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Von Roland Kunz

1983 sorgte ihre Verpflichtung bei den Berliner Philharmonikern - damals noch Männerdomäne - zum Eclat. Die Ausnahme-Klarinettistin Sabine Meyer entschied sich für die Solokarriere, bleibt aber auch ihrer Leidenschaft zur Kammermusik bis heute treu. Mit ihrem kürzlich verstorbenen Bruder Wolfgang Meyer und ihrem Ehemann musizierte sie jahrzehntelang als „Trio di Clarone“. Jetzt wird die gebürtige Crailsheimerin 60 Jahre alt.

Das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten kommt

„Man sagt ja, dass die Klarinette der menschlichen Stimme am nächsten kommt“, beschreibt Sabine Meyer die Begeisterung für ihr Instrument. „Sie kann mühelos leise spielen und hat ein powervolles Forte. Deswegen wird sie überall eingesetzt, ob in der Volksmusik, im Klezmer, im Jazz.“

Jazz spielte Sabine Meyer vor allem auch mit ihrem geliebten Bruder und Ensemblepartner Wolfgang, der vor wenigen Wochen nach längerer Krankheit gestorben ist.

Die Klarinette - als Soloinstrument lange unterschätzt

Mit acht „Echo Klassik“-Auszeichnungen und vielen weiteren Preisen wurden die Leistungen der Klarinettistin Sabine Meyer gewürdigt. Darüber hinaus ist sie eine Künstlerin, der es mit zu verdanken ist, dass die Klarinette - ein lange unterschätztes Soloinstrument - das Konzertpodium zurückerobert hat. Davon zeugen zahlreiche Aufnahmen von konzertanten und kammermusikalischen Werken.

Orchester-Verpflichtungen, die Wellen schlugen

Sabine Meyer hatte einen spektakulären Werdegang, wobei nicht nur ihre Solo-Verpflichtung beim Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks weltweit Aufsehen erregte.

Die Verpflichtung bei den Berliner Philharmonikern 1983 wurde weltweit mit 340.000 Presseeinträgen kommentiert. Damals brach sie in die Männerdomäne der Berliner Philharmoniker ein - und sorgte im Haus für einen Eclat.

Nur Solist sein – auf der Klarinette nicht erstrebenswert

Sie möchte aber diese „olle Kamelle“ auch an ihrem 60. Geburtstag nicht mehr aufwärmen. Sehr schnell verließ sie das Orchester wieder - um als gefragte Konzertsolistin die internationalen Konzertsäle zu bereisen. Sie ging mit eigenen Ensembles ihren Weg.

„Orchester spielen ist für einen Klarinettisten das Wichtigste und das Schönste. Die Literatur der Klarinette liegt in der Kammermusik und natürlich im Orchester“, sagt Sabine Meyer. „Es gibt zwar ein paar geniale und unglaublich tolle Solokonzerte, aber nur Solist zu sein ist auf der Klarinette nicht so erstrebenswert.“

Mozarts Klarinettenkonzert – Sabine Meyers Leib- und Seelenstück

Das „Trio di Clarone“, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Bruder musizierte, war über 30 Jahre ein wichtiger Teil von Sabine Meyers musikalischer Heimat.

Auch das „Bläserensemble Sabine Meyer“ - lauter „Alphatiere“, wie die gebürtige Crailsheimerin scherzhaft bemerkt, - ist ein Zentrum intensiver musikalischer Kreativität und Auseinandersetzung.

Mozarts Klarinettenkonzert ist Sabine Meyers Paradepartie, ihr Leib- und Seelenstück. „Ich habe es wirklich oft gespielt, aber es ist nie Routine geworden. Ich habe bis heute das Gefühl, dass ich auf die Bühne gehe und es zum ersten Mal spiele.“

Musikstück der Woche (Archiv) mit Sabine Meyer:

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