SWR2 Wissen: Spezial | Das Tier und Wir (8/10)

Mit Tieren handeln

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Schweine, Schlangenhäute, Papageien, Bienenvölker – weltweit wird mit Tieren gehandelt. Es ist ein Milliardenmarkt, teils legal, teils illegal.

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Bei Hitze 29 Stunden im LKW durch Europa

Jedes Jahr werden rund zwei Milliarden Nutztiere ganz legal über eine Landesgrenze transportiert, drei Viertel davon durch Unternehmen in EU-Staaten. Allein Deutschland importiert jährlich mehr als eine halbe Million Rinder, 200 Millionen Hühner, Hähnchen, Puten und anderes Geflügel und weit über zwei Millionen Schweine. Dazu kommen ähnlich umfangreiche Exporte sowie Transporte zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und zu den Schlachthöfen im Inland.

Wie der Tierversand ablaufen sollte, das hat die EU in der sogenannten Tierschutztransportverordnung geregelt. Die schreibt zwar gewisse Mindeststandards und Kontrollen vor, doch Tierschutzverbände halten einen Großteil der Transporte trotzdem für Tierquälerei. So dürfen Rinder zum Beispiel ganz legal bei Außentemperaturen von 35 Grad 29 Stunden lang in einem LKW eingesperrt bleiben.

Und selbst diese Regeln werden oft nicht eingehalten. Es gebe systematische Versäumnisse bei der Durchsetzung der bestehenden Vorschriften, stellte Anfang 2022 ein Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments fest und forderte eine schnelle Verschärfung der Regeln und eine bessere Überwachung. Doch schon die Heraufsetzung des Mindestalters für den Transport von Kälbern von 14 auf 28 Tage führte zu heftigem Protest deutscher Bauernverbände. Denn landwirtschaftliche Betriebe sind zu hoch spezialisierten Gliedern globaler Lieferketten geworden.

Mit den Tieren reisen die Krankheiten

Wenn Nutztiere und ihre Produkte weltweit gehandelt werden, dann reisen auch Krankheiten mit. Schweinepest, Vogelgrippe, Rinderwahn – der globale Tierhandel hat die Verbreitung gefährlicher Viren und Parasiten beflügelt. Das gilt auch für eine Tierart, an die man dabei wahrscheinlich erst einmal nicht denkt: Bienen. Zusammen mit ihrem südafrikanischen Kollegen Robin Crewe hat die Biologin Dorothea Brückner von der Universität Bremen eine Weltkarte der Bienenvölkerwanderungen erstellt. Schwarze Pfeile zeigen den jeweils ersten Export.

"Der erste Pfeil ist mit dem Jahr 1622 beschriftet, ein Transport aus England nach Nordamerika. Die frühen Siedler aus England haben ihre Haustiere, die Honigbienen mitgenommen, um in der Neuen Welt Honig essen zu können. Denn in Nordamerika gab es keine Honigbienen. Dass sie heute aber auf allen Kontinenten, also auch in Australien und ganz Amerika vorkommen, ist menschengemacht."

In den vergangenen Jahrzehnten hat auch die Gegenrichtung zu den ursprünglichen Bienenexporten zugenommen. Dafür stehen rote Pfeile auf der Weltkarte.

"Es hat sich nämlich herausgestellt, dass zum Beispiel in Australien und Neuseeland sehr günstige Bedingungen für die Bienenzucht herrschen. Das hat dazu geführt, dass dort große Bienenzuchtbetriebe aufgebaut worden sind. Imker, Imkergenossenschaften oder auch Wissenschaftler aus aller Welt können dort zu günstigen Bedingungen Bienen bestellen."

Und damit tragen sie auch zur Verbreitung gefährlicher Krankheiten bei. Am bekanntesten: die Varroamilbe. Zehn bis 15 Prozent aller Bienenvölker fallen ihr jeden Winter zum Opfer, allein in Deutschland rund 150.000 im Jahr. Und das ist noch nicht einmal die größte Gefahr, sagt Marcus Bräunlich. Er arbeitet als Bienensachverständiger im Veterinärdienst.

"Der Kleine Beutenkäfer ist aus dem subsaharischen Raum übergesprungen nach Nordamerika, hat sich dort innerhalb von sechs bis acht Jahren etabliert. Und der Kleine Beutenkäfer ist ein Riesenproblem, weil er komplette Bienenvölker in kürzester Zeit zerstört."

Noch ist der Schädling hierzulande nicht angekommen, doch das kann sich schnell ändern. Denn in Italien verbreitet er sich bereits, und italienische Bienenzüchter werben im Internet mit besonders günstigen Preisen für Bienenvölker. An den Gesundheitszeugnissen, die jeden Export begleiten müssen, hat der Bienensachverständige große Zweifel. Denn die Tiere würden von den italienischen Behörden nur auf Sicht geprüft. Ein Käferchen unter 15.000 Bienen in einem 1,5 Kilo schweren Schwarm zu finden, sei praktisch unmöglich.

Illegaler Handel mit Arten, die vom Aussterben bedroht sind

Tiere sind keine Sachen. So steht es seit 1990 im Bürgerlichen Gesetzbuch. Doch noch immer werden sie gehandelt und transportiert als wären sie Sachen. Selbst vom Aussterben bedrohte Arten sind davon betroffen. Im Bundesamt für Naturschutz soll Franz Böhmer für die Durchsetzung der strengen Regeln des Washingtoner Artenschutzabkommens sorgen. 35.000 Tier- und Pflanzenarten stehen auf dessen Liste, sie dürfen nur mit einer Sondergenehmigung in die EU eingeführt werden.

"Alle Greifvögel sind geschützt, alle Orchideen sind geschützt, alle Kakteen sind geschützt."

Ebenso Löwen, Tiger, Nashörner, Papageien, Lamas, viele Haiarten, Korallen oder Bären. Allein am Frankfurter Flughafen hat der Zoll 2020 über 1.000 lebende Tiere und mehr als 4.000 Pflanzen beschlagnahmt, außerdem 70.000 Erzeugnisse von geschützten Arten. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Großteil des illegalen Handels mit geschützten Tierarten bleibt dem Zoll trotz aller Kontrollen verborgen. Es ist ein Milliardenmarkt. Dabei können Verstöße gegen das Artenschutzabkommen mit Freiheitsstrafe oder einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Doch die abschreckende Wirkung ist gering, denn der überwiegende Teil des illegalen Tierhandels wird inzwischen relativ anonym über das Internet abgewickelt und als Luftfracht verschickt. Franz Böhmer unterscheidet drei Käufertypen:

"Die eine Gruppe sind Leute wie Sie und ich. Keinen Gedanken darüber gemacht, ob es geschützt ist. Klassische Aussage ist: Ja, es war im Internet, das muss doch in Ordnung sein. Was häufig leider nicht stimmt. Daneben haben wir Sammler, die wissen, was sie tun, die eine ganz bestimmte Tier- oder Pflanzengruppe sammeln. Und dann haben wir natürlich auch die kommerziellen Sendungen. Die nehmen auch in Kauf, dass ein Teil der lebenden Tiere auf dem Transport verendet."

Denn der Rest, der überlebt, bringt genug Profit, um den Verlust der toten Tiere aufzuwiegen.

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