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An der Schwelle zum 20. Jahrhundert entstand das einzige Violinkonzert von Alexander Glasunow. Bis heute hat es sich als eines seiner beliebtesten Werke im Repertoire erhalten. Immerhin verbindet es Brillanz und Farbigkeit auf beeindruckende Weise. Unser SWR2 Musikstück der Woche interpretiert die kanadisch-amerikanische Geigerin Maia Cabeza. Begleitet wird sie von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Kerem Hasan.

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Als Alexander Glasunow im Jahr 1904 die Partitur zu seinem Violinkonzert niederschrieb, war er als Musiker bereits fest etabliert. Spätestens seit seinem Debüt als Dirigent im Jahr 1887 galt Glasunow als eine Größe des russischen Musiklebens. Dieses repräsentierte er als einer der Protagonisten auf der berühmten Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 bei so genannten „Russischen Konzerten“. Zehn Jahre später wurde er Professor am Konservatorium von Sankt Petersburg.

Scheinbar endloser Gesang

Als Komponist verband Glasunow verschiedene Einflüsse, darunter Brillanz und Virtuosität, aber auch Folkloristik und eine gewisse „schwärmerische Weite“. Das lässt sich auch in seinem Violinkonzert erkennen. Das Werk wirkt rein äußerlich wie aus einem Guss, die Pausen zwischen den Sätzen fehlen.

Nur ein kurzer Impuls des Orchesters ist nötig, bevor die Solostimme zu einem scheinbar endlosen Gesang anhebt. Der musikalische Hintergrund ist stets mit schillernden, meisterhaft orchestrierten Klangfarben koloriert. Viele Temposchwankungen verleihen der Musik etwas „Improvisiertes“, auch wenn natürlich jede einzelne Note genau vom Komponisten notiert ist.

Zu den eindringlichsten Stellen gehört das Hauptthema des „Andante sostenuto“ – eine wehmütige, dunkle Kantilene, die umfassend harmonisch und melodisch ausgeschmückt wird. Nach der virtuosen Kadenz der Sologeige folgt ein extrovertiertes, zwischen Tanz und Vorwärtsstürmen oszillierendes Rondo. Es ist voller spieltechnischer Finessen wie Akkordbrechungen, Flageoletttönen, Trillern und Tremoli.

Internationaler Erfolg – bis heute

Glasunow schrieb sein einziges Violinkonzert für einen seiner geschätzten Kollegen, den Violinvirtuosen Leopold Auer. Dieser führte das Werk am 19. Februar 1905 unter Leitung des Komponisten auf. Mehrere Schüler Auers brachten das Konzert in die Welt, unter anderem nach England und in die USA, wo es weiter an Popularität gewann.

Auch Nathan Milstein oder Jascha Heifetz nahmen es in ihr Repertoire auf. Neben dem Violinkonzert von Jean Sibelius gilt es heute als eines der populärsten Konzerte vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

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