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Zum Schulstart

Schulranzen-Aktion bringt Kinder zum Strahlen

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AUTOR/IN
Nicole Schmitt
REDAKTEUR/IN
Andrea Wieland

Die Anschaffung eines Schulranzens ist für viele Familien eine große finanzielle Herausforderung. In solchen Fällen unterstützt die Caritas Bremen mit einer besonderen Aktion.

„Er ist lila, mit Sternen drauf“, erzählt die sechsjährige Viktoria ganz stolz und ergänzt: „Mir gefällt er sehr gut“. Die Rede ist von ihrem neuen Schulranzen. Den hat das Mädchen mit dem blonden Zopf und den grau-blauen Kulleraugen pünktlich zur Einschulung bekommen. Er ist ein Geschenk der Caritas, denn Viktorias Familie durchlebt gerade eine schwierige Zeit.

Flucht aus der Ukraine nach Bremen

Es ist der 16. März, als die kleine Viktoria zusammen mit ihrer Mama Ruslana, ihrer Oma, Uroma und Tante aus der ukrainischen Heimat nahe Odessa vor dem Krieg flieht. Gerade noch rechtzeitig, denn „zwei Tage danach fielen die ersten Bomben“, erzählt die 27-jährige Ruslana mit ruhiger Stimme. Es ist der Beginn einer einwöchigen Odyssee, die die Familie über Rumänien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland führt.

Die Entscheidung zu fliehen, den Rest der Familie und das ganze Hab und Gut hinter sich zu lassen, fällt den Fünf alles andere als leicht. Aber Ruslanas Tante Larysa bestärkt sie in dem Vorhaben, nach Deutschland zu kommen, denn Larysa lebt seit 22 Jahren in Bremen. „Ich wollte meine Familie nicht verlieren. Deshalb habe ich alles unternommen, um sie hier her zu bringen“, sagt die 48-Jährige. Larysa sammelt Spenden und fährt mit ihrem Sohn nach Rumänien. Dort wollen sie ihre Verwandten abholen. An der Grenze werden die Geflüchteten zunächst von vielen freiwilligen Helfern in Empfang genommen, mit einer Tasse Kaffee und geschmierten Broten versorgt.

„Beim Wiedersehen haben wir alle geweint“, erinnert sich Ruslana, die froh war, ihre Tante an ihrer Seite zu haben. Nach stundenlangen Zug- und Busfahrten und Übernachtungen in Notunterkünften kirchlicher Einrichtungen kommt das Gespann erschöpft in Bremen an.

Zusammen mit Mutter Ruslana und deren Partner Andrey freut sich die kleine Viktoria über ihren neuen Schulranzen. (Foto: Caritas Bremen)
Zusammen mit Mutter Ruslana und deren Partner Andrey freut sich die kleine Viktoria über ihren neuen Schulranzen. Caritas Bremen

Große Unterstützung beim Neuanfang

Dort leben zunächst alle gemeinsam in einer 65 Quadratmeter Wohnung. Larysa kümmert sich um die bürokratischen Hürden, geht mit ihren Verwandten zum Sozialamt, eröffnet ein Konto für sie. Es ist unendlich viel zu tun, aber der Rückhalt, den die Familie von allen Seiten erfährt, sei überwältigend. „Das hat mich berührt. Mit so einer Unterstützung in Deutschland habe ich nicht gerechnet“, sagt Ruslana, während ihr Tochter Viktoria auf dem Schoß sitzt.

Zu diesen Unterstützern zählt für die Familie auch die Caritas Bremen, auf die die Familie wegen einer besonderen Aktion aufmerksam wird: Sie verschenkt Schulranzen an Kinder, deren Familien ein kleines Einkommen haben, Hartz IV oder Wohngeld beziehen. „Schon zum dritten Mal in Folge haben wir im Sommer die Aktion angeboten“, sagt Sozialberaterin Svenja Schulz von der Caritas. „Jeder, der sich gemeldet hat und in den Rahmen passt, hat einen Schulranzen bekommen“, so Schulz weiter.

Für mehr Chancengleichheit zum Schulstart

Zu diesen 65 Kindern zählt auch Viktoria. Sie wird dieses Jahr eingeschult und soll die gleichen Chancen wie alle Kinder zum Schulstart haben. „Die 150 Euro, die Familien zum Schulstart zusätzlich vom Jobcenter bekommen, können dann zum Beispiel für Sportkleidung verwendet werden“, erklärt die Sozialberaterin. So sollen betroffene Familien die Möglichkeit haben, ihre Kinder besser auszustatten, damit sie nicht schon zum Start in die Schullaufbahn benachteiligt seien. „Manche Eltern sind so unendlich dankbar, dass ihnen die Tränen kommen. Die Kinder reißen direkt das Plastik auf und gucken, was sonst noch drin ist. Wir kriegen oft die Rückmeldung, wie teuer so ein Schulranzen doch ist“, erzählt Schulz.

Zukunftspläne in Deutschland

Und auch für Viktoria und Mama Ruslana ist der Tag, an dem Viktoria ihren Schulranzen bekommt, ein ganz besonderer. „Alles passt zusammen. Es sind auch ein Sportbeutel, eine Brotdose und ein Mäppchen dabei“, sagt Viktoria, die sich für den Neuanfang hier schon viel vorgenommen hat: „Ich will lernen, Bücher zu lesen, Deutsch zu sprechen und neue Freunde kennenlernen.“ Um ihr den Einstieg zu erleichtern, kommt die Sechsjährige zunächst in eine Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder.

Aber schon jetzt arbeiten alle an einer gelungenen Integration: Viktoria trifft sich regelmäßig mit ihrer neuen besten Freundin Eva auf dem Spielplatz, Ruslana hat sich zum Deutschkurs an der Volkshochschule angemeldet und will mit ihrem neuen Partner Andrey, der ebenfalls von der Ukraine nach Deutschland geflüchtet ist, hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Der nächste Schritt ist für alle jetzt aber erst mal ein guter Schulstart für Viktoria. Den richtigen Schulranzen dafür hat sie ja schon. Jetzt fehlt nur noch eine Schultüte. „Wie die aussehen soll, weiß ich noch nicht“, sagt Viktoria. Fest steht aber: „Ich will zur Einschulung zwei Zöpfe mit Schleifen tragen“. „Das ist eine ukrainische Tradition“, ergänzt ihre Großtante Larysa und streichelt Viktoria über den Kopf.

Kind spielt mit Buchstaben-Spiel, aber nicht jedes Kind hat die gleichen Chancen in Deutschland.  (Foto: AdobeStock_460352813)
Kind spielt mit Buchstaben-Spiel AdobeStock_460352813

Das Schulranzen-Projekt in Baden-Württemberg

Seit 2008 findet in Rottweil in Kooperation mit dem Kinderschutzbund, Schramberger Kinderfonds, KIJU Rottweil, Diakonie und dem Caritas Zentrum Rottweil das Schulranzenprojekt statt. Auch dieses Jahr durften sich zahlreiche Kinder, die von Armut betroffen sind, über einen kostenlosen Schulranzen freuen.

Caritas Deutschland gehört zu den Unterstützern der ARD-Mitmachaktion WIR GESUCHT – das Projekt. Unsere weiteren Unterstützer sind: AWO Bundesverband e.V., Deutscher Gewerkschaftsbund, Diakonie Deutschland, nebenan.de Stiftung / Netzwerk nebenan.de und ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft.

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Kinderschutzbund: Preissteigerungen treffen Schulkinder besonders hart

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