Musikstück der Woche vom 27.7. bis 2.8.2009

Die Mittlere aus der Mitte des Schaffens

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Ludwig van Beethovens dritte Violoncellosonate entstand zwischen der Schicksalssinfonie und der "Pastorale".

Der Berliner Cellist Alban Gerhardt und sein britischer Klavierpartner Steven Osborne spielten diese Sonate A-Dur op. 69 bei ihrem Bruchsaler Schlosskonzert am 28. Januar 2007.

dfg

Ein Freiherr, ein verpatze Hochzeit und Tränen

Vom Widmungsträger dieser Sonate soll zunächst die Rede sein: Freiherr Ignaz von Gleichenstein. Beethoven freundete sich mit ihm an, denn er war ein versierter Dilettant auf dem Cello, aber auch ein Mann, der Beethoven in gesellschaftlichen Fragen beraten konnte. In der Zeit, als die Sonate op. 69 entstand, regelte Freiherr von Gleichenstein Beethovens Pension von einer Gruppe von Mäzenen. Doch Beethoven und den Freiherrn verband noch etwas anderes, nämlich die Schwestern Anna und Therese Malfatti. Beide umwarben die jungen Frauen, und als der Freiherr 1811 eine der Schwestern heiratete, kündigte ihm Beethoven die Freundschaft. Im Autograph der Sonate stehen die Worte „Inter lacrymas et luctus“, also „Unter Tränen und Kummer“, wovon zwar im Werk kaum etwas zu hören ist, was aber wohl auf biographische Dinge Rückschlüsse lässt. Ob dies mit Freiherr von Gleichenstein in Verbindung steht oder mit der Tatsache, dass Beethoven bereits fast taub war, lässt sich nur vermuten.

Beethoven schrieb seine dritte Sonate für Violoncello zwischen 1807 und 1808, in jener Zeit also, als er an seiner fünften Sinfonie komponierte. Musikalisch steht allerdings diese Sonate, die die beliebteste von Beethovens insgesamt 5 Sonaten für diese Besetzung ist, der sechsten Sinfonie – der „Pastorale“ - näher, die ebenfalls in dieser Zeit entstand. Die mittlere von Beethovens Violoncello-Sonaten ist damit ein Werk, dass aus der mittleren, extrem fruchtbaren und produktiven Schaffenszeit stammt. Als op. 69 schließlich 1809 erschien, wimmelte es im Druck von Stichfehlern. Bereits die Opuszahl war mit 59 falsch geschrieben, und die Fehler in den Noten konnten erst bei einer späteren Auflage korrigiert werden, was Beethoven sehr ärgerte. Da op. 69 zwar die formal ausladendste seiner Violoncello-Sonaten ist, gleichzeitig aber auch die melodischste, hatte sie von Beginn an großen Erfolg beim Publikum.

Alban Gerhard und Steven Osborne

"Auch wenn sein Haaraufsässig wirkt, ist er ein Muster von musikalischer Aufrichtigkeit und Charisma. Und sein Spiel ist lupenrein, sprechend und entspannt…Eine edle Interpretation!" schrieb die Los Angeles Times über Alban Gerhard.

Nach frühen Wettbewerbserfolgen und seinem Debüt als 21jähriger bei den Berliner Philharmonikern begann Alban Gerhards internationale Karriere, die ihn inzwischen international zu über 160 verschiedenen Orchestern geführt hat. Trotz seiner intensiven solistischen Tätigkeit spielt Kammermusik im Schaffen des Boris Pergamenschikow-Schülers Alban Gerhardt eine wichtige Rolle: Bei internationalen Festivals wie den Londoner Proms und dem Edinburgh Festival und in renommierten Sälen wie der Wigmore Hall in London, der Berliner Philharmonie, der Suntory Hall in Tokio und dem Pariser Chatelet musiziert Alban Gerhard regelmäßig. Auch bei den Bruchsaler und Ettlinger Schlosskonzerten gastierte er bereits mehrfach.

Alban Gerhardt musiziert seit vielen Jahren gemeinsam mit Steven Osborne. Der 1971 in Schottland geborenen Pianist machte 1991 durch seinen Erfolg beim Clara Haskil-Wettbewerb international erstmals auf sich aufmerksam und konzertiert seither erfolgreich auf der ganzen Welt. 

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