In Mainz sollen "schwarzfahren" in Bussen und Bahn nicht automatisch angezeigt werden.

Entscheidung der Mainzer Verkehrsgesellschaft

"Schwarzfahren" in Mainz wird nicht mehr automatisch angezeigt

Stand
Autor/in
Katja Jorwitz
SWR4 Moderatorin Katja Jorwitz

Wer in Mainz in Bus und Bahn ohne Ticket erwischt wird, wird nicht mehr automatisch angezeigt. So hat es der Aufsichtsrat der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) beschlossen. Es gibt aber Ausnahmen.

Der Mainzer Stadtrat hatte in seiner Sitzung im Mai mehrheitlich beschlossen, dass Menschen, die ohne gültigen Fahrschein im ÖPNV unterwegs sind, nicht mehr mit Anzeigen bestraft werden sollen. Das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt in Höhe von 60 Euro als Strafe sollte aber beibehalten werden.

Anzeigen fürs "Schwarzfahren" bestrafen die Armen

Hintergrund der Entscheidung war, dass durch Strafanzeigen vor allem die Menschen bestraft werden, die wenig Geld haben. Sie müssten im schlimmsten Fall ins Gefängnis. Deswegen wurde der Aufsichtsrat der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) gebeten, sich dafür einzusetzen, dass diese Praxis geändert wird.

MVG will nicht mehr alle "Schwarzfahrer" automatisch anzeigen

Dieser hat nun in seiner Sitzung am Dienstag beschlossen, nicht mehr automatisch alle, die ohne gültiges Ticket in Mainz erwischt werden, anzuzeigen. Bislang war es so: Wer innerhalb von zwei Jahren drei Mal ohne gültigen Fahrschein ertappt wurde, bekam automatisch einen sogenannten Straftantrag.

Neue Praxis muss noch erarbeitet werden

Diese Praxis wolle man nun ändern. Wie das allerdings konkret aussehen soll, müsse noch erarbeitet werden, heißt es von Seiten der MVG. Dafür werde es in den kommenden Wochen Gespräche mit weiteren Beteiligten geben - unter anderem mit der Polizei und der Justiz. Zudem sollen Erfahrungen aus anderen Städten, die bereits auf Strafanträge verzichten, einbezogen werden.

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Bei Attacken wird angezeigt

Es soll aber Ausnahmen geben: Wenn das Kontrollpersonal von einem Fahrgast verbal oder handgreiflich angegangen wird, will die MVG weiterhin sofort einen Strafantrag stellen.

Einig war sich der Aufsichtsrat auch, dass Fahrschein-Kontrollen generell auch wirtschaftlich wichtig sind. So brauche man die Strafe fürs "Schwarzfahren", das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt, als Einnahmequelle.

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