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Hausaufgaben im eigenen Kinderzimmer, knackende Videokonferenzen, unverständliche Lehrerstimmen aus dem Off, Eltern, die mit der Lehrerrolle überfordert sind - das alles wird zu vielen Lerndefiziten in Corona-Zeiten führen. Die sozialen Unterschiede werden sich verschärfen, Kinder aus bildungsfernen Schichten werden die Verlierer sein. Wie soll es nach den Pfingstferien und im kommenden Schuljahr weitergehen?
Antworten gibt die Journalistin und Bildungsexpertin Heike Schmoll.

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Ein Krisenkonzept fehlt

Die Mehrheit der Schulen hatte kein Gesamtkonzept, das die Versorgung ihrer Schüler mit Lernangeboten für die Zeit der Schulschließung sicherstellte. Das berichten Lehrer in einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland. Nur ein Drittel der Lehrer findet, dass ihre Schule gut auf die neue Situation vorbereitet war. In den Gymnasien waren nahezu die Hälfte der Lehrer der Meinung, dass ihre Schule gut vorbereitet war. An den Grundschulen waren es nur 18,3. Ein Viertel der Lehrer war bei der Umsetzung der Unterrichtsinhalte während der Krisenzeit auf sich allein gestellt.

Für die Zeit nach den Schulschließungen wünschen sich die Lehrer vor allem, Lücken zu schließen und Gelerntes zu wiederholen, Niveauunterschiede auszugleichen und sich besonders um schwächere Schüler zu kümmern.

Schülerinnen ud Schüler haben das Lernen verlernt

Es wird genügend Schüler geben, die das Lernen einfach wieder verlernt haben. Man kennt diesen Effekt aus Ländern, deren Sommerferien drei Monate dauern. Dort ist der Lernverlust über den Sommer dokumentiert und gut untersucht. Lernen muss man langfristig lernen und man kann es ganz schnell wieder verlernen. Es ist damit zu rechnen, dass längst nicht alle Schüler einfach so weiterlernen können, wie sie es vielleicht vorher schafften.

Selbst die Oberstufenschüler haben einer Befragung zufolge weniger gearbeitet als in pandemiefreien Zeiten: Während der Schulschließungen gaben 37 Prozent der Schüler der letzten beiden Gymnasialklassen in acht Bundesländern an, weniger als zwei Stunden mit schulbezogenen Tätigkeiten zu verbringen, 27 Prozent machten wenigstens vier Stunden lang etwas für die Schule. Doch selbst das entspricht nicht annähernd einem Schultag mit Hausaufgaben.

Die Verlierer der Krise

Die sozial bedingten Leistungsunterschiede werden sich extrem verschärfen. Kinder mit einem Elternteil zu Hause, der den Tag strukturiert, das Lernen anleitet und darauf achtet, dass nicht alle zehn Minuten im Kinderzimmer etwas anderes gemacht wird, weil die Verlockungen so vielfältig sind, haben eine ungleich bessere Ausgangsposition als die Schüler, an deren Ausstattung es schon hapert. Es gibt sie nämlich, die Kinder und Jugendlichen vor allem in eingewanderten Familien, aber auch in deutschen Familien, die beengt wohnen, kein eigenes Zimmer haben und häufig nur über ein Smartphone verfügen: Weder Drucker, Computer, Laptop noch Tablet sind vorhanden.

Analoger Unterricht ist nicht zu ersetzen

Zugleich aber hat die Krise auch gezeigt, dass analoger Unterricht eben durch nichts zu ersetzen ist. Das reale Kooperieren von Schülern und Lehrern beim Lernen, Reflektieren, gemeinsamen Nachdenken und Erobern neuer Wissenshorizonte kann sich nur im realen Unterrichtsgeschehen entwickeln. Aufmerksame Schüler haben in diesen Wochen des eigenständigen Lernens gemerkt, wie viel durch guten Unterricht hängen bleibt. All das fiel nun weg und musste selbst erarbeitet werden. Unterricht hatte von nun an ausschließlich den Charakter von Hausaufgaben. Von Wiederholung und Übung in Variationen, vom spielerischen Abfragen von Vokabeln, Konversation in der Fremdsprache und anderem abgesehen.

Nicht wenige Eltern haben zum ersten Mal gesehen, was Lehrer eigentlich leisten und es bleibt zu hoffen, dass sie sich auch nach der Corona-Pandemie noch daran erinnern.

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