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SWR1 Moderator Jörg Witzsch (Foto: SWR, SWR1)

Das Saxophon ist das wichtigste Melodie-Instrument im Jazz. Dabei wurde es schon erfunden, bevor Jazz überhaupt als Musikrichtung existierte: 1840, vom Belgier Adolpe Sax, der dem Saxophon damit auch gleich seinen Namen gab. In der klassischen Musik hat es sich nie richtig durchgesetzt (obwohl von Sax dafür gedacht), sehr wohl aber in der Pop- und Rockmusik. Da ist es – neben der elektrischen Gitarre – das wichtigste Instrument für die großen Soli in den Songs. Wir haben die bekanntesten Saxophon-Songs und die Videos für Sie zusammengestellt.

George Michael: Careless Whisper

Dieser Song fängt die Zuhörer*innen gleich am Anfang ein mit dem wunderbar weichen, melodischen Klang des Saxophons. Im Original spielte der Jazz-Musiker Steve Gregory dieses Solo, auf der 2008-er Tournee von George Michael, der "Careless Whisper Tour", verzaubert Andy Hamilton das Publikum.


Gerry Rafferty: Baker Street

Die ersten 12 Takte des Songs spielt ein Moog-Synthesizer - und dann setzt das Saxophon ein. Auch Gerry Rafferty setzte 1978 auf den unverkennbar markanten Klang dieses Instruments - sein Saxophonist Raphael Ravenscroft erhielt gerade einmal 27 Pfund Sterling für sein ikonisches Solo - und der war anfangs noch nicht einmal gedeckt! Zum Vergleich: pro Jahr kassierte Rafferty damals 80.000 Pfund im Jahr an Lizenzgebühren für "Baker Street".

Und: nein, der Titel "Baker Street hat in diesem Fall nichts zu tun mit der Adresse der Londoner Wohnung von Sherlock Holmes. Der Titel ist vielmehr eine Erinnerung an die Zeit nach dem Bruch von Gerry Rafferty mit seiner Band Stealers Wheel. Er arbeitete bereits an seiner ersten Solo-LP, musste aber wegen der Rechtsstreitigkeiten immer mit dem Zug zwischen Glasgow und London pendeln, wo er sich häufig in der Wohnung eines Bekannten nahe der Baker Street aufhielt und die Nacht über Musik machte. Dabei entstand die Grundlage zum Song, der von Entfremdung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft handelt.

Kate Bush: Saxophone Song

Das Saxophon nicht nur als Solo-Instrument genutzt, sondern gleich einen ganzen Song über das Saxophon geschrieben hat Kate Bush - übrigens eine ihrer frühesten Kompositionen, später dann veröffentlicht auf dem Album "The Kick Inside". Sie selbst sagt darüber: "Ich habe 'Saxophone Song' geschrieben, weil das Saxophon für mich ein wahrlich unglaubliches Instrument ist."

"Sein Klang ist aufregend – voll und sanft. Es klingt weiblich"

"Für mich ist ein schönes Saxophon wie ein Mensch, sinnlich leuchtend, in Gestalt eines Instruments." Den perfekten Platz für das Saxophon findet Kate Bush im Songtext von "Saxophone Song" in einer verrauchten Bar in Berlin: "ich allein in einer Ecke, und die Lichtstrahlen, die das Saxophon reflektiert, fallen auf mich". Alan Skidmore ist der Saxophonist, der diese Atmosphäre musikalisch erschafft, ein Kate-Bush-Fan hat das in seinem Video wunderbar umgesetzt.

Picture Alliance

Al Stewart: Year of the Cat

Eine Sammlung von Saxophon-Soli wäre nicht komplett ohne Al Stewarts 1976er Song "Year of the Cat". Wenn SWR1 Hörer*innen anrufen und sich – weil sie den Titel vergessen haben – "diesen Song mit dem Saxophon" wünschen, dann wissen wir, welcher Song es höchstwahrscheinlich ist. So bekannt und beliebt ist dieses Saxophon-Solo. Dabei hätte dieser Song beinahe "Foot of the stage" oder "Horse of the year" geheißen, aber das ist eine andere Geschichte, die Sie HIER nachlesen können

Supertramp: Logical Song

Das Saxophon findet sich immer wieder in der Musik von Supertramp. Auf ihrem 1979er Album "Breakfast in America" setzen sie es in "Logical Song" perfekt ein – und haben damit ihren größten Charterfolg in den USA und ihrem Heimatland England. Paul McCartney hat "Logical Song" einmal seinen "Lieblingssong aus dieser Zeit" genannt. John Helliwell spielt das ikonische Solo.

Tina Turner: Private Dancer

Eigentlich hat Mark Knopfler diesen Song für die Dire Straits geschrieben, fand aber, er müsste dann doch eher von einer Frau gesungen werden. Bei Tina Turner war er bestens aufgehoben und wurde, zusammen mit ihrem gleichnamigen Album, einer der größten Hits ihrer Karriere und ihres großen Comebacks.

Der Song ist die Geschichte einer Prostituierten (oder Stripperin, das geht aus dem Text nicht ganz klar hervor), die für Geld "tanzt" und beschreibt, wie leer sie sich innerlich fühlt. Und wie immer, wenn es um das Thema Gefühle oder gar "Sex" geht, dann ist die klangliche Verwandschaft zu "Sax" nicht weit und das Saxophon bekommt eine Hauptrolle. Wie in diesem Video, in dem Timmy Cappello durch sein Saxophon-Spiel und seine Rolle auf der Bühne dem Song noch einmal eine ganz andere Dimension gibt.

Dave Brubeck Quartet: Take Five

Die meistverkaufte Jazz-Single aller Zeiten und die wohl bekannteste Saxophon-Melodie der Musikgeschichte: das ist "Take Five", komponiert und gespielt von Paul Desmond. Sein Saxophon-Klang wird als leicht und luftig beschrieben, keinem anderen Musiker sei es je gelungen, ihn nachzuahmen. 1959 erschien das Stück auf Dave Brubecks Album "Time Out" – bereits in Stereo, aufgenommen vom aus München stammenden Tonmeister Fred Plaut. Die Originalpressungen des Albums werden heute zu Höchstpreisen gehandelt und genießen unter HiFi-Fans wegen ihrer hervorragenden und auch heute noch konkurrenzfähigen Aufnahmequalität Kultstatus.

The Stranglers: Golden Brown. Golden Brown???

Was hat der größte Hit der Stranglers mit einem Saxophon und mit Dave Brubeck zu tun? Da spielt doch ein Cembalo die musikalische Hauptrolle!

Die Lösung: Eine wunderbar augenzwinkernde Hommage von Laurence Mason an Paul Desmond und den an Covid19 gestorbenen Stranglers-Keyboarder Dave Greenfield. Dazu sollten Sie zumindest mal kurz in das obige Dave Brubeck-Video von "Take Five" hineingeschaut haben.

Der britische Musiker Laurence Mason nimmt das Bildmaterial aus diesem Video und ersetzt die Musik durch seine eigene Saxophon-Version des Stranglers-Hits "Golden Brown". Hört sich an und sieht so aus, als hätte das Dave Brubeck Quartet diesen Song schon in den 60ern geschrieben und gespielt – stimmt natürlich nicht. Was für ein großartiger "Spoof" von Laurence Mason!