Schild des Max-Planck Instituts in Magdeburg (Foto: IMAGO, IMAGO / Steinach)

Spitzenforschung in Deutschland

75 Jahre Max-Planck-Gesellschaft

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Elena Weidt
Bild von Elena Weidt, Multimedia-Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell (Foto: SWR, Elena Weidt)
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Elisabeth Theodoropoulos

Am 26. Februar 1948, vor 75 Jahren, wurde die Max-Planck-Gesellschaft in ihrer heutigen Form gegründet. Etliche der Forschenden der Max-Planck-Gesellschaft erhielten den Nobelpreis. Ihre Forschung beeinflusst unser tägliches Leben, die Industrie, die Medizin. Eine kleine Zeitreise über eines der wichtigsten außeruniversitären Forschungsinstitute für Grundlagenforschung in Deutschland.

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Richard Willstätter, Otto Hahn und Paul Crutzen (crüzen) – sie alle drei haben eines gemeinsam: Sie forschten alle am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, einem der ältesten der heute insgesamt 86 Institute der Max-Planck-Gesellschaft. - Und alle drei haben einen Nobelpreis.  

Richard Willstätter bekam bereits 1915 den begehrten Preis für seine Forschung über Chlorophyll, also das was Blätter grün macht. Er entwickelte auch einen Atemfilter für Gasmasken. Damit ging der Preis zum ersten Mal an die Max-Planck-Gesellschaft, die damals aber noch anders hieß: Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Chlorophyllverlust an einem Eichenblatt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / blickwinkel/M. Henning | M. Henning)
Richard Willstätter bekam, als erstes Mitglied der Gesellschaft, bereits 1915 den Nobelpreis für seine Forschung über Chlorophyll.

Max-Planck-Gesellschaft war Nachfolger der Kaiser-Wihelm-Gesellschaft

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften darf sich als Nachfolger der Kaiser-Wihelm-Gesellschaft bezeichnen, die 1911 vom Kaiser Wilhelm des 2. zur Pflege vornehmlich naturwissenschaftlicher Forschung durch Einrichtung selbstständiger Forschungsinstitute gegründet wurde.

Dies erklärte der Chemiker kurz nach der Gründung der heutigen Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in einem Radiointerview im SWR.

Die Max-Planck-Gesellschaft heute betreibt Grundlagenforschung mittlerweile nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Forschung ist vielseitig, es geht darum, wie wir altern, es geht um Tiere, die Vulkanausbrüche vorher spüren, um die Entschlüsselung unsere Gene.  

Otto Hahn ebnete Weg zur Atombombe

Erkenntnisse, die teilweise sehr große Macht haben können: Otto Hahn erhielt 1944 den Nobelpreis mit einer Entdeckung, die zu der bedeutendsten des 20. Jahrhunderts wird. Denn Hahn gelang der Nachweis der Kernspaltung des Urans. Damit ebnete der Wissenschaftler unfreiwillig den Weg zur Atombombe.  

Einige Jahre später, 1958, wurde Hahn gefragt, ob er die Versuche zur Atomspaltung noch einmal machen würde, wenn er zuvor die Folgen seine Entdeckung kennen würde.

Wir würden heute wieder genauso vorgehen wie damals, unsere Versuche machen, weil wir eben das neue erforschen wollen- Der Wissenschaftler hat der Wahrheit zu dienen. Was dann damit geschieht, mit seinen Ergebnissen geschieht, darauf hat der Wissenschaftler keinen Einfluss, aber ich darf daran erinnern, dass wir immer auf die Gefahren der Verwendung von Atom – und Wasserstoffbomben hingewiesen haben.

1945 wurden die ersten Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Hahn zeigte sich darüber tief bestürzt, hatte er doch mit seiner Forschung die Voraussetzungen für diese Katastrophe geschaffen. Er setzte sich zeitlebens dafür ein, dass die Wissenschaft dem Wohle der Menschheit dient und nicht gegen sie verwendet werden soll.  

Max-Planck-Institut als Magnet für junge Forschende

Dass derart große Entdeckungen überhaupt möglich sind, war damals aber auch ein Magnet für junge Forschende zum MPI zu kommen.

Der Zustrom der Naturwissenschaften ist sehr groß und wir vertrauen auf die Fähigkeit und den Idealismus der jungen Generation, dass von ihr aus auch in Deutschland wieder grundlegende Erkenntnisse gefunden werden.

Weil bahnbrechende Erkenntnisse in der Regel nie allein entstehen, dürfen die Spitzenforschenden bis heute eigene Institute mit eigenen Teams und Arbeitsstrukturen aufbauen. Anders als an den Universitäten.  

Auch der Entdecker der Kernspaltung, Otto Hahn, arbeitete damals nicht allein, sondern 30 Jahre mit der österreichischen Physikerin Lise Meitner im Labor zusammen, bis diese 1938 als Jüdin Deutschland verlassen musste und nach Schweden ins Exil floh. Hahn informierte deswegen damals zuerst Meitner in einem Brief über seine ungewöhnliche Beobachtung in einer Versuchsreihe.

Chemiker und zukünftiger Nobelpreisträger Otto Hahn und Physikerin Lise Meitner in ihrem Labor 1913. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Mary Evans Picture Library/WEIMA | -)
Otto Hahn, der Entdecker der Kernspaltung, arbeitete damals nicht allein, sondern 30 Jahre mit der österreichischen Physikerin Lise Meitner im Labor zusammen, bis diese 1938 als Jüdin Deutschland verlassen musste und nach Schweden ins Exil floh.

Vielleicht kannst Du irgendeine phantastische Erklärung vorschlagen. Wir wissen dabei selbst, daß es eigentlich nicht in Ba(rium) zerplatzen kann.

Lise Meitner bestätigte Hahns Überlegungen und berechnete für ihn damals die riesige Energiemenge, die bei einer Kernspaltung frei wird.  

Nur wenige Frauen bekamen einen Nobelpreis

Meitner allerdings bekam keinen Nobelpreis: gerade mal 2 der bisher 30 Nobelpreise der Max-Planck-Gesellschaft gingen bisher an Frauen: einen bekam Christiane Nüsslein-Volhard, die bislang einzige deutsche Wissenschaftlerin mit Nobelpreis in Medizin: sie entdeckte zahlreiche Gene, die die Embryonalentwicklung steuern. Den anderen bekam 2020 Emanuelle Charpentier für die Entdeckung der sogenannten Genschere Crispr/Cas. Auch noch heute sind nur etwa ein Drittel der Forschenden an den Max-Planck-Instituten Frauen.

Christiane Nüsslein-Volhardt neben einem Bild, auf der die genetische Steuerung der Embryonalentwicklung bei Taufliegen abgebildet ist. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow)
Gerade mal 2 der bisher 30 Nobelpreise der Max-Planck-Gesellschaft gingen bisher an Frauen: einen bekam Christiane Nüsslein-Volhard, die bislang einzige deutsche Wissenschaftlerin mit Nobelpreis in Medizin: sie entdeckte zahlreiche Gene, die die Embryonalentwicklung steuern.

Und Paul Crutzen, der dritte im Bunde der Nobelpreisträger am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, gewann schließlich den Preis für seine Forschung zur Atmosphärenchemie, insbesondere weil er zeigen konnte, wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe die Ozonschicht abbauten. Er war also Mitentdecker des Ozonlochs, das sich derzeit wieder schließt, auch weil die FCKWs daraufhin verboten wurden.

Paul Crutzen neben einer großen Weltkugel. (Foto: IMAGO, IMAGO / Sämmer)
Paul Crutzen ist ebenfalls Nobelpreisträger der Max-Planck-Gesellschaft.

Wie weitreichend Crutzens Erkenntnisse schließlich waren, zeigt sich auch hieran: denn er etablierte den Begriff des Anthropozäns. Damit gab Crutzen unserem aktuellen Zeitalter einen neuen Namen: durch seine jahrelange Forschung war für ihn klar: Der Mensch verändert das Erdsystem so umfassend, wie bislang nur Vulkanausbrüche, Erdbeben oder andere Naturkräfte es tun konnten. Das neu benannte Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena soll zukünftig genau die Wechselbeziehungen zwischen der Geosphäre und menschgemachten Systemen erforschen.

Aktuell gibt es eine digitale Ausstellung: Pioniere des Wissens, welche die Nobelpreisträger*innen der Max-Planck-Gesellschaft und ihre Forschungsthemen vorstellt.

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Bild von Elena Weidt, Multimedia-Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell (Foto: SWR, Elena Weidt)
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