Musikstück der Woche

Barbara Strozzis Kantate „Hor che Apollo“ mit Eva Zaïcik und Le Consort

STAND
AUTOR/IN
Christiana Nobach

Barbara Strozzi war Mitte des 17. Jahrhunderts in Italien eine der wichtigsten und profiliertesten Komponistinnen, vor allem von weltlicher Vokalmusik. Sie galt zudem als besonders produktiv: Niemand soll im 17. Jahrhundert mehr weltliche Vokalmusik in Venedig geschrieben haben als sie.

Audio herunterladen (27 MB | MP3)

Barbara Strozzi war nicht nur eine produktive Komponistin, sie war zudem bekannt für ihre hervorragende Sopranstimme und begleitete sich selbst auf der Gambe. Als zunächst illegitime Tochter von Giulio Strozzi, der aus einem alten florentinischen Patriziergeschlecht stammte und sie später adoptierte, wuchs Barbara in dessen Haushalt auf und kam schon im Kindesalter mit venezianischen Intellektuellen, Dichtern, Komponisten und Musikern zusammen.

Ab 1634 trat sie auch bei den in Strozzis Haus veranstalteten Soireen auf. In der Folge entstanden zahlreiche Kompositionen von angesehenen Musikern der Accademia degli Incogniti für ihre ausgezeichnete Sopranstimme, die ihr auch gewidmet sind.

Auf musikalische Darbietungen spezialisierte Kurtisane

Im libertinären Zirkel von Akademikern und Musikern herrschte ein eher freizügiges Liebesleben, das Barbara Strozzi mehrere illegitime Kinder bescherte, die väterlicherseits nicht anerkannt wurden. Als Sopranistin trat sie nach der Geburt ihrer Kinder jedenfalls nicht mehr auf.

Wann Barbara Strozzi mit dem Komponieren angefangen und ob sie bereits für die genannten Soireen Werke beigesteuert hat, ist unklar. Über einen Zeitraum von ein paar Jahren scheint sie jedoch Kompositionsunterricht von Francesco Cavalli erhalten zu haben.

Werke für die seit den 1630er-Jahren aufstrebende venezianische Oper sind allerdings nicht nachzuweisen. So ist davon auszugehen, dass sie über viele Jahre das Leben einer auf musikalische Darbietungen spezialisierten Kurtisane führen musste.

Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen war sie aber in der Lage, vor allem in den 1650er-Jahren ihre Kompositionen, überwiegend einstimmige Werke für Sopran und Basso continuo, in rascher Folge hintereinander drucken zu lassen.

Persönlicher Stil und hohe Qualität

Anders als die Komponistinnen ihrer Zeit war Barbara Strozzi also in der Lage, ein umfangreiches Werk zu veröffentlichen, das sowohl von sehr persönlichem Stil als auch von hoher kompositorischer Qualität geprägt war.

Bei der musikalischen Umsetzung der Textvorlagen der später entstandenen weltlichen Drucke sucht sie nach neuartigen und unkonventionellen formalen Lösungen, die affektbetonten Wortausdeutungen sind oft dramatisch zugespitzt, hier bedient sie sich moderner Techniken und Stilmittel, die auch von anderen Komponisten entwickelt wurden.

Ihre Serenata „Hor che Apollo è a Theti in seno“ aus den Arie op. 8, gedruckt 1659, überrascht den Zuhörer bis heute durch die verfeinerte Raffinesse in der Sprachumsetzung und einen am Wortausdruck orientierten intensiven Ausdruck.

Video-on-Demand Schlosskonzert Ettlingen: Eva Zaïcik und Le Consort in der ARD Mediathek

SWR2 Alte Musik Wild, stark, mutig: Die Komponistin Barbara Strozzi

Von Doris Blaich  mehr...

SWR2 Alte Musik SWR2

Musik Barbara Strozzi – Komponistin und Kurtisane im barocken Venedig

Barbara Strozzi (1619 - 1677) sang sich mit ihrem Sopran aus dem gesellschaftlichen Morast, redete sich an die Spitze von Venedigs Gelehrtenzirkeln und stand in der ersten Reihe der Venezianischen Komponisten. Vor 400 Jahren wurde sie geboren.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN
Christiana Nobach