Online-Aktion dokumentiert Sexismus in Frankreichs Klassikszene sexisme ordinaire

Eine Webseite bringt seit Jahresbeginn neuen Schwung in die #metoo-Debatte in der französischen Klassik-Szene. Musikerinnern schreiben hier anonym über täglichen Verbal-Sexismus im Klassikbetrieb.

Webseite paye ta note (Foto: SWR, https://payetanote.com/ - Screeshot)
Kein digitaler Pranger, da anonym: die französische Webseite payetanote.com (auf deutsch Zahle Deine Rechnung) https://payetanote.com/ - Screeshot

"Bravo, das klingt überhaupt nicht weiblich!". So beschreibt ein Musiker das Werk einer Komponistin. Ein Beispiel für mittlerweile mehrere Dutzend Belege von Frauen, die den alltäglichen Sexismus in der klassischen Musikwelt auf der Webseite payetanote.com dokumentieren. Seit dem 7. Januar ist die Seite nun im Netz und hat in nur wenigen Tagen bereits mehr als siebzig Zeugnisse anonymer Frauen gesammelt, die den bestehenden Sexismus in ihrer Branche anprangern. Auch die Musikerin und Initiatorin der Webseite will anonym blieben, da sie nicht in der Szene "gegrillt" werden möchte, wie sie dem Sender "France Musique" erklärte.

Die Betreiberin will den diskreten Sexismus deutlich machen, der fast unsichtbar, durch herablassende Gesten und beiläufige Äußerungen, allgegenwärtig ist und damit das weitverbreite Schweigen brechen. Und sie möchte auch den Musikerinnen Hilfestellungen geben, die in ihrem Orchester und in ihrer Berufswelt Sexismus begegnen. Auf der Webseite soll daher noch ein Bereich mit umfangreichen Informationen entstehen, um die richtigen rechtlichen oder administrative Schritte gegen den Alltagssexismus in der Klassik zu unternehmen.

In der Musikbranche fehlen Frauen in Führungspositionen

Die Schuld und die Gründe für das bisherige Dulden sexistischer Äußerungen sind für die Betreiberin klar: Es gibt zu wenig Frauen in verantwortungsvollen Positionen und damit mit Vorbildfunktion. „Wenn wir mehr Ausgewogenheit hätten, würden weniger unter dieser 'Omerta' leiden. Eine Frau mit Personalverantwortung schaut weniger auf die Brüste einer Künstlerin." Nach Angaben von "France Musique" werden derzeit nur vier der 28 Opernhäuser Frankreichs von Frauen geführt.

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