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In Peru gehen fast alle Neuinfektionen auf Lambda zurück. Mittlerweile ist diese eher unbekannte Corona-Variante auch in Europa angekommen, spielt hier aber noch keine große Rolle.

Dass Viren mutieren, ist ein normaler Prozess. Die größte Gefahr dabei ist, dass die Mutationen ansteckender werden, den Krankheitsverlauf beeinflussen und somit auch den Verlauf der Pandemie. Bei den neuen Varianten Alpha und Delta, die nacheinander die Pandemie in Deutschland bestimmt haben, ist das so. Die neue SARS-CoV-2-Variante Lambda, auch unter C.37 bekannt, ist in Europa bislang aber eher eine Randerscheinung.  

Corona-Virus-Varianten mit Namen (Foto: Imago, IMAGO)
Das Corona-Virus hat inzwischen viele Gesichter. Das Auftreten neuer Varianten ist ein natürlicher Prozess. Die Varianten werden u.a. nach dem griechischen Alphabet benannt. Imago IMAGO

In gerade mal 0,1–0,2 Prozent der Proben der letzten Wochen wurde laut aktuellem Variantenstatusbericht des Robert-Koch-Instituts die Lambda-Variante nachgewiesen (Stand 14.07.2021). Seit dem Auftreten von C.37 wurden in der genetischen Virusdatenbank GISAID insgesamt 100 Fälle in Deutschland registriert, 241 Fälle in ganz Europa (Stand 15.07.2021). Allerdings hatte auch die Delta-Variante ursprünglich mit minimalen Fallzahlen begonnen: Der Anteil betrug bis Anfang April ebenfalls nur 0,1 Prozent in Deutschland – mittlerweile sind rund 65 Prozent der Corona-Infektionen auf Delta zurückzuführen.

Unter Beobachtung 

Die WHO hat Lambda bisher nicht als „besorgniserregend“ eingestuft, sondern seit dem 15.06.2021 als sogenannte variant of interest (VOI) gelistet. Damit steht sie unter besonderer Beobachtung. Überwacht werden diejenigen Varianten, die potenziell ansteckendere Mutationen aufweisen oder im Vergleich zum Ursprungsvirus eine schwächere Antwort des Immunsystems hervorrufen.

Neuartige Mutationen 

Derzeit ist die Datenlage noch nicht gut genug, um eine sichere Aussage über die Gefährlichkeit der Lambda-Variante machen zu können. Bisher gibt es nur Ergebnisse aus Preprint-Studien, die noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet wurden.   

Die mögliche höhere Übertragbarkeit könnte an verschiedenen, auch neuen Mutationen im Spike-Protein liegen. Lambda hat unter anderem zwei neuartige Mutationen mit den kryptischen Namen L452Q und F490S: Und zwar genau an der Stelle, an der das Virus an den Rezeptor der menschlichen Zelle bindet. Das könnte es dem Virus erleichtern, in die Zelle einzudringen, und eine Immunantwort erschweren. Zudem wurde ein Teil im ORF1a-Gen gelöscht. Diese Mutation wurde auch in anderen besorgniserregenden Varianten wie Alpha, Beta und Gamma gefunden.

Ein Corona-Virus bindet mit seinem Spike-Protein an eine Körperzelle (Foto: Imago, IMAGO / Science Photo Library)
Ein Corona-Virus bindet mit seinem Spike-Protein (rot) an Rezeptoren auf menschlichen Körperzellen (blau). Mutationen im Spike-Protein können dessen Struktur verändern. Das beeinflusst die Bindung des Virus an die Körperzelle. Imago IMAGO / Science Photo Library

Ob Lambda aber tatsächlich ansteckender ist als andere Varianten, dazu gibt es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse. 

Lambda breitet sich in Südamerika aus

Laut einem Bericht der WHO ist Lambda mittlerweile in 29 Ländern gefunden worden. Diese Zahl deckt sich auch mit den Daten aus der genetischen Virus-Datenbank GISAID. Besonders in Südamerika breitet sich die Variante aus. Peru gilt als Ursprungsland von C.37. Dort ist sie die vorherrschende Variante und hauptsächlich für Neuinfektionen verantwortlich. Je nach Quelle macht sie dort bereits zwischen 70 und über 90 Prozent aus.  

Der peruanische Gesundheitsminister Oscar Ugarte sagt, dass Lambda wahrscheinlich für die zweite schwere Welle zwischen Ende März und April in Peru verantwortlich gewesen sei. Im angrenzenden Chile macht Lambda inzwischen etwa ein Drittel der sequenzierten Fälle aus, in Argentinien rund 12 Prozent.  

Virus verschmilz mit Globus (Foto: Imago, IMAGO)
Anfangs kommen neue Corona-Varianten nur in einzelnen Ländern vor. Dann beginnen sie sich rund um den Globus auszubreiten. Imago IMAGO

Eine weitere Studie, die ebenfalls noch nicht von Experten geprüft wurde, zeigt: Lambda kann eventuell den Antikörpern entkommen, die vom chinesischen CoronaVac-Impfstoff produziert werden – ein Impfstoff, der in vielen lateinamerikanischen Ländern verimpft wird. In Chile beispielsweise sind bereits über 65 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft, die meisten mit CoronaVac. Trotzdem kam es dort zu etlichen Neuinfektionen. Immerhin scheint dieser Impfstoff aber auch bei Lambda vor schweren Verläufen zu schützen. 

Weltweit wurden bisher etwa 2900 Lambda-Fälle nachgewiesen (Stand 16.07.2021), was einem Anteil von <0,5 Prozent aller sequenzierten Proben entspricht.

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