Opernkritik Entstaubte Operette: "Märchen im Grand-Hotel" in Mainz

Opernkritik Entstaubte Operette: "Märchen im Grand-Hotel" in Mainz

Märchen in Grand-Hotel (Foto: Pressestelle, Andreas Etter -)
Er hat die Kassenschlager unserer Großeltern komponiert: Paul Abraham. Das Regie-Duo Peter Jordan und Leonhard Koppelmann hat Abrahams Operette "Märchen im Grand-Hotel" für das Staatstheater Mainz neu in Szene gesetzt. Ursula Böhmer hat sich die Premiere am 25.11. angesehen. Pressestelle Andreas Etter -
Klingt zunächst nach großem Drama, was das hervorragend aufgelegte Philharmonische Staatsorchester unter Dirigent Samuel Hogarth im Mainzer Orchestergraben einläutet – bis kurz darauf ein Männer-Gesangsquartett ganz andere Töne anstimmt: Schunkelnde Rumba-Rhythmen. Das Gesangs-Quartett singt hier ohne Text, nur auf Vokalen. Im Bild: Gesangsquartett und Jennifer Panara (oben), Johannes Mayer, Anika Baumann und Lorenz Klee (vorne v.l.n.r.). Pressestelle Andreas Etter -
Paul Abraham hat das Männer-Gesangsquartett in seiner Operette "Märchen im Grand-Hotel" als zusätzliche Orchester-Klangfarbe eingesetzt. Bei der Uraufführung 1934 in Wien saßen die Sänger daher unten mit im Graben. Im Staatstheater Mainz stehen sie jetzt im Frack, wie die Comedian Harmonists mit auf der Bühne. Im Bild: Jennifer Panara (l.) und Johannes Mayer (r.). Pressestelle Andreas Etter -
Nini Stadlmann singt sich in Fransenkleid und Stirnband durch die Operette – und legt en passant so manch grandiose Stepptanznummer hin. Im Bild v.l.n.r.: Nini Stadlmann, Johannes Mayer und Henner Momann. Pressestelle Andreas Etter -
Stadlmann spielt hier die quirlige Marylou Makintosh, die Tochter eines Hollywood-Filmmoguls. Dessen Geschäft ist gerade auf Talfahrt: Ein neuer Kino-Kassenschlager muss schleunigst her. Marylou hat die rettende Idee: Eine Art Reality-Film über Europas Adelige, gespielt von Europas Adeligen. Im französischen Cannes findet sie die potenziellen Darsteller schließlich. Im Bild: Johannes Mayer (l.) und Nini Stadlmann (r.). Pressestelle Andreas Etter -
Im Grand-Hotel von Cannes logiert gerade die spanische Infantin Isabella samt Verlobtem und einigen Günstlingen. Die brillante Sopranistin Jennifer Panara trauert als ebenso versnobte wie verarmte Infantin im pinken Schleppen-Kleid und Diadem alten Zeiten nach. Bis sie sich in einen von ganz unten verliebt: Michael Dahmen zieht als Hotel-Kellner Albert mit seiner Samtstimme aber auch alle Register … Im Bild v.l.n.r.: Jennifer Panara, Johannes Mayer und Michael Dahmen. Pressestelle Andreas Etter -
Als notorisch ungeschickter Tölpel sorgt Michael Dahmen als Albert hier zudem für viel Slapstick – verschüttet Mokka-Tassen, landet mit der Infantin wahlweise in der Badewanne, wahlweise im Himmelbett. Ihr Verlobter nimmt’s gelassen – denn er hat längst ein Auge auf Filmmacherin Marylou geworfen. Im Bild v.l.n.r.: Jennifer Panara (l.) und Michael Dahmen (r.). Pressestelle Andreas Etter -
Kurzum: "Märchen im Grand-Hotel" ist eine charmante, muntere Operetten-Klamotte der alten Schule. Das könnte verstaubt wirken. Doch das bewährte Regie-Duo Peter Jordan und Leonhard Koppelmann lässt in Mainz erst gar keinen Staub ansetzen: Weil hier alles letztlich nur schöner Schein ist, findet der Plot zwischen rohen Spanholz-Kulissenwänden statt. Auf die Wände werden Bilder einer Hotellobby im Art Deco-Stil projiziert. Davor ziehen Bühnenarbeiter immer wieder Podeste mit Treppenaufgängen oder Sitzgarnituren herein. Pressestelle Andreas Etter -
Parallel läuft über der Bühne Marylous schließlich fertig gedrehter Hollywood-Film ab – mit dazu montierten Anleihen aus dem echten Kino-Klassiker „Ben Hur“. Das ist alles gut gemacht – ist manchmal aber ein bisschen des Guten zuviel. Dennoch: Für sektlaunige Unterhaltung ist in jedem Fall gesorgt.Die nächste Vorstellung ist am 3. Dezember um 19.30 Uhr.Im Bild: Daniel Friedl (l.) und Murat Yeginer (r.). Pressestelle Andreas Etter -
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