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Gemüse aus dem Hightech-Gewächshaus – Wie Holland die Agrarwirtschaft optimiert

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Max Rauner
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Ulrike Barwanietz / Candy Sauer

Aus holländischen Gewächshäusern kommen Tomaten und tropische Früchte: energiesparend und hocheffizient werden Gemüse und Obst hier angebaut.

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Holland: hocheffizienter Gemüseanbau statt Bauernhof-Romantik

Niemand holt aus so wenig Platz so viele Tomaten heraus wie die Niederlande: 50 Kilo im Jahr pro Quadratmeter. Spanien und Marokko schaffen nur neun Kilo.

Niederländische Firmen bauen die besten Gewächshäuser der Welt. Sie liefern schlüsselfertige Anlagen in die Ukraine, nach Kanada, nach Russland, Deutschland, Polen und sogar Nordkorea. Das ist keine Bauernhof-Romantik mehr, sondern hocheffizienter Gemüseanbau. Massenpflanzenhaltung.

Beste Öko-Bilanz: konventionelle Hollandtomaten

Eine niederländisch-australische Forschungsgruppe hat vier Anbaumethoden für Tomaten im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen verglichen: Hightech-Gewächshäuser in den Niederlanden sowie Folien-Gewächshäuser in Spanien – jeweils für ökologischen und konventionellen Anbau.

Die beste Bilanz hatte das holländische Hightech-Gewächshaus für Nicht-Bio-Tomaten. Es kam ebenso wie der Ökolandbau mit biologischer Schädlingsbekämpfung aus, vergeudete aber kaum Wasser und Nährstoffe. Biotomaten dagegen müssen in der Erde wachsen, was den Boden auszehren kann.

Avocados im Forschungsgewächshaus der Universität Wageningen in Bleiswijk (Foto: SWR, (c) Max Rauner)
Avocados im Forschungsgewächshaus der Universität Wageningen in Bleiswijk (c) Max Rauner

Greenhouse 2030: Gewächshaus der Zukunft steht in Bleiswijk

Frank Kempkes forscht für die Universität Wageningen am Gewächshaus der Zukunft. Es steht in Bleiswijk, Südholland. Greenhouse 2030 heißt das Projekt. Das ehrgeizige Ziel, so Kempkes:

  • den CO2-Ausstoß reduzieren
  • erneuerbare Energien nutzen
  • kein Abwasser und keine Nährstoffe in die Umwelt ableiten
  • Pflanzenschädlinge ohne Chemikalien bekämpfen

Kempkes Gewächshaus wurde speziell angefertigt, um in der Winterzeit die Nutzung des Lichtes zu optimieren. Möglichst jeder Lichtstrahl, der von draußen auf das Treibhaus trifft, soll die Pflanzen erreichen. Es gibt eine wichtige Faustregel: Ein Prozent mehr Licht bedeutet ein Prozent mehr Ernteertrag.

Einfache Strategien für mehr Licht und Wärme im Gewächshaus

Frank Kempkes und sein Team haben zunächst die Glasscheiben vergrößert. Um der Last des Windes zu trotzen, sind die neuen Glasscheiben dicker als gewöhnlich. Außerdem hat Kempkes das Gerüst des Treibhauses verändert: Alles ist mit einer weißen Schicht überzogen, um die Reflektion des Lichtes zu erhöhen. Und damit wurde das Ziel erreicht. Mehr als 80 Prozent des Tageslichts gelangen nun zu den Pflanzen.

Frank Kempkes, Uni Wageningen: Die Erdbeeren im Forschungsgewächshaus wachsen in Kopfhöhe, um die Ernte zu erleichtern (Foto: SWR, (c) Max Rauner)
Frank Kempkes, Uni Wageningen: Die Erdbeeren im Forschungsgewächshaus wachsen in Kopfhöhe, um die Ernte zu erleichtern (c) Max Rauner

Wenn es nachts kalt wird, zieht die automatische Steuerung einen isolierenden Stoff unter das Glasdach. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird, ähnlich wie in Nullenergiehäusern. Andere Pilotprojekte heizen mit Geothermie. Nur an sehr kalten Tagen muss Kempkes noch Erdgas verfeuern. Bis 2040 sollen alle niederländischen Gewächshäuser klimaneutral sein, wünscht die Regierung. Theoretisch möglich, sagt Frank Kempkes.

Alternative zu Pestiziden: Resistenzgene aus wilden Sorten

Doch die Hightech-Landwirtschaft steht vor einem Dilemma. Einerseits erzielt sie höchste Erträge auf wenig Platz. Andererseits bietet sie nicht nur den Menschen einen reichhaltig gedeckten Tisch, sondern auch Bakterien, Insekten und Pflanzenviren. Wie bekommt man die in den Griff, ohne tonnenweise Pestizide zu versprühen? Die Universität Wageningen setzt auf gentechnisch unterstützte Pflanzenzüchtung.

Die Wildtypen einer Pflanzenart sind die Sorten, die man in der freien Natur findet. In ihnen hoffen die niederländischen Forscher in Wageningen Gene zu finden, die die Pflanze resistent machen gegen bestimmte Krankheiten. Das Ziel ist es, diese Resistenzgene in das Genom kommerzieller Sorten einzukreuzen.

Die Vanilleschoten werden im Forschungsgewächshaus der Universität Wageningen in Bleiswijk werden von Hand bestäubt (Foto: SWR, (c) Max Rauner)
Die Vanilleschoten werden im Forschungsgewächshaus der Universität Wageningen in Bleiswijk werden von Hand bestäubt (c) Max Rauner

Ökolandwirtschaft und Gentechnik können sich ergänzen

Gentechnik wird oft als Gegensatz zur Ökolandwirtschaft betrachtet. Ein Fehler, sagen die Forschenden an der Universität Wageningen: Ökolandwirtschaft und die neue Gentechnik ergänzen sich. Laut Stand 2022 darf Crispr-Gemüse in Europa nicht kommerziell angebaut oder verkauft werden.

Grüne Gentechnik: EU-Kommission plant neues Regelwerk für 2023

Die EU-Kommission möchte das ändern und die Grüne Gentechnik jetzt neu sortieren. Kleinere Veränderungen im Genom mithilfe von Genome Editing könnten in Zukunft gleichgestellt werden mit konventionellen Züchtungsmethoden, bei denen man Pflanzen zum Beispiel mit UV-Licht bestrahlt, um Mutationen auszulösen. Im Jahr 2023 soll das neue Regelwerk fertig sein.

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