Ein Roboter serviert Gerichte in einem Restaurant in Sint-Niklaas, Ostflandern, Belgien, 9. April 2022. (Foto: IMAGO, IMAGO / Xinhua)

Künstliche Intelligenz

Arbeitslos durch Roboter: Was tun, wenn die Maschine übernimmt?

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Piotr Heller
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Carla Vinetta Richter
Antonia Weise

In Zeiten von Künstlicher Intelligenz und immer geschickterer Roboter, drohen Maschinen vielen Arbeitnehmern den Job streitig zu machen. Schweizer Forscher haben nun berechnet, welche Berufe besonders gefährdet sind – und in welche Profession man ausweichen sollte, wenn man nicht von einem Apparat ersetzt werden will.

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Immer neue Erfindungen, Roboter und Künstliche Intelligenz - manch einer fragt sich: Wann wird eine Maschine meinen Job übernehmen? Ein Team um den KI-Experten Dario Floreano hat sich der Frage nun angenommen.

Was muss man in welchem Beruf können?

Dazu haben sie zunächst systematisch die Fähigkeiten analysiert, die das amerikanische Arbeitsministerium für jeden einzelnen Job auflistet. Vom Altenpfleger bis zum Zoologen umfasst die US-Datenbank fast 1000 Berufe. Demnach müssen Metzgerinnen und Metzger etwa geschickt sein, ein gutes Auge haben und sich konzentrieren können. Anwältinnen und Anwälte müssen sich ausdrücken können und argumentieren. Schauspielerinnen und Schauspieler brauchen ein gutes Gedächtnis und Originalität.

Geschäftsmann und Geschäftsfrau im Gespräch in einer modernen Fabrikhalle. (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)
Wie wird in Zukunft unser Arbeitsmarkt aussehen? Werden Roboter uns ersetzen? IMAGO / Westend61

Das Team hat dann ermittelt: Welche dieser Fähigkeiten besitzen Maschinen heute auch schon? Der Schweizer Ökonom Rafael Lalive erläutert, dass ein Physiker zum Beispiel auf hohem Niveau Schlussfolgerungen trifft. Dies sei eine Fähigkeit und wenn eine Maschine das heute könne, dann könne sie einen Teil der Arbeit übernehmen. Wenn die Maschine noch nicht so weit sei, dann würde das nicht gehen.

Gibt es bald Roboter-Metzger?

Maschinen besitzen heute schon Fingerfertigkeit und physische Stärke – aber überraschenderweise haben sie auch ein Problembewusstsein, denn sie erkennen, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Was den Apparaten fehlt, sind Originalität, Koordination oder die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Mit diesem Wissen haben die Forschenden für jeden Beruf einen Automatisierungs-Risiko-Index berechnet.

Grob gesagt ist das der Anteil, der für einen Beruf notwendigen Fähigkeiten, die ein Roboter oder eine Künstliche Intelligenz heute beherrscht. Das ist ein einfaches Konzept, aber es zeigt, welche Jobs gefährdet sind. Denn wenn eine Maschine das tun kann, was Sie in Ihrem Job tun, wird sie obsolet.

Konkret gesagt bedeutet das, dass der Beruf des Fleischwarenherstellers laut der Analyse der am meisten gefährdete Beruf ist. Er hat einen Automatisierungs-Risiko-Index von 78 Prozent. Das heißt: 78 Prozent der notwendigen Fähigkeiten bringen Roboter heute schon mit. Am anderen Ende des Spektrums sind Physiker. Ihr Risiko-Index liegt bei 43 Prozent. Immerhin: Maschinen beherrschen heute schon fast die Hälfte der Fähigkeiten, die den mutmaßlich sichersten Beruf ausmachen.

Ingenieure, Chirurgen und Piloten sind relativ sicher // Roboter-Modells?

Berufe wie Ingenieure, Chirurgen, Piloten, Fluglotsen und die meisten Ärzte sind sicher – wobei Fachärzte für Strahlenheilkunde sich bereits im Mittelfeld bewegen, in der Nähe von Küchenchefs. Im unteren Mittelfeld finden sich Barkeeper und persönliche Pflegekräfte. Nochmals deutlich unsicherer sind die Jobs von Kassierern, Tellerwäschern, Taxifahrern oder Models. Hier geht es nicht um Top-Models, aber die Job-Beschreibung eines Models ist attraktiv für Roboter. Dario Floreano führt aus, dass es mittlerweile zum Beispiel in Japan schon Androiden gibt.

Sie können ihre Körperform verändern. Vielleicht wird man sich in Zukunft an ihnen anschauen, wie Kleidung an verschiedenen Körpern aussieht – warum nicht?

Hier zeigt sich eine Schwäche der Studie. Denn man kann einwenden, dass sich ein Beruf nicht allein mit einer Liste aus Fähigkeiten erfassen kann. Vielleicht braucht ein Model schlicht das „gewisse Etwas“, oder zumindest etwas, das in keiner Datenbank auftaucht.

Menschen besuchen die Eröffnung des Cyber-Cafés Dunyasha im Gorki-Park, wo ein humanoider Roboter Eis und Getränke serviert. (Foto: IMAGO, IMAGO / ITAR-TASS)
In Russland eröffnete ein Café in dem ein Roboter Eis und Getränke zubereitet und verkauft. IMAGO / ITAR-TASS

Ein anderes Beispiel: Die Datenbank listet 18 notwendige Fähigkeiten für Hausärzte auf – Einfühlungsvermögen ist nicht darunter. Der Forscher Rafael Lalive sagt dazu, dass sie sich auf grundlegende körperliche und geistige Fähigkeiten konzentriert haben. Damit hätten sie nicht die komplette Realität des Berufes eingefangen, aber zumindest einen sehr großen Teil.

Realitätscheck: wie gut sind die Ergebnisse wirklich?

Trotz dieser Einschränkung hat die Arbeit einen Realitätscheck bestanden.

Wir haben festgestellt: Die Beschäftigtenzahlen von Jobs mit hohem Automatisierungs-Risiko sind in den USA in den letzten 15 Jahren weniger gewachsen als die von Jobs mit niedrigem Risiko.

Zudem haben die Forschenden ermittelt, in welchen Beruf man ausweichen sollte. Dafür berechnen sie Alternativen, die wenig Umschulung erfordern und gleichzeitig mehr Sicherheit vor Automatisierung bieten. So sollten Kassierer zu Kreditprüfern umschulen. Aus Metzgern könnten Urkundsbeamte werden, aus Taxifahrern Interviewer für die Marktforschung.

Ein Roboter serviert Gerichte in einem Restaurant in Sint-Niklaas, Ostflandern, Belgien, 9. April 2022. (Foto: IMAGO, IMAGO / Xinhua)
In Belgien wurde in einem Restaurant Kellnerinnen und Kellner von Robotern ersetzt. IMAGO / Xinhua

Wer will, kann sich in einem Online-Tool der Forschenden Alternativen für seinen Beruf vorschlagen lassen. Die Tipps sind aber oft enttäuschend. Das System schlägt beispielweise oft vor, auf Mathematiker oder Physiker umzuschulen – doch das sind eben hochkomplexe Professionen, die nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ausüben kann.

Umsetzung in der Politik?

Dennoch findet der italienische Ökonom Andrea Gentili die Ergebnisse beeindruckend und hilfreich für den Einzelnen. Jedoch hinterfragt er, ob der Index von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern genutzt wird, um zum Beispiel das Bildungssystem daran anzupassen.

Landesdelegiertentag der Gewerkschaft der Polizei 2022 am 04.05.2022 im Maritim Hotel in Düsseldorf Polizei-Roboter Spot von Boston Dynamics (Foto: IMAGO, IMAGO / Revierfoto)
Auch die Polizei in Deutschland experimentiert mit Robotern, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen sollen. IMAGO / Revierfoto

Denn Menschen werden nur von Robotern ersetzt, wenn sich das rechnet. Diese ökonomische Dimension haben die Forschenden bislang ausgeblendet. Andrea Gentili verweist hier auf eine der großen unbeantworteten Fragen der Wirtschaftswissenschaften: Zerstört Automatisierung Arbeitsplätze oder schafft sie eher neue?

Wie sicher ist der Job als Journalist*in?

Könnte dieser Beitragstext bald von einer trainierten KI geschrieben werden? David Beck aus der SWR Wissenschaftsredaktion hat die künstliche Intelligenz GPT-3 des amerikanischen Unternehmens OpenAI mit allen Beiträgen trainiert, die er in den vergangenen eineinhalb Jahren geschrieben hat. Jetzt schreibt sie auf Befehl Beiträge, die überraschend nahe an seinem Schreibstil sind.

Doch einen Haken hat die Sache: Die GPT-3 kann eines noch nicht und das ist Recherche. Nehmen Sie deswegen den folgenden Beitrag inhaltlich bitte nicht ernst, er ist lediglich eine Demonstration davon, zu was GPT-3 in der Lage ist. Gesprochen ist der Beitrag von David Beck selbst, geschrieben wurde er aber komplett von der künstlichen Intelligenz.

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