Ein älteres, seit langem ungenutztes Hotel in der Mainzer Innenstadt (Foto: SWR, Golo Schlenk)

Schandfleck verschwindet

Neues Seniorenheim: Große Bleiche in Mainz wird aufgewertet

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Für viele ist es seit Jahren ein Schandfleck in der Mainzer Innenstadt. In der Großen Bleiche soll ein ehemaliges Hotel einem modernen Wohngebäude weichen.

Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) zeigte sich erleichtert, als sie den Vertretern des französischen Pflege-Unternehmens Orpea die Baugenehmigung übergab. Jahrelang stand der Gebäudekomplex in zentraler Lage auf der Großen Bleiche 22-26 leer. Außen angeschlagen ist noch der ehemalige Nutzer: "City-Hotel Neubrunnenhof" steht in großen Buchstaben über dem damaligen Eingang. Übernachtet wird dort aber seit vielen Jahren nicht mehr.

70 Wohnungen für betreutes Wohnen

Nach dem Willen von Orpea soll genau das bald wieder möglich sein - aber auf andere Weise. Das Unternehmen plant einen Neubau, in dem ein Seniorenheim für betreutes Wohnen untergebracht wird. Auf sieben Geschossen seien 70 Ein- bis Dreizimmer-Apartments geplant, sagt Martin Fäßle, Geschäftsführer von Orpea Deutschland Immobilien Services. Sie werden im Schnitt gut 50 Quadratmeter groß sein. Die Bewohner könnten das hauseigene Restaurant nutzen, verschiedene Pflegeleistungen könnten zugebucht werden.

Das verrammelte Gebäude wirkt auf manchen wie ein Mahnmal verfehlter Baupolitik. Dass ausgerechnet der Komplex um das ehemalige City-Hotel Neubrunnenhof bald abgerissen und neu bebaut wird, sei ein Glücksfall für die Stadt, so Grosse. Mit dem Pflegeheimbetreiber Orpea habe sich nun ein Unternehmen das Grundstück gesichert, das eine Entwicklung im Sinne der Stadt vollziehe und älteren Menschen die Möglichkeit biete, in zentraler Lage zu wohnen.

Stadt sieht Aufwertung der Großen Bleiche

Zudem bedeute der Neubau eine Aufwertung der Großen Bleiche. Grosse räumt ein, dass man in der wichtigen Innenstadtverbindung zwischen Münsterplatz und Regierungsviertel zuletzt einen so genannten Trading-Down-Effekt festgestellt habe. Dieser Trend zu Billigläden und leeren Geschäftslokalen und damit verbundenem Imageverlust könnte sich nun eventuell umkehren, hofft Grosse. Die Errichtung eines Neubaus, der sich gut ins Umfeld einpasse, könne auch bei benachbarten Hausbesitzern zu einem "Renovierungsdruck" führen.

Visualisierung des neuen Seniorenheims in der Großen Bleiche Mainz (Foto: Pressestelle, Architekten Graf + Graf, Montabaur)
Visualisierung des neuen Seniorenheims in der Großen Bleiche Mainz Pressestelle Architekten Graf + Graf, Montabaur

Vorschläge des Planungs- und Gestaltungsbeirats umgesetzt

Dabei waren die Vorgespräche zwischen der Stadt und dem Investor bezüglich der Außengestaltung des Gebäudes anscheinend nicht immer reibungslos verlaufen. Altstadt-Ortsvorsteher Brian Huck (Grüne) habe seine Probleme gehabt mit der ursprünglich geplanten Fassade. Inzwischen habe Orpea aber die Vorschläge des Mainzer Planungs- und Gestaltungsbeirats in die Bauplanung eingearbeitet. "Das sieht jetzt viel besser aus", freute sich Huck bei der Übergabe der Baugenehmigung.

Gebäude soll noch in diesem Jahr abgerissen werden

Nach Einschätzung von Orpea-Geschäftsführer Fäßle könnte der Gebäudekomplex noch in diesem Jahr abgerissen werden, wenn alles nach Plan laufe. Wann der Neubau errichtet wird, sei aber noch unklar. Wegen der stark gestiegenen Baukosten befinde man sich in Gesprächen mit den Baufirmen. Zudem ist sich auch Orpea der römischen Geschichte der Stadt bewusst. Bei Bauvorhaben in Mainz muss man immer mit archäologische Überraschungen rechnen.

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