Bossa Nova-Erfinder João Gilberto zwangsgeräumt und pleite Armut trotz Weltruhm

Vor 60 Jahren wurde in Rio de Janeiro der Bossa Nova geboren. João Gilberto, der Erfinder der Musik im Schlafrock, ist zum Jubiläum zwar unvergessen aber in die Altersarmut abgestürzt.

brasilianische Musiker Joao Gilbert (Foto: SWR, picture-alliance / dpa - Marcos_Hermes_/_Divulgacion_/_Ho)
Der verarmte Vater des Bossa Nova - João Gilberto, hier 2008 bei einem Auftritt in Sao Paulo, Brasilien picture-alliance / dpa - Marcos_Hermes_/_Divulgacion_/_Ho

Anfang Juli 1958 nahm João Gilberto in den Odeon-Studios in Rio Janeiro seine Single "Chega de Saudade" (Schluss mit der Sehnsucht) auf. Mit seinem synkopischen Gitarrezupfen und seinem nasalen Flüster-Singsang prägte er die neue sensationelle Stilrichtung "Bossa Nova", umgangssprachlich für "der neueste Schrei". Davor saß er angeblich jahrelang depressiv im Pyjama in seinem Badezimmer, bis er dort jenen neuartigen Sound entdeckte, den er 1958 den verblüfften Kollegen präsentierte. Sechs Jahrzehnte später wurde der zurückgezogen lebende Musiker in Rio nun zwangsweise wegen Mietrückstände aus seiner Wohnung verwiesen. Nach Angaben seiner ältesten Tochter Bebel ist João (*1931) komplett mittellos.

Womit alles begann: Chega de Saudade

Die Gier einer jungen Managerin

Schuld für die finanzielle Misere ist laut seiner Familie seine junge Managerin und Mutter einer gemeinsamen Tochter im Teenageralter. Sie soll seine Konten geplündert und 2011 Verträge über eine Fünf-Städte-Tour abgeschlossen und Vorschüsse in Millionenhöhe kassiert haben, obwohl der bereits verwirrte João gar nicht mehr auftreten konnte. Damit der nicht noch mehr Unheil anstellen könne, ließ seine Tochter Bebel den Vater kurzfristig entmündigen.

Auch hinter einem 2013 aufgenommenen Millionenkredit soll die Managerin stehen. Dafür verpfändete sie Joãos Rechte an seinen ersten vier LPs, um die er sich jahrelang mit der Plattenfirma EMI stritt. Die hatte ohne Joãos Genehmigung ein Best-Of-Album veröffentlicht und seine Stücke neu abgemischt. Und damit nach Meinung Joao Gilberto verhunzt. Für sein vermeintlich zerstörtes Lebenswerk verlangte er vor Gericht umgerechnet 40 Millionen Euro. Der Prozess ging im Frühjahr verloren; Joãos Gläubiger standen Schlange und der Schöpfer des Bossa Nova steht vor dem Ruin seines Lebenswerks.

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