Musikstück der Woche

Matilda Lloyd spielt Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert E-Dur

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Für Trompeter ist es so etwas wie Schillers „Räuber“ für Deutsch-Abiturienten: das berühmte Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel. Ein Standardwerk bei Hochschul-Prüfungen – jeder darf (oder muss) es mal spielen.

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Die Klappentrompete: eine Revolution

Das Trompetenspiel für immer verändern – das ist das Ziel des Wiener Trompeters Anton Weidinger, als er gegen Ende des 18. Jahrhunderts an seinem Instrument herumbastelt. Seine Idee: Durch eine Konstruktion mit neuartigen „Klappen“ will er die Trompete in die Lage versetzen, auf mechanische Weise chromatische Tonfolgen zu erzeugen.

Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle Töne durch Mundbewegungen erzeugt werden, einige kann man schlicht nicht spielen. Jetzt erwischt man zum ersten Mal relativ bequem alle Töne einer Tonleiter. Weidinger ist nicht der Erste, der dieses Experiment wagt – doch er ist der Erste, dem es gelingt. Zwar verliert die Trompete durch die neue Konstruktion ein wenig ihren durchdringenden Klang, doch plötzlich sind Melodien spielbar, die vorher nicht oder nur schwer zu erzeugen sind.

Auf modifiziertes Instrument folgen neue Kompositionen

Um seine neue Erfindung einer möglichst breiten Öffentlichkeit vorzuführen, gibt Weidinger bei mehreren Komponisten Trompetenkonzerte in Auftrag. So schreibt Joseph Haydn ein Konzert für Klappentrompete in Es-Dur und auch Johann Nepomuk Hummel komponiert. Allerdings in E-Dur; Weidinger hat vermutlich zu dieser Zeit bereits ein neueres Trompetenmodell entwickelt – E-Dur mit seinen vier Kreuzen ist damals absolutes Neuland für Trompeten.

Die PR-Arbeit um Weidingers neue Trompetenkonstruktion jedenfalls gelingt kurzzeitig: Die neuen Kompositionen für die Klappentrompete stehen hoch im Kurs, und die Klappentrompete selbst bleibt einige Jahre das Maß aller Trompeten-Dinge, ehe sie um die 1830er Jahre langsam von der noch heute gebräuchlichen Ventiltrompete ersetzt wird.

Hummels Trompetenkonzert wird besonders beliebt

Hummels Trompetenkonzert in E-Dur (übrigens in heutigen Aufführungen häufig transponiert nach Es-Dur, um die Verwirrung komplett zu machen) zählt bis heute zu den meistgespielten Trompetenwerken überhaupt und hat als Prüfstück für Hochschulabsolventen im Fach Trompete schon so manchen Musikhochschul-Konzertsaal gesehen.

Matilda Lloyd und die Deutsche Radio Philharmonie

Interpretin unseres Musikstücks der Woche ist die Britin Matilda Lloyd. Die Gewinnerin des BBC Young Musician of the Year Brass final von 2014 ist gerade einmal 24 Jahre alt und gilt als Shooting Star auf ihrem Gebiet.

Aufgenommen wurde das Stück am 29. Februar und 1. März 2020 in der Stadthalle Dillingen und der Fruchthalle Kaiserslautern – live und mit Publikum. Ohnehin führte die Konzertsaison 2019/20 einmal um die Welt. Bevor Corona ihre Tournee stoppte, trat Lloyd unter anderem mit den Oklahoma City Philharmonic, Johannesburg Philharmonic und der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern auf.

Musikstück der Woche mit SWR2 New Talent Simon Höfele Albinoni: Trompetenfassung von Oboenkonzert

Feine Melancholie und Trompetenglanz gehen in dieser entdeckenswerten Rarität von Tomaso Albinoni wunderbar zusammen. Solist ist unser begehrtes SWR2 New Talent Simon Höfele.  mehr...

Gespräch Der Trompeter Rüdiger Baldauf und sein Album „Strawberry Fields“

Rüdiger Baldauf bewegt sich gerne grenzüberschreitend zwischen den Genres. Ausgebildet als klassischer Musiker, war der Jazz bereits seine frühe Leidenschaft - aber auch Pop, Funk und Rock haben ihn immer wieder begleitet. Diese Offenheit zeigt sich positiv auf seinem jüngsten Album „Strawberry Fields“, eine Hommage an die Beatles. Zusammen mit seiner Band und Gastmusikern wie Max Mutzke verneigt er sich vor den vier Pilzköpfen und schafft zugleich unverwechselbare, eigene Klangwelten und Stimmungen. Rüdiger Baldauf, der am 31. Januar 60 wird, hat in seinem Leben in renommierten Bands gespielt und mit Superstars wie Jamie Cullum, Ray Charles, Lionel Richie und Seal auf der Bühne gestanden. Seit zehn Jahren geht er nun seinen ganz persönlichen künstlerischen Weg. In SWR2 erzählt er, warum.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

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