang auf dem Bahnübergang in Lehmen mit dem Fahrzeug rangiert. Ihre 13-jährige Tochter habe das gefilmt. Die Schülerin habe sich zudem noch an der Hand verletzt, als der Busfahrer kurze Zeit später nach einer verpassten Bushaltestelle eine Vollbremsung hinlegte. 

"Mittlerweile habe ich echt Angst, meine Tochter mit dem Bus fahren zu lassen. Aber wir sind darauf angewiesen."

Transdev: Seit Dezember 2021 beschweren sich Eltern

Schon seit der Busverkehr im Kreis Mayen-Koblenz im Dezember 2021 von der Transdev übernommen wurde, gibt es immer wieder Kritik und Beschwerden - nicht nur wegen Verspätungen, sondern auch, weil die Busfahrer oft keine Ortskenntnis haben. Es gab auch bereits Strafanzeigen gegen Busfahrer.

Im Kreis wachse bei Eltern die Angst, ihre Kinder mit dem Bus zur Schule fahren zu lassen, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maifeld. Viele brächten sie inzwischen selbst dorthin. So wie Natascha Sniehotta. Sie sagte dem SWR: "Da muss doch endlich mal was passieren. Mittlerweile habe ich echt Angst, meine Tochter mit dem Bus fahren zu lassen. Aber wir sind darauf angewiesen."

Bürgermeister Mumm will Taten vom Kreis sehen

Maximilian Mumm hatte deshalb Konsequenzen gefordert: Der Geschäftsführer der zuständigen Transdev-Tochter VREM müsse ausgetauscht werden. Im besten Fall aber müsse der Kreis den Vertrag mit Transdev kündigen. Dass das möglich sei, habe ein juristisches Gutachten ergeben, sagt Mumm, der auch Mitglied im Verkehrsausschuss im Kreistag ist. Er hält das Argument des Kreises, dass man keinen Ersatz habe und deshalb den Vertrag nicht kündigen könne, für nicht stichhaltig.

Per Notvergabe könne man dann andere, regionale Unternehmen beauftragen, den Busverkehr im Kreis Mayen-Koblenz aufrecht zu erhalten. Schließlich solle man ernsthaft darüber nachdenken, den ÖPNV im Kreis wieder in kommunale Hand zu geben - so, wie man das auch mit der Abfallwirtschaft getan habe.

Busunternehmen Transdev will den Vorfall prüfen

Das zuständige Busunternehmen gibt an, die Vorfälle nicht bestätigen zu können, sie aber prüfen zu wollen. Die Sicherheit der Fahrgäste, vor allem auch im Schulbusverkehr, habe oberste Priorität. Die häufig wechselnden ausländischen Fahrer würden von der Transdev zudem laufend geschult. 

Landkreis Mayen-Koblenz hält am Unternehmen fest

Der Kreis hat den Fall nach eigenen Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Landesbetrieb Mobilität gemeldet, der ihn prüfen will. Landrat Alexander Saftig sagte, er bedauere den Vorfall. Sicherheit müsse oberste Priorität haben. Er sehe aber den Busverkehr im Kreis insgesamt auf einem guten Weg, nachdem es vor einem Jahr eine Vielzahl von Unfällen und Busausfällen gegeben hatte.

Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel VRM, Stephan Pauly. Rechtlich sei eine Kündigung nicht möglich, sagt er. Außerdem lasse sich kaum ein Unternehmen finden, das mehr Sicherheit und besseren Service garantieren könne.

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