Evelin Schmid ist seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlich tätig und arbeitet jetzt als Trauerbegleiterin (Foto: SWR)

Tag des Ehrenamts

Trauerbegleiterin macht den Alleingelassenen Mut

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Denise Thomas, Matthias Weber

"Ich will den Menschen schenken, dass ich für sie da bin", sagt Evelin Schmid. Seit 25 Jahren ist sie ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiterin. Tränen gehören zu ihrem Alltag, aber auch Freude und Mut.

Die 61-Jährige arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Ehrenamtliche bei der Hospizgemeinschaft Hunsrück-Simmern - zunächst mit sterbenden Menschen, später dann als Trauerbegleiterin mit den Angehörigen. Sie ist eine von vielen im Land, die sich in der Freizeit ehrenamtlich betätigen - rund 42 Prozent der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer waren es laut der letzten Erhebung im Jahr 2019.

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Bei der Trauerbegleitung gehe es vor allem darum, "dass die Menschen reden können", sagt Schmid dem SWR. "Unsere Begleitung besteht eigentlich nur darin, jeden auf seinem je eigenen Weg zu helfen." Dabei gebe es nicht den einen Weg, die eine Lösung. Sie wollten den Betroffenen Mut in ihrem Tun machen, betont Schmid. "Aber dieses Tun muss von ihnen kommen. Denn nur das ist es, was ihnen letztendlich hilft."

Nach eigener Trauer in die Hospiz

Angefangen habe alles "durch eigenes Erleben im Umgang mit Tod und Trauer", sagt Schmid. In ihrer Familie habe es mehrere Todesfälle gegeben "und ich habe bei mir gemerkt, wenn ich eine Begleitung gehabt hätte oder mir irgendjemand ein bisschen Mut gemacht hätte in meiner Unsicherheit, das hätte mir gut getan". Und dann habe sie immer gedacht: "Vielleicht - wenn du mal soweit bist - machst du mal sowas und kannst den Menschen Mut geben."

"Wenn mir irgendjemand ein bisschen Mut gemacht hätte in meiner Unsicherheit, das hätte mir gut getan"

Hilfe für die Alleingelassenen

Sie habe gemerkt: "Hier fehlt noch irgendetwas." Nämlich eine Begleitung von Menschen, die nach dem Tod ihrer Angehörigen alleine gelassen sind. "Ich habe mich dann 2008 mit anderen noch zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Und mache das seitdem auch."

Ein Begleitungskurs bestehe aus vier Treffen, die immer an einem Samstag stattfinden, erläutert Schmid. An einem Kurs könnten dabei höchstens acht Menschen teilnehmen - "sonst wäre es zu viel."

Viele Tränen, aber auch Lachen

Am Anfang gebe es auch bei ihr oft viele Tränen, "wenn jemand einen Verstorbenen hat und mir seine Geschichte erzählt", sagt Schmid. "Und das Einzige, war wir ihnen bieten können, ist, dass wir für sie da sind." Sie könne das inzwischen gut aushalten - "obwohl mir das auch schon immer sehr nahe geht".

"Das Einzige, was wir ihnen bieten können, ist, dass wir für sie da sind - und das versuche ich ihnen zu schenken."

Es gebe aber auch schöne Momente. So sei sie einmal mit ihrem Mann spazieren gegangen "und dann kam so ein Trupp von Frauen aus einer Pizzeria raus und die waren alle am Lachen und ich gucke die an und kenne die alle und begrüße die." Ihr Mann habe gefragt, wer das gewesen sei. "Und ich sagte: ‚Das ist meine Trauergruppe‘".

"Habe viel über mich gelernt"

Sie würde sich "in jedem Fall" wieder für dieses Ehrenamt entscheiden, betont Evelin Schmid. "Ich glaube, ich habe nirgends mehr gelernt - über mich, für mich - als in dieser Zeit, in der ich hier bin."

Deshalb nennt Schid die Trauerbegleitung auch eine Lebensbegleitung. "Wir hatten immer den Traum, dass Tod und Sterben nicht in dieser Negativecke sind, sondern in unser Leben kommen. Sie gehören dazu."

Und wenn sie merke, so Schmid, dass es den Menschen wieder besser geht, "also da ist so eine Freude in mir, dass ich sehe, sie können sich vielleicht wieder bisschen mehr dem Leben zuwenden". Dann wisse sie, "warum ich dieses Ehrenamt ausübe".

Talk mit Thees Johanna Klug (Sterbe- und Trauerbegleiterin)

„Das könnte ich nie“, das ist ein Satz, den Johanna Klug von vielen Menschen schon gehört hat. Denn sie macht da etwas, was sich viele nicht zutrauen würden. Sie begleitet sterbende Menschen und deren Zugehörige.
Erstaunlicherweise hat sie damit schon ziemlich früh angefangen. Während der Schulzeit hat sie in einem Altenheim gearbeitet. Später mit 20, dann bereits auf der Palli, wie sie liebevoll die Palliativstation nennt.
Es ist natürlich nie ein leichter Job. Aber es ist einer, aus dem sie sehr viel mitnimmt. Denn diese Begegnungen mit sterbenden Menschen sind ganz besondere. Sie erfährt dadurch mehr über das wirkliche Leben. Sie bezeichnet diese Begegnungen als bereichernd und energetisierend.
Ich freue mich besonders, dass wir mit ihr sprechen. Da das Thema Tod in unserer Gesellschaft immer noch Ein Tabu ist. Auch wenn wir mittlerweile wissen, dass es wichtig ist, sich schon zu lebt, Zeiten mit diesem Thema zu beschäftigen. Gerade in Familien, vor allem auch mit Kindern wird darüber möglichst nicht gesprochen. Es tut sich aber seit einiger Zeit etwas. Man spricht immer mehr drüber.
Johanna hat jetzt auch ihr zweites Buch geschrieben. Das heißt „liebe den ersten Tag vom Rest deines Lebens“. Dort erzählt sie Geschichten von Menschen, die sie begleitet hat oder auch immer noch begleitet und was sie selbst für ihr Leben davon mitgenommen hat.

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