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Future of Voice

Hört mich mein Smart Speaker ab?

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„Die Alexa Spionage“ oder „Freiwillig verwanzt“ – so oder so ähnlich, klingen reißerische Titel, die über Smart Speaker berichten. Sie liegen nicht zu 100 Prozent falsch, denn Alexa & Co. hören zu – sonst würden die intelligenten Helfer ihren Einsatz verpassen. 
Aber was bedeutet das genau und was passiert mit unseren Daten? Wir klären auf und geben Tipps zur sicheren Nutzung von Alexa & Co.  

Hören Alexa & Co. immer zu?  

Ja, intelligente Lautsprecher hören immer zu. Allerdings zeichnen sie das Gespräch nicht immer auf – und hier liegt der entscheidende Unterschied. Die intelligenten Lautsprecher besitzen mehrere Mikrofone, die meistens im 360-Grad-Radius angeordnet sind und auf das jeweilige Aktivierungswort warten. Die Smart Speaker von Amazon hören standardmäßig auf „Alexa“, der Google Assistant auf „Hey Google“ und Geräte von Apple auf „Hey Siri“. Erst wenn dieser Befehl wahrgenommen wird, zeichnen intelligente Lautsprecher die Gespräche auf. Ohne das Aktivierungswort geht sozusagen alles, was gesagt wird, zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus’. 

Was passiert mit den aufgezeichneten Aufnahmen? 

Sobald Smart Speaker das Aktivierungswort hören, verbinden sie sich mit der Cloud und leiten die aufgezeichnete Sprachdatei in ein Rechenzentrum weiter. Das ist notwendig, weil die kleinen Geräte nicht genug Rechenkapazität besitzen, um die Aufnahmen lokal zu verarbeiten. Die Frage nach dem Wetter oder nach den heutigen Terminen bleibt dann nicht im eigenen Wohnzimmer, sondern landet auf Servern der Firmen. 

Nach eigenen Aussagen von Amazon und Google werden die aufgezeichneten Daten nur verwendet, um die Verbesserung der Dienste sicherzustellen. Welche Dienste damit genau gemeint sind, formulieren die Anbieter allerdings nicht konkret. Neben der Verbesserung der eigenen Dienste tragen die gesammelten Aufnahmen dazu bei, dass sich Smart Speaker an die Aussprache der Nutzer:innen gewöhnen. Apple betont, dass die Auswertung durch menschliche Mitarbeitende dabei nur stichprobenartig erfolge, um die Spracherkennungstechnologie zu verbessern. 

Eine aktuelle Studie der Cornell Universität in New York hat allerdings festgestellt, dass es Beweise dafür gibt, dass die Aufzeichnungen verwendet werden, um gezielte Werbung für Nutzende zu schalten. Dies impliziert einen Datenaustausch zwischen mehreren Parteien. Amazon selbst kritisiert die Studie als fehlerhaft und betont, dass keine persönlichen Daten an Werbenetzwerke verkauft werden.

Smart Speaker: Aktivierungswort-Erkennung mit Problemen? 

In der Realität ist es etwas schwieriger, denn auch Smart Speaker machen Fehler. Zufällige Aufnahmen sind möglich, wenn das Aktivierungswort falsch verstanden wird. So reagiert Alexa teilweise auch auf „Alexander“ oder Google Geräte auf „Hey Du“, statt „Hey Google“. Sobald der Lautsprecher glaubt, dass er angesprochen wurde, wird die Aufnahme sofort analysiert, egal, ob wirklich das Aktivierungswort benutzt wurde oder es nur so klang. Wenn es ein Fehlalarm war, wird die Aufnahme direkt gestoppt. Laut eigenen Angaben arbeiten die Anbieter immer weiter daran ‘falsche Auslöser’ zu minimieren. Das gelingt natürlich nicht immer, denn letztlich ist die Prüfung auf Fehlererkennung selbst fehleranfällig und so reagieren Smart Speaker ggf. trotzdem. 

Amazon versichert, dass ohne die Erkennung des Aktivierungswortes keine Sprachaufzeichnungen gespeichert oder in die Cloud geleitet werden. Apple bestätigt diese Aussage und Google löscht unbeabsichtigte Aufnahmen sofort. 

Ob Smart Speaker gerade aufzeichnen und Daten an das Rechenzentrum senden, können Sie übrigens auch an optischen Signalen erkennen. Bei Amazon Echo Geräten leuchtet ein blauer Kreis auf und bei Display-Geräten ist eine horizontale blaue Leiste am unteren Displayrand zu sehen. Beim HomePod mini von Apple leuchten oben bunte Farben auf und bei Google Geräten sind es vier Punkte in den Google-Farben. 

Alexa & Co. – Tipps zum Datenschutz für Smart Speaker 

Anstatt sich komplett gegen den Gebrauch von Smart Speakern zu sträuben, ist es wichtig, sich über das Thema Datenschutz Wissen anzueignen. Inwieweit sind Sie bereit, Ihre Datenautonomie aufzugeben, um mehr Vorteile zu genießen? 

Abschließend gibt es noch drei Tipps von Robin, Director of Development, bei der Berliner Voice Agentur ‘Future of Voice’, um den Schutz Ihrer Daten bei Smart Speakern, zumindest teilweise, selbst in die Hand zu nehmen: 

  1. Überprüfe Deine Einstellungen: Bei der Einrichtung des Smart Speakers weisen die Hersteller daraufhin, dass ggf. Menschen die Spracheingabe anhören, um die Spracherkennungs-Technologie zu verbessern. Google und Amazon bieten Ihnen die Möglichkeit die Funktion in den Einstellungen zu deaktivieren und somit Ihre Sprachaufnahmen von dem Verfahren auszuschließen. 
  2. Lösche den Sprachaufnahmen-Verlauf: Sowohl bei Amazon als auch bei Google haben Sie die Möglichkeit den Sprachaufnahmen-Verlauf zu löschen. Alternativ können Sie bei Smart Speakern von Amazon festlegen, dass Ihre Daten automatisch alle 3 oder 18 Monate gelöscht werden. Somit hat Alexa die Möglichkeit, sich besser an Sie anzupassen, kann aber kein detailliertes Profil anlegen. 
  3. Mikrofon manuell deaktivieren: Benötigen Sie die Dienste Ihres Smart Speakers gerade gar nicht, können Sie das Mikrofon sowohl bei Amazon als auch bei Apple und Google Geräten komplett ausschalten. Die Mikrofone sind somit inaktiv und reagieren nicht mehr auf Anfragen
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