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Die Gattung Hörspiel ist in der Gegenwart längst zu einer offenen Form mit vielfältigen Ausprägungen geworden – vom literarischen Hörspiel bis hin zur intermedialen Klangkomposition. Dabei war die Nutzung technischer Innovationen in der Geschichte des Hörspiels immer stilbildend. Es überrascht daher nicht, dass die mit dem Ende des 20. Jahrhunderts einsetzende digitale Revolution auch das Hörspiel beeinflusst.

Jahrgangsbücher des Deutschen Rundfunkarchivs mit einem Kopfhörer (Foto: ard-foto s2-intern/extern)
ard-foto s2-intern/extern

Die Digitalisierung verändert nicht nur den Herstellungsprozess – heute können Hörspiele auch losgelöst von der großen Studiotechnik der Sendeanstalten produziert werden –, sondern prägt damit auch Hörspielästhetik und -dramaturgie. Hörspiele sind nicht nur im Rundfunk, sondern zunehmend auch im Internet präsent.

Freie Autorenproduktionen werden verstärkt ins Angebot der ARD-Hörspielprogramme aufgenommen. Sie sind überwiegend auf klangkünstlerische Realisierungen konzentriert, während das literarische Hörspiel mit einer Vielzahl von Sprechern nach wie vor programmatischer Schwerpunkt der öffentlich-rechtlichen Hörspielproduktion ist, wie aktuell „Die Enden der Parabel“ nach Thomas Pynchon (SWR/Deutschlandradio 2020) zeigt. Diesen Entwicklungen versucht die ARD-Hörspieldatenbank Rechnung zu tragen.

Die Hörspieldatenbank will die gesamte deutsche Hörspielkultur dokumentieren

Die ARD-Hörspieldatenbank ist ein Angebot des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA) und wird dort redaktionell betreut. Ambitioniertes Ziel der Redaktion ist es, das Hörspielprogramm in Deutschland von den Anfängen in der Weimarer Republik bis zur Gegenwart vollständig zu dokumentieren, und zwar unabhängig davon, ob noch Aufnahmen auf Tonträgern vorhanden sind.

In der Datenbank erfasst werden alle Angaben zu Hörspielen der ARD bzw. von Produktionen unter ARD-Beteiligung, einschließlich der zwischen 1945 und 1950 entstandenen Hörspiele der Vorläufer-Institutionen. Neben den Produktionen aus den Hörspielredaktionen der Landesrundfunkanstalten sind auch Nachweise zu Mundart- und Kinderhörspielen aus den entsprechenden Redaktionen zu finden.

Werke der akustischen Kunst werden dokumentiert, sofern sie von einer Hörspielredaktion produziert worden und/oder in den Hörspielbroschüren angekündigt sind. Auch gibt es Nachweise zu freien Autorenproduktionen, die in der ARD zur Ursendung kamen. Dazu kommen Nachweise zu den Hörspielen des Weimarer Rundfunks und des Rundfunks der DDR.

Rund 60.000 Nachweise zu Originalhörspielen, Hörspielbearbeitungen und Ars Acustica sind aktuell mit Produktions- und Sendedaten in drei Kollektionen zu finden. Produktionsfotos, Informationen zu Preisen, Rezensionen und CD-Editionen, einführende Texte sowie eine Auswahl an Originaltexten zur Frühzeit des Hörspiels ergänzen das Angebot. Einführende Texte zum Thema „Hörspiel“ und zur Dokumentation in der ARD-Hörspieldatenbank sowie eine Auswahl an jahrgangsbezogenen Darstellungen des Hörspiels in der ARD und an Originaltexten zur Frühzeit des Hörspiels aus zeitgenössischen Rundfunkzeitschriften komplettieren die Datensammlung.

Zu finden sind Nachweise zum ältesten (nicht mehr erhaltenen) Hörspiel „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch (1924) sowie zum ersten vollständig auf Tonträger überlieferten Hörspiel „S.O.S. … rao rao … Foyn“ von Friedrich Wolf (1929). Auch das erste Hörspiel nach dem Zweiten Weltkrieg, „Hypnose“ von Josef Pelz von Felinau (1945), und Günter Eichs berühmtes Stück „Träume“ (1951) sind dokumentiert.

Die Hör- und Sendespiele der Weimarer Republik aus den Jahren 1924 bis 1927 sind zum ersten Mal systematisch erfasst. Dokumentiert sind bislang über 2.500 Produktionen der einzelnen Sendegesellschaften. Die Nachweise der Hör- und Sendespiele dieser Zeit gelten als experimentelle Vorstufe der Gattung. Bei der Adaption von Bühnenliteratur für den Rundfunk wurden in der Weimarer Republik technisch formale Kriterien entwickelt, die der Hörspielentwicklung wichtige Impulse gaben.

Die Sammlung Hörspiele des DDR-Rundfunks bietet ein umfassendes Bild sowohl von Ideologie und Propaganda als auch von Lebensweisen und Alltag in der DDR. Sie enthält neben ausgesprochen zeitgeschichtlichen Dokumenten auch zeitlose künstlerische Werke, welche heute noch die Hörfunkprogramme der ARD bereichern.

Die Tonträger der ARD-Produktionen befinden sich in der Regel bei der jeweils federführend produzierenden Sendeanstalt und nicht im Deutschen Rundfunkarchiv, das lediglich die zentrale Dokumentationsstelle beherbergt. Dort sind jedoch Tonträger der Hörspiele aus der Zeit vor 1945 und der Produktionen des DDR-Rundfunks archiviert.

Die ARD-Hörspieldatenbank ist ein „work in progress“. Kontinuierlich werden Daten zu Neuproduktionen ergänzt, Lücken in der Dokumentation historischer Hörspiele geschlossen, Datensätze überprüft und vervollständigt. Das Angebot an Informationen und Suchkriterien wird stetig weiterentwickelt. Die Redaktion freut sich über Hinweise und Korrekturvorschläge und arbeitet mit Nachdruck an einer Vervollständigung der Daten. Finden Sie Ihre Lieblingssprecher oder recherchieren Sie nach Jahrgängen in der ARD-Hörspieldatenbank unter: hoerspiele.dra.de

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