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In der Wissenschaft sind Zufälle gar nicht so selten. Das gilt auch für „Teflon“. Das aalglatte Material kam zufällig in die Welt – und wurde vor genau 80 Jahren patentiert.

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Roy Plunkett bekommt Patent

Am 4. Februar 1941 erhielt Roy Plunkett für seinen neuen Werkstoff Polytetrafluorethylen das US-Patent mit der Nummer 223 0654 A. Heute kennen das Material alle unter dem Namen "Teflon". Es steckt in Haushaltsgeräten, Kleidungsstücken, Dichtungen, künstlichen Blutgefäßen, Brillengläsern, in Raumfahrzeugen, auf Gitarrensaiten und in Mikrochips. Die Geschichte des Wunderstoffes, der Dingen, die mit ihm beschichtet sind, die Glätte von schmelzendem Eis verleiht, begann in den USA.

Schwarz-weiß-Foto von Teflon-Erfinder Roy Plunkett (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Roy Plunkett war 27 Jahre alt, als er das Teflon durch einen Zufall erfand. Er starb 1994 mit 83 Jahren. Picture Alliance

Per Zufall entdeckt

Der junge Chemiker Roy Plunkett wollte am 6. April 1938 für seinen Arbeitgeber DuPont einen besseren Kühlapparat entwickeln und experimentierte mit dem Gas Tetrafluorethylen. Er setzte einen gefüllten Gas-Kanister unter Druck, fror ihn ein, verschob dann aber weitere Versuche auf den kommenden Tag. Völlig unerwartet war am nächsten Morgen das Gas weg. Das Tetrafluorethylen hatte sich durch Polymerisation in Polytetrafluorethylen umgewandelt, eine wachsartige, feste Substanz mit erstaunlichen Eigenschaften: Extrem säurefest, hitzebeständig und vor allem sehr, sehr glatt.

Eine Teflon-Pfanne vor einem schwarzen Hintergrund. (Foto: Imago, IMAGO / agefotostock)
1954 wurde erstmals eine Pfanne mit Teflon beschichtet. Imago IMAGO / agefotostock

Der Siegeszug des Teflon

Doch zunächst wussten Plunkett und seine Forscherkollegen nicht so wirklich, was sie mit diesem neuen, merkwürdigen Kunststoff machen sollten. Es gab keine denkbare Anwendung. Außerdem war der Name „Polytetrafluorethylen“ auch nicht wirklich verkaufsfördernd. So setzte man auf die Kurzform “Teflon“ als Markenname – und startete durch. Denn kurze Zeit später begann das „Manhattan-Projekt“, zum Bau einer amerikanischen Atombombe. Die dafür benötigten Uran-Materialien sind extrem aggressiv. Bei ihrer Suche nach schützenden Hüllen, stießen die Kernforscher auf „Teflon“. Der Siegeszug des neuen Wunder-Materials begann.

Mit dem Werkstoff „Teflon“ werden heute extrem glatte Oberflächen produziert, die nicht nur in den bekannten Bratpfannen für den ausgeprägten Antihafteffekt sorgen. Teflon kommt auch bei Rohrleitungen in der Industrie oder für Implantate in der Medizin zum Einsatz.

Die Teflonmythen

Um Teflon ist ein milliardenschwerer Markt entstanden, auf dem ständig neue Anwendungsmöglichkeiten entdeckt werden. Um das Material ranken sich zudem heute immer noch zahlreiche Mythen. Denn: Nein, Teflon ist kein Ergebnis der Raumfahrtforschung. Schon 1954 wurde erstmals eine Pfanne damit beschichtet. Und nein, zerkratzte Teflon-Pfannen sind nicht gefährlich. Der Stoff wird von unserem Körper nicht aufgenommen. Wenn wir Partikel davon verschlucken, scheiden wir sie unverändert wieder aus.

Roy Plunkett mit Mitarbeitern in einer Fabrik. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
In der Wissenschaft sind Zufälle gar nicht so selten. Viele große Erfindungen und Entdeckungen verdanken ihre Existenz der Verkettung glücklicher Umstände. Roy Plunkett hatte ebenfalls Glück. Picture Alliance

Ein Welterfolg

Roy Plunkett war 27 Jahre alt, als ihm ein Zufall die Erfindung seines Lebens bescherte, er starb 1994 mit 83 Jahren. Seine Erfindung wurde zum Welterfolg, auch jenseits von Wissenschaft und technischer Anwendung, denn der Kunststoff, an dem nichts kleben bleibt, hat es bis in den politischen Wortschatz geschafft.

Fotocollage von Angela Merkel und anderen Politikern mit Spitznamen versehen. (Foto: Imago, IMAGO / Sven Simon)
Imago IMAGO / Sven Simon

Geflügeltes Wort

Es war ein Politskandal erster Güte, als die Enthüllungsplattform Wikileaks im November 2010 hunderttausende Berichte des US-Außenministeriums veröffentlichte – und die Welt die wenig schmeichelhaften Urteile von US-amerikanischen Diplomaten über Politiker in aller Welt lesen konnte. Der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy war danach ein "Kaiser ohne Kleider“, Russlands Wladimir Putin hatte die Bezeichnung „Alpha-Rüde“ und die deutsche Bundeskanzlerin nannte man intern "Angela 'Teflon' Merkel", weil nahezu alles an ihr abgleite. Da ist die Bundeskanzlerin doch eigentlich noch ganz gut weggekommen.

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