Kulturpolitik und Sponsoring Ölscheichs an Mailänder Scala unerwünscht

Opernhäuser sind immer auf der Suche nach Sponsoren. Die Mailänder Scala war in Saudi-Arabien fündig geworden. Die moralische Empörung war allerdings zu groß. Es folgt der Ausstieg vom Einstieg.

Prince Badr bin Abdullah bin Mohammed bin Farhan Al Saud (Foto: SWR, picture-alliance / Reportdienste - Valery Sharifulin)
Wird nun doch nicht im Aufsichtsrat der Mailänder Scala sitzen: Prinz Badr bin Abdullah bin Mohammed bin Farhan Al Saud, Kulturminister Saudi-Arabiens picture-alliance / Reportdienste - Valery Sharifulin

Der Plan Saudi-Arabiens, die Mailänder Scala finanziell zu unterstützen und dafür einen Sitz im Aufsichtsrat der Oper zu erhalten, ist vom Tisch. Nach Angaben italienischer Nachrichtenagenturen ist die Entscheidung nach einer Aufsichtsratssitzung des Opernhauses am Montag, 18. März, gefallen. „Wir geben den Saudis das Geld zurück. Wir werden sehen, ob es andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt“, sagte Mailands Bürgermeister Vorsitzender des Aufsichtsrats Giuseppe Sala.

Italiens Parteien hatten sich über die Parteigrenzen hinweg gegen den Einstieg Saudi-Arabiens in den Scala-Aufsichtsrat und die Partnerschaft mit Saudi-Arabien gewehrt, womit Finanzierungen von 15 Millionen Euro in fünf Jahren verbunden gewesen wären. Italiens Innenminister und Lega Nord-Chef Matteo Salvini hatte sich deswegen auch persönlich mit Scala-Intendant Alexander Pereira getroffen. Bisher sollen bereits 3,1 Millionen Euro geflossen seien, die nun zurückgegeben werden sollen.

"Wir können es uns absolut nicht erlauben, dass eines der prestigeträchtigsten Symbole Mailands mit einem Land zusammenarbeitet, das täglich die Menschenrechte und die Freiheit mit Füßen tritt", erklärte zuvor der sozialdemokratische Europaabgeordnete Antonio Panzeri. Der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana (Lega Nord), sprach von einem "fast heiligen" Status der Scala. "Man kann Produkte der Scala verkaufen, aber man kann nicht gleich die Scala selbst verkaufen", sagte er der Zeitung "Corriere della Sera".

Saudische Investitionen lieber in Italien statt in Frankreich

Der Intendant der Mailänder Oper, der Österreicher Alexander Pereira, konnte die Aufregung allerdings nicht verstehen. Es sei ein positives Zeichen, wenn sich ein Land öffne, das sich 40 Jahre der Kultur verschlossen habe, sagte er der Zeitung "La Repubblica". Er habe den Fall Khashoggi verfolgt und er wisse sehr gut, dass das saudische Regime "despotisch" sei. Er sei aber von der "positiven Kraft der Musik" überzeugt. Und wenn die Scala das Geld nicht nehme, würde es jemand anderes tun - Frankreich nämlich.
Im November 2017 wurde der Louvre Abu Dhabi eröffnet, für dessen Namen und Leihgaben das Golfemirat knapp eine Milliarde Euro an Frankreich bezahlte.

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