Altes Berghaus gerettet

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EIN FILM VON
Cécilia Marchat (Regie), Feline Gerhardt (Kamera), Louisa Markert (Ton), Matthias Wölbing (Schnitt), Bastian Epple (Schnitt). Produktion: EIKON Media GmbH, im Auftrag des SWR.

Abgeschieden mitten im Schwarzwald liegt Rolands Berghaus. Das alte Haus von 1755 war völlig verfallen, als er es 2015 kaufte und eigenhändig sanierte – mühevoll und leidenschaftlich.

Es ist ein steiler Weg, der zu Rolands und Anjas Zuhause führt. Hohe Tannen umsäumen die Auffahrt zum Grundstück. Keine Straße, keine Häuser, keine unmittelbaren Nachbarn: Anja und Roland wohnen in der Abgeschiedenheit des mittleren Schwarzwalds. Mehrere Jahre hat Roland nach einem solchen Objekt in seiner Heimat gesucht. Er ist selbst auf einem Bauernhof im Schwarzwald aufgewachsen. Durch einen glücklichen Zufall kam er mit einem Nachbarn ins Gespräch, der im Besitz eines Bauernhofs mit zugehörigem Berghaus war. Das Berghaus stand schon länger leer und befand sich im Verfall. 2015 kaufte ihm Roland das Berghaus ab und restaurierte es. 2020 zog Anja dazu. Berghäuser gehörten früher zu den großen Eindachhöfen des Schwarzwalds und waren eine Art Unterkunft für den Hauptknecht des Hofs und seine Familie. „Von der Struktur her sind diese Häuser wie ein Eindachhof aufgebaut – nur kompakter“, erklärt Roland. Das Haus war also ursprünglich auch auf ein Zusammenleben von Mensch und Tier ausgelegt. Von außen sind die charakteristischen Elemente eines historischen Eindachhofs aus dem Schwarzwald erkennbar: tief gezogenes Vollwalmdach, Schindelholzfassade.

Altes Haus größtenteils selbst saniert

Bei den Sanierungs- und Renovierungsarbeiten ist Roland mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe für das Objekt und altes Handwerk vorgegangen. Als Leiter für Bau und Betrieb in einer Klinik hat ihm da sicher sein geschulter Blick geholfen. Er hat sich umfangreich informiert und auf Rat des Zimmermanns zunächst eine dendrochronologische Untersuchung (auf diese Weise wird das Alter von Hölzern ermittelt) der Holzbalken vornehmen lassen. An unterschiedlichen Stellen wurden dafür Bohrungen gemacht. Das Ergebnis: Das Haus wurde bereits 1755 erbaut.

„Auf die alte Substanz schaut man schon demütig drauf. Wenn man überlegt, dass der Baum für diesen Balken im 17. Jahrhundert gepflanzt worden ist und heute immer noch ein tragendes Element einer Konstruktion ist, in der man drin leben und wohnen kann.“ So viel wie möglich erhalten und selbst machen – das war Rolands Kredo bei den Umbauarbeiten. Unterstützt wurde er dabei von seinem handwerklich begabten und motivierten Freundeskreis. Alle Materialien, die Roland verwendet hat, sind zu 100 Prozent Naturmaterialien, viele davon hat er wiederverwertet.

Viele Baumaterialien wiederverwertet

Auch bei der Raumaufteilung ist vieles beim Alten geblieben. Der größte Raum im Erdgeschoss ist und bleibt die gute Stube mit Herrgottswinkel und gegenüberliegendem Kachelofen. Der Herrgottswinkel ist ein Eckpfeiler im Raum, in dessen Aussparung sich ein Kruzifix oder eine Marienstatue befindet. In früheren Zeiten war diese Stelle die wichtigste im Haus, hier wurde gebetet. Das machen Roland und Anja an dieser Stelle nicht mehr, trotzdem soll an die frühere Nutzung des Raums erinnert werden. Dank des restaurierten Kachelofens kann dieser Raum auch im Winter schön geheizt werden. Über eine Zentralheizung verfügt das Berghaus trotzdem.

Im Erdgeschoss befinden sich zudem noch: Lesezimmer, Wohnzimmer, Küche, Speisekammer, ein Gäste-WC und ein breiter, freundlicher Flur. Trotz des allgegenwärtigen, dunklen Holzes und der niedrigen Deckenhöhe, hat Roland es geschafft, durch gut eingesetzte Glasflächen, mehr Licht in das Haus zu holen. Das Putzen der hohen Fenster ist zwar ein wenig aufwendiger, da eine große Leiter benötigt wird, lässt sich aber gut bewerkstelligen. Vor das große Wohnzimmerfenster haben Roland und Anja allerdings ein Netz spannen müssen, damit Vögel nicht gegen die Scheibe fliegen. Im oberen Geschoss befinden sich Schlafzimmer, Kinderzimmer, Badezimmer. Ein weiterer Raum wird noch ausgebaut, es soll mal als Gästezimmer fungieren. Es gibt also immer noch viel zu tun.

Leben im Einklang mit der Natur

Die Kosten lagen insgesamt weit unterhalb der Kosten für einen durchschnittlichen EFH-Neubau, lassen sich aufgrund der enormen Eigenleistung allerdings nicht realistisch beziffern.

Anja und Roland haben ihren Platz im Schwarzwald gefunden, fernab von Neubaugebieten und mitten in der Natur. In mühevoller und leidenschaftlicher Arbeit mit ca. 15.000 Arbeitsstunden konnte das Haus wieder in Schuss gebracht werden und die Balance zwischen Komfort und Tradition gefunden werden.

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