Das Wappen von Rheinland-Pfalz auf der Uniform eines Polizisten (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Urteil in Trier

Rheinland-Pfalz darf Polizeibewerber wegen Rückentätowierung ablehnen

STAND

Weil er die Worte "Loyalty, Honor, Respect, Family" auf dem Rücken tätowiert hat, hat das Land einen Polizeibewerber abgelehnt. Zu Recht, entschied das Verwaltungsgericht Trier.

In dem Fall (Az. 7 L 2837/22.TR) hatte das Land den Mann "wegen Zweifeln an seiner charakterlichen Eignung" abgelehnt. Die Tätowierung (auf Deutsch: Loyalität, Ehre, Respekt, Familie) in der Schriftart "Old English" vermittele den Eindruck eines "Ehrenkodex", der unter anderem mit den Werten einer "modernen Bürgerpolizei" nicht in Einklang gebracht werden könne.

Kläger nennt Entscheidung willkürlich

Der Mann widersprach und nannte die Entscheidung willkürlich, aufgrund einer nicht sichtbaren Tätowierung auf seine Nichteignung zu schließen. Er klagte, bekam aber nicht recht.

Das Land habe zu Recht ausgeführt, dass insbesondere das Voranstellen der Worte "Loyalität" und "Ehre" den Verdacht nahelegen müssten, dass diese Werte für den Mann eine besondere Bedeutung haben, heißt es in dem Gerichtsbeschluss vom 27. September.

Gericht: Einstellung nicht mit Polizeiberuf vereinbar

Daraus könne gefolgert werden, dass es um Loyalität zu einer bestimmten Person oder Gruppe gehe - und dass dem Aufrechterhalten einer wie auch immer gearteten "Ehre" übersteigerte Bedeutung zukomme. Eine solche persönliche Einstellung sei mit der Pflicht eines Polizeibeamten nicht vereinbar, entschied das Gericht.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Mann "Loyalität" und "Ehre" höhere Bedeutung zumesse als den Freiheitsrechten der Bürger. Gegen den Beschluss ist innerhalb von zwei Wochen Beschwerde möglich.

Forum Der gezeichnete Körper – Warum boomen Piercings und Tattoos?

Martin Hecht diskutiert mit
Prof. Dr. Jürgen Martschukat, Lehrstuhl für nordamerikanische Geschichte, Universität Erfurt
Prof. Dr. Markus Schroer, Soziologe, Universität Marburg
Prof. Dr. med. Aglaja Valentina Stirn, Professorin für Psychosomatische Medizin und Sexualmedizin, Universität Kiel

SWR2 Forum SWR2

EU-Verordnung Gehören bunte Tattoos bald der Vergangenheit an?

Ab dem 4. Januar 2022 könnte es vorbei sein mit der bunter Farbenpracht unter der Haut: Dann tritt die neue REACH-Verordnung der EU in Kraft, die zahlreiche Tätowierfarben verbietet. Tätowierer*innen fürchten um ihr Geschäft, Tattoofans sind in Sorge um ihren Körperschmuck. Welche Konsequenzen bringt REACH mit sich?

Medizin So gefährlich sind Tattoos

Nie waren mehr Menschen tätowiert. Doch Tätowierungen können zum gesundheitlichen Risiko werden. Pharmakologin Ines Schreiver forscht über die unterschätzten Risiken.

STAND
AUTOR/IN
SWR