Säuglingsnahrung in den USA knapp (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

"Operation Fly Formula"

Erste Lieferung an Babynahrung über Ramstein in USA eingetroffen

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In den USA mangelt es seit Wochen an Babynahrung. Präsident Joe Biden setzt das unter Druck. Jetzt hat er das Militär aktiviert - und lässt über die US-Airbase Ramstein Ersatz in die Vereinigten Staaten bringen.

Am Sonntagabend (Ortszeit) ist eine erste Maschine im Bundesstaat Indiana gelandet. Sie war am Samstag mit mehr als 31 Tonnen medizinischer Spezial-Nahrung für Babys mit Kuhmilch-Allergie von Ramstein aus in die USA gestartet. Nach Angaben der US-Luftwaffe stammt die Lieferung aus der Schweiz.

US-Präsident Joe Biden kündigte eine zweite Lieferung an: "Wir haben einen zweiten Flug bekommen, um die spezielle Säuglingsnahrung von Nestlé nach Pennsylvania zu transportieren", erklärte er auf Twitter.

Die erste Lieferung decke etwa 15 Prozent des unmittelbaren Bedarfs, sagte der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Brian Deese, dem Sender CNN. Die Säuglingsnahrung wurde nach Indiana geflogen, weil sich dort ein Drehkreuz von Nestlé befindet. Dort soll sie in einem Labor auf ihre Qualität geprüft werden, bevor sie im Land verteilt wird.

Ramstein Air Force Base, Germany - 78,000 pounds of infant formula is loaded onto a C-17 cargo plane during #OperationFlyFormula, an operation to quickly import infant formula to the U.S. Video - @usairforce Senior Airman Thomas Karol. @Queen_City_News https://t.co/J9TgqxJnvn

Produkte wegen Angst vor Verunreinigung zurückgerufen

Hintergrund der Engpässe ist der Ausfall einer Fabrik von Abbott, dem größten Hersteller von Säuglingsmilchnahrung in den USA. Abbott hatte mehrere Produktlinien zurückgerufen, nachdem möglicherweise wegen bakterieller Verunreinigungen vier Säuglinge erkrankt und zwei gestorben waren. Die Produktion in einem Werk der Firma im Staat Michigan wurde im Februar vorerst gestoppt. Biden hat die Engpässe zur Chefsache erklärt und unter anderem ein für Kriegszeiten gedachtes Gesetz aktiviert, um die Produktion anzukurbeln.

Babynahrung in den USA ist knapp (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Nahezu leere Regale für Babynahrung in einem Supermarkt in New York. Picture Alliance

Zudem hatte der Präsident vergangene Woche die "Operation Fly Formula" (in etwa: "Operation Babynahrung Fliegen") ausgerufen. Verteidigungsminister Lloyd Austin ordnete am Freitag die entsprechenden Flüge an. Das Weiße Haus teilte mit, wegen der Dringlichkeit würden dafür zunächst Militärflugzeuge aus Ramstein eingesetzt, weil am Wochenende keine kommerziellen Flüge verfügbar gewesen seien. Künftig würden die meisten Lieferungen aber mit kommerziellen Fliegern abgewickelt.

Hersteller: "Es tut uns für jede Familie leid"

Abbott-Chef Robert Ford drückte am Samstag sein Bedauern aus. "Es tut uns leid für jede Familie, die wir im Stich gelassen haben, seit unser freiwilliger Rückruf den Mangel an Babynahrung in unserem Land verschärft hat", schrieb Ford in der "Washington Post". Man glaube dennoch, dass der Rückruf richtig gewesen sei. "Wir werden keine Risiken eingehen, wenn es um die Gesundheit von Kindern geht." Man wisse, dass wegen fehlender Abbott-Spezialnahrung einige Kinder, die andere Nahrung und Milch nicht verdauen könnten, ins Krankenhaus gekommen seien. "Das ist tragisch und herzzerreißend."

Ford kündigte Maßnahmen an, um die Engpässe zu überwinden. Der Herstellung dieser Spezialnahrung werde die höchste Priorität eingeräumt, schrieb der Abbott-Chef. Den betroffenen Familien solle mit einem Fonds von fünf Millionen Dollar (4,73 Millionen Euro) geholfen werden. Außerdem sei nun ein anderes Abbott-Werk, das sonst Produkte für Erwachsene herstelle, auf Babynahrung umgestellt worden. Zusätzlich werde Babynahrung von einer Fabrik in Irland eingeflogen. Man gehe davon aus, das Werk in Michigan in der ersten Juniwoche wieder öffnen zu können.

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