Solon Castillo macht ein Selfie vor seiner Heimatstadt in Ecuador. Der Mediziner will als Urologe in Koblenz arbeiten.  (Foto: SWR)

Gegen den Ärztemangel

Junger Arzt aus Ecuador will Urologe in Koblenz werden

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Gunnar Hollweg

Solón hat in seiner Heimat in Ecuador Medizin studiert. Nun hat er einen großen Wunsch: Urologe werden in Koblenz. Dafür nimmt er auch viele Hürden in Kauf.

Schon seit seinem Medizinstudium in Ecuador hat Solón Castillo einen Traum: Er will als Arzt in Deutschland arbeiten. Mit seiner Familie bereiste er Deutschland schon einige Male. Im November vergangenen Jahres wagte er den großen Schritt und buchte ein Ticket nach Deutschland. In Koblenz organisierte er sich eine Sprachschule, die ihm mit Visum und Arbeitserlaubnis half. Seitdem arbeitet er hart für seinen Traum.  

Kämpfen um die Anerkennung als Arzt 

Damit der 26-Jährige hier als Arzt praktizieren kann, muss er einige Prüfungen bestehen. Schon in seiner Heimat lernte der sprachbegeisterte Student Deutsch. Damit war der erste Sprachtest für ihn gut zu meistern. Jetzt folgen noch eine Fachsprachenprüfung und eine Kenntnisklausur im Bereich Medizin. Dafür paukt er fleißig, denn die nächste Prüfung steht im April an.

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Um eine deutsche Approbation zu erhalten, müssen Ärztinnen und Ärzte aus Nicht-EU-Staaten nach einer Info der Landesärztekammer und des Bürger- und Unternehmensservice Rheinland-Pfalz eine mehrstufige Zusatzqualifikation schaffen. Für Bewerberinnen ohne deutsche Sprachkenntnisse ist es demnach schwer eine Approbation zu erhalten. Um das zu erleichtern, gibt es vom Bundesinstitut für Berufsbildung Beratungsangebote, um sich als Ausländer seine ärztliche Berufsqualifikation anerkennen zu lassen.  

Ich bin sehr selbstbewusst. Wenn ich eine Prüfung nicht schaffen sollte, dann versuche ich es noch einmal.

Scheitern kommt nicht in Frage

Solón Castillo will Urologe werden. Das scheint in der Familie zu liegen, denn sein Vater und sein Bruder sind praktizierende Urologen in seiner Heimatstadt Guayaquil. Der junge Arzt will seine Begeisterung für Deutschland mit der Arbeit verbinden - deshalb ist er hier, trotz Heimweh und sprachlichen Herausforderungen. Scheitern kommt nicht in Frage: "Ich bin sehr selbstbewusst. Wenn ich eine Prüfung nicht schaffen sollte, dann versuche ich es noch einmal." 

Ärzte werden in Rheinland-Pfalz händeringend gesucht

In Rheinland-Pfalz begrüßt man Menschen wie Solón Castillo mit offenen Armen. Jeder zweite Arzt hier ist laut Landesärztekammer über 50 Jahre alt. Bei Haus- und Fachärzten liege der Altersdurchschnitt noch höher. Da viele Mediziner keine Nachfolger finden, arbeiten viele bis weit ins Rentenalter hinein. "Das bedeutet im Klartext, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren einen dramatischen Ärztemangel auch in Rheinland-Pfalz erleben werden." Dr. Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer, weiß, dass sich die medizinische Versorgung verändern wird. 

Das bedeutet im Klartext, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren einen dramatischen Ärztemangel auch in Rheinland-Pfalz erleben werden.

 Landesärztekammer: Ohne Zuwanderung wird medizinische Versorgung schlechter 

Ohne Zuwanderung von außerhalb, würde sich die ärztliche Versorgung deutlich verschlechtern, sagt Dr. Matheis weiter. "Schon jetzt sind zehn Prozent der Ärzte aus dem Ausland und die Zahl wird steigen." Dabei ist es laut Matheis unbedingt nötig, dass die Bewerber aus Drittstaaten nachqualifiziert werden. "Nur so können wir sicherstellen, dass den jungen Kollegen Kenntnisse und Fähigkeiten abverlangt werden können, wie es hier im Studium Standard ist."

Darüber hinaus fordert Matheis mehr Medizinstudienplätze, weniger Bürokratie für Ärzte und ein Umdenken in der Gesellschaft. Es könne nicht sein, dass jedes Wehwehchen in der Notaufnahme ende, so Matheis. Um dem Ärztemangel etwas entgegenzusetzen, brauche man mehr Ärzte, die weniger unnötig belastet werden.    

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